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Schlehdorn – Prunus spinosa

Schlehdorn

Prunus spinosa
zusammenpenetrierende ZweiWeltenverbinder
Essbarkeit4Heilwirkung5Sonstiger Nutzen6
Strauch4×3 mZone 4–9Halbschatten

Wächst das bei mir?

Schlehdorn ist bis Zone 4 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Oder gleich hier für deinen Standort prüfen:

Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Rosaceae
Wuchsform
Strauch
Wuchshöhe
4 m
Kronenbreite
3 m
Wachstum
mittel
Lebensdauer
70 Jahre
Erster Ertrag
nach 8 Jahren
Ertrag pro Pflanze
bis 30 kg im Jahr
Ertrag im Anbau
bis 3 t/ha
Energieertrag
210 kcal pro m² und Jahr
Winterhärte
Zone 4–9
Schattentoleranz
Halbschatten
Boden
Sand, Schluff, Lehm
Bodenfeuchte
trocken – sehr feucht
pH-Wert
6 – 8,5
Synonyme
Schlehe
heckentauglichbedorntduftendNektarquelle

Blüte & Ernte

J F M A M J J A S O N D
Blüte
Fruchternte

Zeiten gelten für die Nordhalbkugel in gemäßigtem Klima und verschieben sich mit Höhenlage und Sorte.

Nutzung

Essbar4 von 10
Heilkunde5 von 10
Sonstige Nutzung6 von 10

Essbar: Die Schlehen reifen sehr spät, ab Ende September bis in den November, und bleiben oft bis in den Winter am Strauch. Roh sind sie durch Gerbstoffe stark adstringierend; erst nach Frosteinwirkung schmecken sie süß-säuerlich, für den Rohverzehr taugen sie trotzdem kaum. Erschwerend kommen der hohe Steinanteil von rund 20 Prozent und das schlecht lösende Fruchtfleisch hinzu. Sinnvoll ist deshalb die Verarbeitung, am besten als Mischfrucht mit säurearmen Obstarten zu Marmelade, Gelee, Sirup und Saft; besonders geschätzt sind Schlehengeist, Schlehenlikör und Schlehenwein, und in Essig-Zucker-Wasser eingelegt ergeben sie eine Beilage zu Rindfleisch. Belegt sind 0,4 bis 0,5 Prozent Fruchtsäuren, bis 10,7 Prozent Zucker, Pektin, Gerbstoffe, Mineralstoffe und etwa 50 mg Vitamin C je 100 g. Getrocknete Blüten und Blätter ergeben Tee — bei den Blüten ohne Überdosierung, sie enthalten Spuren eines Blausäureglykosids.

Heilkunde: Blüten, Rinde, Blätter und Früchte der Schlehe gelten als adstringierend, harntreibend, fiebersenkend, mild abführend und entzündungshemmend; verantwortlich sind vor allem die Gerbstoffe und Fruchtsäuren. Getrocknete Blüten und Blätter werden als Tee verwendet, dem eine blutreinigende Wirkung nachgesagt wird, und der Fruchtsaft gilt als stärkend in der Genesung. Bei den Blüten ist Zurückhaltung angebracht: Sie enthalten Spuren eines Blausäureglykosids und sollten nicht überdosiert werden. Die Schlehe ist in der europäischen Heilkunde ungewöhnlich gut bezeugt. Hildegard von Bingen empfahl sie bei Appetitlosigkeit, Entzündungen, Schlaflosigkeit und Blasenbeschwerden. Hieronymus Bock beschrieb im 16. Jahrhundert einen Sud aus Beeren oder Wurzelrinde in Wasser oder saurem Wein, mit Alaun und Honig versetzt, zum Spülen und Gurgeln bei Geschwüren in Mund, Zahnfleisch und Hals. Sebastian Kneipp nannte sie das schuldloseste Abführmittel und meinte, sie solle in keiner Hausapotheke fehlen. Diese Anwendungen sind historisch überliefert und nicht im heutigen Sinn als wirksam nachgewiesen; sie zeigen aber, wie durchgängig die Art über Jahrhunderte genutzt wurde.

