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Elsbeere – Sorbus torminalis

Elsbeere

Sorbus torminalis
Essbarkeit6Heilwirkung2Sonstiger Nutzen2
Baum20×8,5 mZone 5–9Halbschatten🍎 Essbar

Wächst das bei mir?

Elsbeere ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Oder gleich hier für deinen Standort prüfen:

Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Rosaceae
Wuchsform
Baum
Wuchshöhe
20 m
Kronenbreite
8,5 m
Wachstum
mittel
Lebensdauer
100 Jahre
Erster Ertrag
nach 8 Jahren
Winterhärte
Zone 5–9
Schattentoleranz
Halbschatten
Boden
Sand, Schluff, Lehm
Bodenfeuchte
trocken – feucht
pH-Wert
6 – 8
Nektarquelle

Blüte & Ernte

J F M A M J J A S O N D
Blüte

Zeiten gelten für die Nordhalbkugel in gemäßigtem Klima und verschieben sich mit Höhenlage und Sorte.

Nutzung

Essbar6 von 10
Heilkunde2 von 10
Sonstige Nutzung2 von 10

Essbar: Die 1,2 bis 1,8 cm großen, ovalen und apfelartigen Steinfrüchte sind zunächst olivgrün, dann rötlichgelb mit hellen Punkten und schließlich lederbraun mit großen Lentizellen. Sie reifen im Oktober und November, bleiben aber lange am Baum. Frisch sind sie durch die Gerbstoffe herb und ungenießbar; erst nach Frosteinwirkung werden sie teigig und schmecken dann säuerlich-aromatisch, ähnlich der Mispel oder wie Apfelmus. Das Fruchtfleisch enthält zahlreiche Steinzellen. An Inhaltsstoffen sind Vitamin C, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Pektin und Flavonolglycoside nachgewiesen. Meist werden die Früchte verarbeitet: in Mischung mit säurearmem Obst zu Kompott, Marmelade, Gelee und Saft. Aus dem Destillat entsteht in Frankreich der Branntwein Eau d'Alizier, in Österreich das Adlitzbeerwasser – einer der teuersten Edelbrände überhaupt, für den Literpreise um 150 Euro erzielt werden.

Heilkunde: Der Artname torminalis leitet sich vom lateinischen tormina für Bauchgrimmen und Ruhr ab und verweist auf die alte Verwendung: Getrocknete, unreife Früchte wurden in der Volksheilkunde gegen Ruhr und Durchfall eingesetzt, eine Anwendung, die schon Plinius erwähnt. Im Deutschen hielt sich dafür der Name Ruhrbirne. Plausibel ist die Wirkung über den hohen Gerbstoffgehalt, der Schleimhäute zusammenzieht - dieselbe Eigenschaft, die die unreife Frucht ungenießbar macht. Ein Wirknachweis nach heutigen Maßstäben liegt nicht vor, die Anwendung ist historisch zu verstehen. Nachgewiesene Inhaltsstoffe sind Vitamin C, Gerbstoffe, Fruchtsäuren, Pektin und Flavonolglycoside.

Sonstige Nutzung: Das Holz ist der eigentliche Schatz der Elsbeere. Frisch weißgelb, dunkelt es rötlich nach, ist sehr hart, zäh und feinporig und zählt zu den härtesten Hölzern Europas. Tischler, Drechsler und Bildhauer schätzen es gleichermaßen; traditionell wurden daraus Flöten und andere Musikinstrumente, Kleinmöbel und früher auch Rechenschieber gefertigt. Als Furnier läuft es im Handel oft unter der Bezeichnung Birnbaum und wird für wertvolle Innenausstattungen verwendet. Wegen der Seltenheit und der geringen anfallenden Mengen werden im Fachhandel Spitzenpreise gezahlt. Daneben ist die Elsbeere als Landschaftsgehölz und Hofbaum in Verwendung, geschätzt für ihre leuchtend gelborange bis rote Herbstfärbung. Im Wienerwald haben sich mehrere Gemeinden zur Genussregion Wiesenwienerwald Elsbeere zusammengeschlossen und vermarkten Früchte, Brände und Kunsthandwerk aus Elsbeerholz gemeinsam.

