Armer Boden
Sand, Kies, flachgründig, wenig Humus. Hier fehlt tatsächlich, was die Ölweide liefert.
Pflanzgilden
Eine Gilde ist kein Beet mit vielen Arten, sondern eine Mannschaft mit verteilten Aufgaben. In der Mitte steht der Star: ein großer Obstbaum, ein Nussbaum oder ein anderer Baum, der die Haupternte trägt. Um sie herum stehen Arten, die etwas beitragen: Stickstoff binden, den Boden bedecken, Mulch liefern, Nützlinge ernähren, Wind abhalten, Wühlmäuse fernhalten. Manche bleiben ein Leben lang. Andere sind von Anfang an nur für zehn Jahre gedacht.
Der Unterschied
Mischkultur ist eine Frage der Saison: Welches Gemüse verträgt sich mit welchem im selben Beet, in diesem Jahr? Dafür gibt es gute Tabellen, und für einjährige Kulturen sind sie der richtige Weg.
Eine Gilde denkt in Jahrzehnten. Sie gruppiert Gehölze und Stauden um eine Hauptpflanze, den Star, und weist jeder Art eine Aufgabe zu. Die Frage ist nicht „verträgt sich das?", sondern „wer übernimmt hier welche Arbeit — und ab wann?". Der Star bestimmt fast alles Weitere: Wie groß wird die Krone, wie viel Schatten wirft sie in Jahr fünfzehn, wie tief wurzelt sie, gibt sie Stoffe ab, die Nachbarn hemmen.
Deshalb sieht eine Walnussgilde anders aus als eine Apfelgilde, und eine Gilde auf armem Sand anders als dieselbe auf altem Gartenboden.
Weil die wichtigsten Wirkungen zwischen den Pflanzen entstehen, nicht in ihnen. Ein Baum allein auf gemähtem Rasen konkurriert mit dem Gras um genau das Wasser, das er in den ersten Jahren am dringendsten braucht. Derselbe Baum mit einem bedeckten Wurzelraum, einem Stickstoffpartner in Reichweite und einer Blühfolge, die Nützlinge über die ganze Saison hält, wächst schneller, wird seltener krank und macht weniger Arbeit.
Wie viel eine Gilde tatsächlich abnimmt, hängt allerdings vom Standort ab — und zwar stark. Auf einem ausgezehrten Acker ist der Unterschied groß, weil dort fast alles fehlt, was die Gruppe beisteuern kann: Humus, Stickstoff, Bodenbedeckung, Windschutz. In einem alten Hausgarten mit gewachsenem Boden fällt er kleiner aus, weil vieles davon längst da ist.
Dieselbe Gilde bringt also an zwei Orten unterschiedlich viel. Das ist kein Einwand gegen das Prinzip — es ist der Grund, warum die erste Frage immer dem Standort gilt und erst die zweite der Pflanzenliste.
Das Team um den Star
Eine Gilde funktioniert wie das Team um einen Star: Einer trägt die Ernte, alle anderen machen das möglich. Es gibt Paten, die von Anfang an dabei sind, Förderer, die im Verborgenen arbeiten, und Schutzengel, die nur für die schwierigen ersten Jahre gebraucht werden und danach wieder abtreten.
Vierzehn Rollen heißt dabei nicht vierzehn Arten. Eine Pflanze übernimmt oft mehrere Rollen gleichzeitig — Beinwell ist Wurzelpflanze, Bodendecker, Mulchlieferant, Heilkraut und Nützlingsweide in einem. Ein Strauch am Rand kann zugleich Windschutz, