Permaplans
Junger Waldgarten im Spätsommer: Walnuss, Sträucher und Stauden in mehreren Schichten übereinander

Pflanzgilden

Pflanzgilden: was zusammen gepflanzt gehört

Eine Pflanzgilde ist eine Gruppe rund um einen Hauptbaum, in der jede Art etwas beiträgt — und in der manche Mitglieder von Anfang an nur für die ersten Jahre gedacht sind. Hier steht, was das praktisch bedeutet, wann sich der Aufwand lohnt und wann nicht, und drei Beispiele aus der Praxis: Apfelbaum im Hausgarten, Streuobstwiese, Walnuss.

Was ist eine Pflanzgilde?

Eine Gruppe von Pflanzen um einen Hauptbaum herum, die sich gut verträgt und in der jede Art etwas beisteuert: Stickstoff binden, den Boden bedecken, Mulch liefern, Nützlinge ernähren, Wind abhalten, Wühlmäuse fernhalten.

Das Besondere ist der Zeitraum. Der Baum in der Mitte — nennen wir ihn den Star — wird über die Jahre größer und verändert damit alles um sich herum: Licht, Wasser, Wurzelraum. Eine Gilde ist deshalb nie fertig. Was heute in der Sonne steht, steht in zehn Jahren im Schatten, und manches ist von vornherein nur für die Anfangszeit gedacht: die Amme, die den jungen Baum fördert und später weicht, oder die Plazenta — Kräuter und Einjähriges, die in den ersten Sommern die Baumscheibe bedecken und dann von selbst verschwinden.

Zu einer Gilde gehört deshalb immer ein Zeitplan. Das ist der eigentliche Unterschied zu einer reinen Tabelle „Wer kann mit wem?".

Was ist der Unterschied zwischen Mischkultur und Pflanzgilde?

Mischkultur betrifft eine Saison: welches Gemüse neben welchem im selben Beet steht, in diesem Jahr. Möhre und Zwiebel, Kohl und Sellerie — dafür gibt es bewährte Tabellen, und für einjährige Kulturen sind sie genau der richtige Weg.

Eine Pflanzgilde dreht sich um ein Gehölz und denkt in Jahrzehnten. Die Fragen sind andere: Wie breit wird die Krone? Wie viel Licht bleibt darunter in Jahr X? Was steht dann noch — und was sollte bis dahin herausgenommen sein?

Beides schließt einander nicht aus. Unter einem jungen Obstbaum wächst in den ersten Jahren durchaus Gemüse in Mischkultur — bis der Schatten kommt. Nur planen sollte man es getrennt.

Warum überhaupt eine Pflanzgilde?

Weil ein Baum allein auf gemähtem Rasen fast nichts von dem bekommt, was eine Gruppe ihm geben kann. Fünf Dinge, die eine gut besetzte Gilde leistet:

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Mehr Photosynthese je Quadratmeter

Ein Baum nutzt in den ersten Jahren nur einen Bruchteil des Lichts, das auf seine Fläche fällt. Alles, was darunter und daneben grün ist, fängt den Rest ein — und jedes Blatt speist am Ende den Boden.

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Bodenaufbau statt Bodenabbau

Wurzeln in verschiedenen Tiefen, Mulch aus der eigenen Fläche, ein bedeckter Boden, der Regen aufnimmt statt ihn abfließen zu lassen. Gras leistet davon fast nichts, eine Gilde alles.

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Ernte, bevor der Star trägt

Ein Apfelbaum braucht Jahre bis zur ersten Frucht. Erdbeeren, Kräuter und Beerensträucher tragen ab dem ersten Sommer — die Fläche liefert, während der Baum noch wächst.

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Nützlinge, Bestäuber, Vögel

Blüten über die ganze Saison, Deckung im Strauch, Nahrung im Winter. Wer Läuse und Schorf am Baum reduzieren will, holt sich die Gegenspieler über die Gilde in die Krone.

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Was die Fläche für alle leistet

Wasser halten, Boden kühlen, Wind bremsen, Kohlenstoff binden. Das ist kein Nebeneffekt, sondern messbar — und der Grund, warum ein Waldgarten mehr ist als eine Ansammlung von Obstbäumen.