Sonstige Nutzung: Frucht: Gesichtsmaske, färbt grün-dunkelgrau, Textilstempel Blätter: Farbe grün, Tabakersatz Rinde: Tannin, Tinte (rot), färbt gelb nach dem Kochen in Lauge Holz: sehr hart, geeignet für Drechseln, Schnitzen, Harke, Spazierstock Eigenschaften: Hangstabilisierung, Schneeschutz

Anbau

Standortwahl: Volle Sonne — im Schatten blüht und fruchtet der Schlehdorn kaum. Beim Boden ist er genügsam und kalkliebend, kommt aber auch auf mäßig sauren und trockenen Standorten zurecht. Entscheidend ist sein Ausbreitungsdrang: Wurzelausläufer reichen bis zu zehn Meter weit und bilden undurchdringliche Dickichte. Er gehört deshalb nur dorthin, wo dieser Platz vorhanden ist — in freiwachsende Hecken, an sonnige Böschungen, als Feldgehölz; sonst braucht es eine Rhizomsperre oder eine jährlich gemähte Zone. Nicht in die Nähe von Obstbaugebieten pflanzen, er kann das Scharka-Virus beherbergen. Die sehr frühe Blüte ab Mitte März ist spätfrostgefährdet. Pflege: Ein Schnitt ist nicht nötig, auf Ertrag wird nicht geschnitten; auf sonnigen Standorten sind bis zu 30 Kilogramm Früchte je Strauch möglich. Geerntet wird nach dem ersten Frost, der die Früchte mildert. An Schädlingen treten Pflaumengespinstmotte, Pflaumensägewespe, Schild- und Blattläuse sowie Spinnmilben auf, an Krankheiten die Narrentaschen. Die Dornen sind lang und hart — bei Pflege und Ernte gehören feste Handschuhe dazu.

Vermehrung

Die Aussaat ist der übliche Weg: Die Steine werden vor der Vollreife geerntet, ausgewaschen und über Winter kalt stratifiziert; der frühe Erntezeitpunkt verbessert die Keimung deutlich. Am einfachsten ist ein geschütztes Saatbeet im Freien, das bis zum zweiten Frühjahr stehen bleibt, denn die Keimung verläuft unregelmäßig. Wer schneller zu Pflanzen kommen will, nutzt die Wurzelausläufer: Sie lassen sich im Herbst oder zeitigen Frühjahr mit einem Spatenstich abtrennen und versetzen, und ein einzelner Strauch liefert davon reichlich. Großfrüchtige Auslesen wie 'Merzig', 'Maarli' oder 'Nittel' sowie die Zierformen werden dagegen auf Pflaumenunterlagen veredelt, weil sie aus Samen nicht sortenecht fallen.

Wert für Tiere

Der Schlehdorn ist eines der wertvollsten Heckengehölze Mitteleuropas. Er blüht Mitte März bis Mitte April vor dem Laubaustrieb und ist dann ein ergiebiger Pollen- und Nektarspender: 51 Wildbienenarten wurden an den Blüten nachgewiesen, dazu 20 Schwebfliegenarten. Sein größter Beitrag ist das Laub — 159 Schmetterlingsraupen fressen daran, 18 davon ausschließlich an Schlehe, darunter der Nierenfleck-Zipfelfalter. 20 Vogel- und 18 Säugetierarten nehmen die Früchte, die bis in den Winter am Strauch bleiben. Das dornige, dichte Gestrüpp ist zugleich ein hervorragendes Brut- und Schutzgehölz; der Neuntöter spießt seine Beute auf den Dornen auf. Damit deckt eine einzige Art Blütentracht, Raupenfutter, Winterfrucht und Deckung ab.