Anbau

Standortwahl: Ein warmer, vollsonniger Platz auf kalkhaltigem, tiefgründigem Boden ist die Voraussetzung; in kalten Senken und auf schweren Nassböden bleibt der Baum kümmerlich. Mit 8 bis 20, ausnahmsweise 25 m Höhe und rundlich-eiförmiger Krone ist die Elsbeere ein Baum für große Gärten, Hofstellen und Streuobstwiesen, nicht für den Reihenhausgarten. Sie bildet Wurzelbrut und kann mit der Zeit ganze Dickichte aufbauen – in gepflegten Beeten und nahe Wegen ist das lästig, als Heckenrückgrat oder Böschungssicherung dagegen erwünscht. Die Blüten riechen unangenehm, direkt am Sitzplatz stört das im Mai und Juni. Als Rosengewächs steht sie im Wirtskreis des Feuerbrands, deshalb Abstand zu Apfel-, Birnen- und Quittenanlagen halten. Pflege: Die Elsbeere ist selbstfruchtbar, ein Befruchter ist nicht nötig. Jungpflanzen wachsen langsam und brauchen in den ersten Jahren Verbissschutz, denn Rehwild äst gern an den weichen Trieben. Geschnitten wird nur in der Jugend zum Aufbau eines geraden Leittriebs, später möglichst gar nicht mehr; große Schnittwunden überwallt sie schlecht. Gedüngt wird nicht. Krankheiten und Schädlinge spielen kaum eine Rolle, gelegentlich treten Blattläuse auf. Geerntet wird im Oktober und November von Hand, in den Wienerwald-Beständen traditionell mit hohen Leitern. Die Früchte bleiben lange am Baum und werden erst nach Frosteinwirkung teigig und genießbar – wer zu lange wartet, teilt sie mit den Vögeln. Der Baum ist mit 100 Jahren ausgewachsen und wird 200 bis 300 Jahre alt.

Vermehrung

Die Elsbeere lässt sich aus Samen und durch Veredelung vermehren. Die Samen liegen zu mehreren in der Frucht und werden bis 7 mm groß; sie sind tief keimruhend und brauchen eine Kaltstratifikation über mindestens einen Winter. Wer im Herbst frisch gereinigtes Saatgut ins Freilandbeet sät, erhält die Keimung im zweiten Frühjahr, oft verteilt über zwei Jahre. Schneller und sortentreuer ist die Veredelung: Als Unterlagen dienen traditionell Weißdorn und Birnensämlinge. Am Lehr- und Forschungszentrum Klosterneuburg wurden großfruchtige Wienerwald-Typen zusätzlich auf der Quittenunterlage BA 29 geprüft; die 2011 gepflanzten Veredelungen trugen bereits 2012 bis 2013, allerdings gilt das Wachstum auf Quitte als möglicherweise zu schwach und die Affinität als nicht abschließend geklärt. Außerdem bildet die Elsbeere Wurzelbrut, die sich abtrennen lässt.

Wert für Tiere

Die Elsbeere ist ein heimisches Vogelschutz- und Vogelnährgehölz mit gutem Insektenwert. Die reinweißen Blüten stehen in 7 bis 12 cm breiten Schirmrispen, öffnen sich im Mai und Juni und liefern reichlich Nektar; rund 37 Wildbienenarten nutzen sie, spezialisiert ist keine davon, dazu kommen etwa acht Schwebfliegenarten. Der unangenehme Blütenduft lockt vor allem Fliegen und Käfer an. Als Raupenfutterpflanze trägt sie etwa zehn Schmetterlingsarten, darunter einen Spezialisten, sowie eine an sie gebundene Käferart. Die Früchte werden von mindestens elf Vogelarten gefressen, unter ihnen Kernbeißer, Pirol, Eichelhäher, Amsel, Wacholderdrossel und Rabenkrähe; sie übernehmen zugleich die Ausbreitung der Samen. Die dichte, tief beastete Krone und die Wurzelbrut-Dickichte bieten Deckung und Nistmöglichkeiten.

Besonderheiten

Besonderheiten: Selbstfruchtbar, kein Befruchter nötig; Blüten riechen unangenehm; Ernte erst nach Frosteinwirkung, Früchte bleiben lange am Baum; bildet Wurzelbrut und mehrtriebige Dickichte; Tiefwurzler, wärmeliebend, sommerwarme+wintermilde Lagen; Holz erzielt Spitzenpreise; mit 100 Jahren ausgewachsen, Alter 200-300 Jahre; keine Baumschulsorten im Handel;

Herkunft & Lebensraum

Europa, Kleinasien, Transkaukasien und Nordafrika. Der Schwerpunkt liegt in Mittel- und Südeuropa; nach Norden reicht das Areal bis Dänemark, nach Osten bis Kleinasien und in den Kaukasus, nach Süden bis in die Gebirge Nordafrikas. In Deutschland kommt die Elsbeere zerstreut in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und vor allem in Franken vor, wo etwa die Hälfte des deutschen Bestands wächst. In Österreich ist der Wienerwald östlich von Wien das bekannteste Vorkommen. In den Alpen steigt sie bis rund 900 m.

Die Elsbeere ist eine wärmeliebende Art der sommerwarmen, wintermilden Tieflagen und besiedelt bevorzugt südexponierte Hänge und Kuppen. Sie wächst auf nährstoffreichen, kalkhaltigen Lehmböden ebenso wie auf tiefgründigen, durchlässigen Gesteinsböden und wurzelt tief. Ihr Schwerpunkt liegt in lichten Eichenwäldern und Eichen-Hainbuchen-Wäldern, in Flaumeichen-Gesellschaften und an Waldrändern. Sie ist ein Lichtgehölz, das in der Jugend lichten Schatten duldet, im Alter aber viel Licht braucht; die Buche ist ihr überlegener Schattenkonkurrent und verdrängt sie auf den besseren Standorten. In keiner Waldgesellschaft tritt sie bestandsbildend auf, sie bleibt immer beigemischt.

⚠️ Gefahren

Unreife Früchte unbekömmlich Eine Giftwirkung ist nicht bekannt. Unreife Früchte sind durch ihren hohen Gerbstoffgehalt stark zusammenziehend und ungenießbar; größere Mengen können den Magen verstimmen. Genießbar werden sie erst, wenn sie nach Frosteinwirkung teigig geworden sind. Das Fruchtfleisch enthält zahlreiche harte Steinzellen und bis zu 7 mm große Samen, die beim Verarbeiten entfernt werden sollten.

Diese Angabe ersetzt keine fachkundige Bestimmung. Im Zweifel nichts essen.

Häufige Fragen

Elsbeere: Wie groß wird die Pflanze?

Elsbeere (Sorbus torminalis) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 20 m Höhe bei rund 8,5 m Breite. Das Wachstum ist mittel.

Elsbeere: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Elsbeere verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8 liegen.

Elsbeere: Ist die Pflanze winterhart?

Elsbeere ist für die Winterhärte Zone 5–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Elsbeere: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Elsbeere ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Elsbeere: Wann ist die Blütezeit?

Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Mai.

Elsbeere: Ist die Pflanze giftig?

Für Elsbeere ist keine Giftigkeit vermerkt. Verlass dich bei Wildpflanzen trotzdem nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Elsbeere: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 6/10, Heilkunde 2/10, Sonstige Nutzung 2/10.

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