Das Team um den Star

Die Rollen der Gildenpartner

Eine Gilde funktioniert wie das Team um einen Star: Einer trägt die Haupternte, alle anderen machen das möglich. Eine Pflanze übernimmt dabei oft mehrere Rollen — Beinwell ist Wurzelpflanze, Bodendecker, Mulchlieferant, Heilkraut und Nützlingsweide in einem. Und umgekehrt teilen sich oft mehrere Arten eine Rolle. Die Liste ist deshalb eine Checkliste, keine Einkaufsliste.

  • Der StarDer Baum, der die Haupternte trägt und alles andere bestimmt: Maß, Schatten und Zeitplan. Ein großer Obstbaum, ein Nussbaum, ein anderer Kronen-Ertragsbaum.
  • AmmeSchützt und fördert den jungen Star, bereitet den Boden vor — und verschwindet planmäßig wieder. Bindet oft Stickstoff, muss es aber nicht.
  • PlazentaEinjähriges und Kräuter für die ersten Sommer — ausgesät, nicht gekauft. Deckt die Baumscheibe, solange noch Licht da ist, und geht dann von selbst.
  • StickstoffsammlerÖlweide, Erle, Sanddorn. Auf armem Boden ein Gewinn, auf gutem Gartenboden oft überflüssig.
  • BodendeckerHält den Boden bedeckt, unterdrückt Gras, spart Gießwasser.
  • MulchlieferantBeinwell und Verwandte: zwei- bis dreimal im Jahr schneiden, liegen lassen, fertig.
  • KrautKüche, Heilkraut, Nützlingsnahrung — der Teil, den man jede Woche anfasst.
  • StrauchBeerenertrag in Brusthöhe, meist außerhalb des Kronenschattens.
  • NiederbaumKornelkirsche, Felsenbirne, Quitte. Oft zugleich Windschutz und Bienenweide.
  • WindschutzMeist immergrün, meist am Rand — und meist schon vorhanden, wenn eine Hecke ums Grundstück steht.
  • Wühlmaus- und WildschutzKaiserkrone, Narzisse, dornige Randpflanzung — billiger als ein Zaun, aber kein Ersatz dafür.
  • PilzpartnerEin Gehölz desselben Mykorrhiza-Systems in Wurzelreichweite. Was dahintersteckt.

Ehrlich gesagt

Brauche ich überhaupt eine Pflanzgilde?

Ich mache seit über fünfzehn Jahren Permakultur und habe in dieser Zeit nie in Gilden gedacht — sondern in Schichten und Funktionen. So habe ich durchaus eine immergrüne Ölweide neben einen Obstbaum gesetzt oder mir passende Bodendecker überlegt und sie unter Bäume gepflanzt. Aber ich bin nie mit dem Vorsatz losgegangen, jetzt eine Pflanzgilde nach Vorbild umzusetzen. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern hat einen Grund.

Die gängigen Darstellungen von Pflanzgilden erwecken den Eindruck, man müsse etwas Vollkommenes schaffen: An Baum X gehört exakt diese stickstofffixierende Beipflanze, dazu der Windschutz aus diesen Niederbäumen, diese Beerensträucher mit diesen Bodendeckern. Übertrage ich so ein Beispiel in meinen eigenen Garten und denke es zu Ende, merke ich: Es passt gar nicht. Den Windschutz habe ich hier bereits als Hecke. Meinen Star hätte ich vielleicht gern direkt an einem Weg, und dort steht das Trampolin oder die Terrasse. Außerdem will ich diese eine Sichtachse behalten — und so weiter.

Deshalb schaue ich lieber zuerst auf das große Ganze. Von der Vision zur Planung einzelner Räume; dort die Frage, welche Stars auf jeden Fall in den Garten sollen und wo sie am besten hinpassen. Dann: welche Niederbäume und Sträucher gewünscht sind, welche sich für diese Standorte besonders eignen — und welche Begleitpflanzen an welchen Stellen das ganze Konzept fördern und stützen.

Ich werde ständig gefragt, welche Gehölze man gut zusammen pflanzen kann und wie sie sich vertragen — ähnlich, als wären es Mischkulturpartner im Gemüsebeet. Daher verstehe ich die Begeisterung für Gilden. Es sind gute Ideen und Inspirationen. Aber dann gilt es, sie an den jeweiligen Ort anzupassen, und deshalb gehe ich nicht nach einem Gildenrezept vor, sondern nach dem Leitfaden weiter unten.

Und am Ende kostet so eine aufwendige kombinierte Pflanzung Zeit und Geld — dabei geht es meist darum, genau das zu sparen. Dutzende Bodendecker unter einen Baum zu setzen, die nach ein paar Jahren ohnehin von der Wiese überwachsen oder überschattet werden, ist ein erheblicher Aufwand, wenn daraus kein zufriedenstellender Ertrag entsteht. Ertrag kann dabei auch einfach die Freude an den Blumen und Insekten sein, die in dieser Zeit da sind. In einem kleinen Hausgarten, wo jeder Quadratmeter zählt, sind Gilden eine schöne Inspiration, um auf engem Raum eine bunte, ökologisch wertvolle und für den Baum gesunde Dichte herzustellen.

So wird aus dem Hausgarten schnell ein Waldgarten — und ein Waldgarten ist im Grunde ein Verband aus Gilden. Dann muss man wiederum schauen, welche Gilde zu welcher passt. Genau deshalb gehe ich andersherum vor: Statt gedanklich überall fertige Gilden-Sets zu platzieren, setze ich nach Hecke, Sicht- und Windschutz und den wichtigen Funktionspflanzungen — etwa gegen Erosion — zuerst die Stars. Dann schaue ich, wie ihre Schatten über den Tag und übers Jahr wandern, wie sie miteinander spielen, und überlege mir die Zwischenräume: Welche Schnittmenge haben zwei benachbarte Stars bei ihren Gildenpartnern? Welche davon dienen mir und dem Konzept wirklich — und welche stehen in meinem Fall eher im Weg?

In der Reihenfolge heißt das: Wasser und Wege planen, Stars setzen, dann überlegen, an welchen Punkten für welche Höhe noch kleinere Bäume und Sträucher dazwischen sollen und welche Rolle einer Gilde noch zu besetzen wäre. Erst zuletzt Bodendecker — für die ersten fünf Jahre und für danach — und auch das nur, wenn die Fläche in meinem täglichen Aufmerksamkeitsbereich liegt.

Eine Streuobstwiese liegt außerhalb davon. Sie wird selten besucht, im Grunde nur zur Ernte und zum Schnitt. Während ich im Hausgarten sinnvoll Erdbeeren unter den jungen Apfelbaum pflanzen kann, säe ich auf der Streuobstwiese bei der Pflanzung förderliche Wildblumen und Stauden aus — und damit endet mein Arbeitsumfang dort auch. Vielleicht noch Ölweiden, die zur gleichen Zeit reif sind wie die Apfelsorte, oder andere Beerensträucher, wenn das zu meinem Erntesystem passt und ich weiß, dass ich Zeit und Platz habe, die Ölweide später kurz und klein zu schneiden.

Auf einem Acker, wo Baumreihen die Fläche bereichern sollen, kann man einen syntropischen Agroforst aufbauen: In der Baumreihe stehen dann, ähnlich wie in einer Gilde, sehr viele Pflanzen dazwischen, die man später kürzen und irgendwann ganz herausnehmen muss. Wer Zeit und Geld hat und von den Zwischenpflanzungen in Pflege und Entnahme noch profitiert — oder von Sicht- und Windschutz, Nahrung für Insekten und Vögel —, setzt Gilden auch dort um, als Reihe gedacht. Auf manchen Sandstandorten ist das eine wertvolle Bodenverbesserung bis hin zur Voraussetzung. Aber jeder muss den zusätzlichen Aufwand in Pflanzung und Pflege einrechnen.

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Kleiner Hausgarten

Lohnt sich. Wenig Fläche, viel Aufmerksamkeit, und die Ernte soll früh anfangen. Hier zahlt sich jede Schicht aus — Erdbeeren unter dem jungen Apfelbaum, Kräuter am Rand, später Bodendecker.

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Vielfältiger Waldgarten

Lohnt sich. Ein Waldgarten ist ein Verband aus Gilden. Nur plant man ihn nicht Gilde für Gilde, sondern erst die Stars, dann die Zwischenräume.

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Streuobstwiese

Eher nicht. Bei der Pflanzung Wildblumen aussäen, vielleicht eine Ölweide mit gleicher Reifezeit — und dann ist Schluss. Alles Weitere verschwindet ohnehin in der Wiese.

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Acker mit Baumreihen

Kommt darauf an. Als syntropischer Agroforst durchaus — wenn Zeit und Geld für Pflege und Entnahme da sind. Auf armem Sand kann es die Voraussetzung sein, dass die Reihe überhaupt anwächst.

Die nützlichste Faustregel

Erst das große Ganze, dann das Detail. Was schützt die ganze Fläche? Wo verläuft der Wind, wo das Wasser, wo die Wege? Was sich auf dieser Ebene lösen lässt, muss man nicht an jedem einzelnen Baum wiederholen.

Und dann nur das pflanzen, was wirklich dient — nicht, was auf einer Rollenliste noch offen ist.

Vorgehen

Wie stelle ich eine Pflanzgilde zusammen?

Wie oben beschrieben, plant man ein Gesamtkonzept nicht Gilde für Gilde, sondern in Schichten: erst alle Stars, dann die nächstniedrigere Schicht aus mittleren und kleinen Bäumen, dann Sträucher, dann Bodendecker. Immer wenn wir uns dabei einem Star nähern, gehen wir aber Folgendes durch:

1. Der Star ist gesetzt — mit Höhe und Breite in 5, 10 und 20 Jahren

Ein Star ist ein großer Obstbaum, ein Nussbaum, ein anderer Kronen-Ertragsbaum. Entscheidend ist, wie groß er in zwanzig Jahren ist, nicht wie klein er heute im Topf steht.

Tipp: Wer Zeit hat, setzt nicht den Star zuerst, sondern die Ammen- oder Opferbäume — Stickstofffixierer, Bodenvorbereiter, Pioniere wie Robinie, Erle, Pappel oder Bergahorn, je nach Standort und Konzept. Wie das aussieht, zeigt das Streuobst-Beispiel unten.

2. Prüfen, was ausgeschlossen ist

Nach Boden und Klima bleiben zwei Dinge, bei denen es keinen Spielraum gibt: Juglon — ein wachstumshemmender Stoff, den Walnussbäume über Wurzeln und Laub abgeben; was neben einer Walnuss nicht wachsen will, wächst dort auch mit gutem Zeitplan nicht — und gemeinsame Krankheiten, vor allem bei Rosengewächsen untereinander (Feuerbrand, Monilia). Alles andere ist eine Frage der Zeit.

3. Von oben nach unten denken

Die Großen werfen den meisten Schatten und bestimmen damit, was darunter später noch wachsen kann. Die Betonung liegt auf später — und damit kommen wir zu:

4. Für drei Zeitfenster planen, nicht nur für einen Endzustand

Man darf enger pflanzen, als jede Tabelle erlaubt — wenn man weiß, dass man eingreift. Und man darf lichthungrige Arten unter einen Baum setzen, der später Schatten wirft, wenn sie bis dahin abgeerntet sind oder von selbst verschwinden. Eine Gilde ist deshalb kein Bild, sondern ein Ablauf — eine Sukzession.

ZeitfensterWas dort stehtWas passiert
Jahr 1–5Junger Star, Amme, Plazenta aus Einjährigem und KräuternBoden bedecken, Gras zurückhalten, den Baum anwachsen lassen. Die Ernte kommt aus der Krautschicht.
Jahr 5–10Sträucher tragen; die Amme wird gekürzt oder herausgenommenDie Krone wirft Schatten. Was Sonne braucht, wandert nach außen oder geht. Erste Ernte vom Star.
ab Jahr 10Star, Niederbaum, schattenverträgliche Bodendecker, MulchpflanzenDer Unterwuchs wird umgebaut. Die Gilde liefert ihren eigenen Mulch.

5. Die Rollen besetzen, die tatsächlich offen sind

Die Rollen von oben sind eine Checkliste zum Abhaken, keine Einkaufsliste. Eine Pflanze übernimmt oft mehrere davon, und viele sind auf der Fläche längst besetzt: Wer eine Hecke hat, braucht keinen Windschutz mehr.