Besonderheiten

Besonderheiten: dürre+salz+schadstoff+meereswindtolerant; Ausläufer!!; Bildet schnell große undurchdringliche Dickichte; Gut für Dutzende Vögel; Im Winter wenig blickdicht; Als Schutzgürtel um Felder, Höfe gepflanzt; Tinte: Rinde >Tage in Wasser eingelegt, ausgekocht, mit Wein versetzt+eingekocht; Für Kelten: Führer zwischen den Welten; Wurzelkriechpionier; Tinte: Rinde von Zweigen geklopft, |:3 Tage in Wasser, abgegossen, aufgekocht,

Herkunft & Lebensraum

Europa bis Westasien. Ursprünglich war die Schlehe in Vorderasien und Mittelasien beheimatet; im Kaukasus war sie maßgeblich an der Entstehung der Zwetschge beteiligt. Heute reicht ihr Areal von Europa bis Westasien, dazu ist sie in Nordwestafrika eingebürgert. In Mitteleuropa kommt sie seit sehr langer Zeit vor — Steinkerne fanden sich bereits in den Pfahlbauten am Bodensee. In den Alpen steigt sie an sonnigen Waldrändern bis 1600 Meter. Die Gegend zwischen Schwarzwald, Strohgäu und Enztal heißt nach ihrem häufigen Vorkommen Heckengäu oder Schlehengäu.

Der Schlehdorn ist ein sonnen- und lichtliebendes Saumgehölz. Er wächst in Hecken und Gebüschen, an Waldrändern, auf Kahlschlägen, Halden, Fels- und Schutthängen, Steinriegeln, Böschungen, in Weinbergen und aufgelassenen Steinbrüchen. Er nimmt alle Standorte von trocken-mager bis frisch-nährstoffreich an, auf steinigen wie lehmigen Böden, kalkliebend, aber auch auf mäßig sauren Böden. Über seine bis zu zehn Meter weit reichenden Wurzelausläufer bildet er geschlossene, undurchdringliche Dickichte und erobert von Hecken aus angrenzendes Offenland — auf beweideten Magerrasen ist er deshalb sowohl Lebensraumbildner als auch Verbuschungsproblem.

⚠️ Gefahren

Giftige Kerne und Blätter, giftig für Hunde, Katzen und Pferde Wie bei allen Prunus-Arten enthalten Samen, Blätter und Rinde cyanogene Glykoside, die beim Zerkauen oder Zerkleinern Blausäure freisetzen. Einzelne versehentlich mitverschluckte, unversehrte Kerne sind unbedenklich, größere Mengen zerkauter Kerne dagegen nicht; von selbst hergestellten Kernauszügen ist abzuraten. Für Hunde, Katzen und Pferde gelten dieselben Pflanzenteile als giftig. Das Fruchtfleisch selbst ist unbedenklich. Der bei Verletzungen austretende Gummifluss ist ein Zeichen für einen falschen Schnittzeitpunkt, keine Gefahr.

Diese Angabe ersetzt keine fachkundige Bestimmung. Im Zweifel nichts essen.

Häufige Fragen

Schlehdorn: Wie groß wird die Pflanze?

Schlehdorn (Prunus spinosa) wächst als Strauch und erreicht ausgewachsen etwa 4 m Höhe bei rund 3 m Breite. Das Wachstum ist mittel.

Schlehdorn: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Schlehdorn verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8,5 liegen.

Schlehdorn: Ist die Pflanze winterhart?

Schlehdorn ist für die Winterhärte Zone 4–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Schlehdorn: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Schlehdorn ist bis Zone 4 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Schlehdorn: Wann ist die Blütezeit?

Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im April.

Schlehdorn: Wann kann man ernten?

Die Früchte reifen in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Oktober.

Schlehdorn: Ab wann trägt die Pflanze und wie viel?

Schlehdorn trägt erstmals nach 8 Jahren. Eine ausgewachsene Pflanze liefert bis zu 30 kg im Jahr, im Anbau bis 3 t pro Hektar. Die Werte gelten für gute Standorte; Sorte, Boden und Klima verschieben sie deutlich.

Schlehdorn: Ist die Pflanze giftig?

Für Schlehdorn sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Schlehdorn: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 4/10, Heilkunde 5/10, Sonstige Nutzung 6/10.

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