6. Fragen, was die Unterpflanzung im Alltag verändert

Pflege, Ernte, Nutzung — das entscheidet mehr als jede Verträglichkeitstabelle. Nüsse sammle ich vom Boden, dort muss es begehbar bleiben. Kirschen ernte ich aus dem Baum, da dürfen dichte Sträucher darunter stehen. Bei Äpfeln, Pflaumen und Birnen kommt es darauf an: Muss noch eine Leiter an den Stamm? Will ich darunter picknicken und die Fläche frei haben? Soll die Sichtachse bleiben? Wer das vorher fragt, spart sich später das Roden.

Beispiel 1 · Hausgarten

Ein Apfelbaum im kleinen Garten

Der häufigste Fall überhaupt — und der, bei dem am meisten falsch gemacht wird, weil fast niemand über das Gras nachdenkt.

Vorher: die Baumscheibe grasfrei bekommen

Gras ist für einen jungen Obstbaum die stärkste Konkurrenz, die es gibt. Sein dichter Wurzelfilz nimmt genau das Wasser weg, das der Baum in den ersten Jahren zum Anwachsen braucht — und zwar in derselben obersten Bodenschicht, in der auch seine Feinwurzeln liegen.

Wer ein Jahr Zeit hat, macht die Fläche vorher frei, und der angenehmste Weg dorthin sind Heukartoffeln: Kartoffeln auf die Grasnarbe legen — gern auf eine erste dünne Heuschicht —, dann dick mit Heu oder Stroh abdecken und im Sommer noch einmal nachlegen. Im Herbst hebt man die Kartoffeln aus der Mulchschicht auf, und darunter liegt eine offene, grasfreie, durchwurzelte Stelle. Genau dort kommt im Winter der Baum hinein.

Wer diese Zeit nicht hat, hackt die Baumscheibe frei und mulcht sie. Wichtig dabei: Die Veredelungsstelle darf nie unter Mulch oder Erde verschwinden — sonst wurzelt die Edelsorte selbst durch, die Unterlage verliert ihre Wirkung, und aus dem kleinen Baum wird ein großer.

Die ersten Jahre: solange noch Licht da ist

Die Baumscheibe bleibt offen und gemulcht, aber sie muss nicht leer bleiben. Solange die Krone kaum Schatten wirft, passt dort einiges hinein:

  • Erdbeeren auf die Sonnenseite. Sie decken den Boden, tragen ab dem ersten Jahr und vertragen später auch Halbschatten.
  • Salate auf die schattigere Seite. Dort schießen sie im Sommer weniger schnell — und wer sie gießt, hat den Baum gleich mitgegossen. Alternativ Kapuzinerkresse: unkompliziert, schnellwachsend und eine der wenigen Salatpflanzen, die Schnecken wirklich nicht anrühren.
  • Narzissen und Kaiserkrone. Sie blühen, bevor der Baum austreibt, und halten nebenbei Wühlmäuse auf Abstand.
  • Kräuter an den hellen Rand — Schnittlauch, Zitronenmelisse, Oregano. Ihre Blüten holen Nützlinge in die Krone.

Was nicht hineingehört, sind Kartoffeln — jedenfalls jetzt nicht mehr. Bei der Ernte gräbt man genau dort, wo inzwischen die Feinwurzeln des Baumes liegen. Vor der Pflanzung sind sie ideal, danach nicht.

Und ein Stickstoffsammler? Auf einem gewachsenen Gartenboden meist nicht nötig. Mehr Stickstoff heißt mehr Trieb, mehr Schnitt, weichere Zellwände — also Zweige, die unter Fruchtlast leichter brechen — und mehr Blattläuse. Wer dagegen auf armem Sand pflanzt, setzt eine Ölweide dazu.

Später: der Umbau

Wenn der Baum trägt und die Krone Schatten wirft, sodass der erste Trupp langsam eingeht, säen wir in die Lücken Bodendecker wie Klee und setzen nach und nach kleine Wurzelstücke vom Beinwell darunter. Eine Beinwellwurzel lässt sich in Dutzende kleine Stücke zerteilen, und aus jedem wächst eine Pflanze. Man nennt ihn auch Nährstoffpumpe: Er wurzelt in die Tiefe und bringt massig Blattmasse hervor, die man mehrmals im Jahr absenst und als Bodenfutter liegen lässt — vor allem kurz bevor die Früchte fallen. Dann landen sie weich auf dem Beinwelllaub und verschwinden nicht im Gras. Außerdem ist Beinwell Bienenweide und ein gutes Futter für Weidetiere, besonders Sorten wie Bocking No. 4.

Ansonsten schaue ich, wie viel Arbeit für Ernte ich aus der Fläche noch haben möchte. Weiter weg von der Küche nehme ich unkomplizierte Bodendecker des Standorts, die das Gras fernhalten, und Küchenkräuter für den Halbschatten — sofern sie weder bei der Baumpflege noch beim Ernten stören. Und irgendwann ist ein Apfelbaum für Kinder auch ein schöner Kletter- oder Schaukelbaum. Wenn er diese Größe erreicht hat, darf der Grasanteil ruhig wieder überwiegen.

Beispiel 2 · Streuobstwiese

Die Pappel als Amme — ein Trick für die Fläche

Draußen auf der Wiese gelten andere Regeln: wenig Zeit pro Baum, große Abstände, kein Gießen. Was hier hilft, muss billig sein und von allein funktionieren.

Ein Jahr bevor die Obstbäume kommen, steckt man an jede künftige Pflanzstelle ein Hybridpappel-Steckholz — ein zwei bis fünf Zentimeter dicker, ein bis zwei Meter langer Trieb, in die Erde gesteckt, mehr nicht. Pappeln und Weiden bewurzeln daraus von selbst. Kosten: mit etwas Glück nichts, wer jemanden mit einer Pappel kennt.

Den Obstbaum pflanzen wir dann westlich daneben und ringeln die angewachsene Pappel unten — das heißt, wir entfernen ringsherum einen Streifen Rinde. Sie übernimmt ab jetzt gleich mehrere Aufgaben:

  • Sie ist der Pfahl. Man bindet den jungen Baum direkt an sie an — kein gekaufter Pflanzpfahl nötig, und dieser hier steht wirklich fest verankert.
  • Sie beschattet die Stammrinde. Nach dem Ringeln treibt sie von unten wieder aus und wirft genau dort Schatten, wo junge Obstbäume sonst Frostrisse bekommen: am langen nackten Stamm. So muss die Rinde nicht kalkweiß angestrichen werden.
  • Sie durchwurzelt den Boden tief — viel tiefer, als Gras es je tut, und bereitet damit vor, was der Obstbaum später erschließt.
  • Sie verhindert Grasfilz rund um die Pflanzstelle.

Das Ringeln ist der Schlüssel: Ein Ring Rinde rund um den Stamm entfernt, dann bremst die Pappel spürbar ab und wird dem Obstbaum nicht gefährlich. Später wird sie bodennah abgesägt und die Stelle einfach mitgemäht, bis sie aufgibt.

Und dann kommt der eigentliche Gewinn: Ihre Wurzeln bleiben im Boden und sind jetzt Wegbereiter und Nahrung zugleich. Ein Wurzelsystem, das den Boden jahrelang tiefer durchbohrt hat als jede Grasnarbe, kann der Obstbaum nun einfach übernehmen.

Eine Pappel bindet keinen Stickstoff. Sie ist trotzdem eine der besseren Ammen, die man haben kann — was zeigt, dass „Amme" mehr heißt als „Stickstoffsammler".

Querschnitt: junger Apfelbaum mit Sisalseil an eine gekürzte, geringelte Pappel gebunden; unter der Ringelung Austrieb, im Boden das absterbende Pappel-Wurzelsystem, das Apfelbaum-Wurzelsystem und gemeinsam genutzte Mykorrhiza
Die Pappel als lebender Pfahl: oben gekürzt, mit Sisalseil in Achterschlaufe an den Apfelbaum gebunden, unterhalb der Ringelung treibt sie neu aus. Ihre Kronentriebe werden zu Mulch, ihr altes Wurzelsystem stirbt langsam ab — und der Apfelbaum übernimmt die Gänge, samt der Mykorrhiza, die beide gemeinsam nutzen.

Beispiel 3 · Der Sonderfall

Walnussgilde: was neben eine Walnuss passt — und was nicht

Der einzige Fall, in dem wirklich eine Art ausgeschlossen ist statt nur ein Zeitpunkt. Walnüsse geben Juglon ab, einen Stoff, der das Wachstum vieler Nachbarn hemmt — am stärksten unter der Krone, in geringerer Menge überall dort, wo Walnusswurzeln liegen, und das reicht weit über die Krone hinaus. Dagegen hilft kein Zeitplan und kein Schnitt.

Verträgt JuglonVerträgt es nicht
BäumeHasel, Eiche, Ahorn (die meisten), Quitte, Weißdorn, Robinie, Gleditschie, Weißer Maulbeerbaum, PekannussApfel, Birne, Esskastanie, Linde, Erle, Zürgelbaum
SträucherHolunder, Wildrosen, die meisten Schneebälle, Garteneibisch, Schwarze Himbeere, WildrebenHeidelbeere, Brombeere, Apfelbeere, Weinrebe, einige Schneebälle, manche Zierkirschen
Stauden und KräuterTopinambur, Zwiebel und Lauch, Safran, Süßdolde, Taglilie, Sonnenhut, Indianernessel, Stockrose, Fetthenne, Weißklee, Löwenzahn, VogelmiereRhabarber, Spargel, Luzerne, Lilien, mehrjähriger Kohl, Buschklee — und aus der Küche Tomate, Kartoffel, Paprika

Nach Jacke & Toensmeier, Edible Forest Gardens Bd. 2 — eine nordamerikanische Liste, deshalb fehlen manche europäische Arten. Kirschen und Pflaumen sind uneinheitlich: manche Zierkirschen empfindlich, manche Esskirschen tolerant.

So sieht das über die Zeit aus — am Beispiel rechts: In den ersten fünf Jahren steht ein Berg-Ahorn oder eine Pappel direkt am Star als Mulchbaum; danach kommt er ganz weg. Holunder und Ölweide dürfen in Ertrag gehen, werden nach fünf bis zehn Jahren von der Krone ausgeschattet und dann entnommen — auch damit unter der Walnuss wieder Platz ist, die Nüsse vom Boden zu sammeln. Die Haseln bleiben und liefern die zweite Nussernte, die Himbeeren bleiben auch; statt Himbeeren gingen genauso andere Beeren. Und in Reihen statt in Bögen: Das ist praktischer, vor allem beim Anbinden. Wer Wind und Kälte aus dem Norden abhalten muss, stellt dort eine Reihe Lebensbäume.

Zur Amme: Wer später wenig schneiden will, nimmt die Erle — die Walnuss bremst sie ohnehin aus, und genau das erledigt die Entnahme von selbst. Wer die Prozesse stärker fördern will, nimmt eine Ölweide oder eine Robinie; bei der Robinie mit Blick auf Höhe, Tempo und Ausläufer.

Weil die Walnuss ein später Austreiber ist, bleibt es darunter bis in den Mai hell. Auf die Sonnenseite passt ein Taglilienbeet — das man allerdings absensen muss, wenn man die Nüsse ordentlich vom Boden sammeln will. Oder man astet die Walnuss weit hinauf und baut darunter Zwiebeln an.

Holunder ginge auch unter der Walnuss, weil man ihn wie die Ölweide aufasten kann. Wer sich dagegen dichte Pflanzen darunter setzt — Rosen, Johannis- oder Stachelbeeren —, nimmt sich die Möglichkeit, die Nüsse vernünftig vom Boden aufzusammeln. Unter einer Walnuss sollte es begehbar bleiben. Bei einer Kirsche ist das anders: Die ernten wir aus dem Baum und nicht vom Boden, da dürfen dichte Sträucher darunter wachsen.

Planungsansicht aus Permaplans von oben: Walnuss in der Mitte mit Berg-Ahorn, zwei Schwarze Holunder, zwei Korallen-Ölweiden, sechs Haselnüsse, zwei Reihen Himbeeren Richtung Süden und acht Abendländische Lebensbäume als Reihe im Norden, dazu die Kronenkreise in Endbreite
Eine Walnussgilde in der Planungsansicht, nach Zeitfenstern gedacht: der Berg-Ahorn direkt am Star ist Mulchbaum für die ersten fünf Jahre und wird dann ganz entfernt. Zwei Holunder und zwei Ölweiden gehen in Ertrag, werden nach fünf bis zehn Jahren ausgeschattet und weichen — damit man die Nüsse vom Boden sammeln kann. Sechs Haseln und zwei Himbeerreihen bleiben; Reihen statt Bögen, weil sich Himbeeren so anbinden lassen. Im Norden acht Lebensbäume als Wind- und Kälteschutz, optional.

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Pflanzgilden in Permaplans

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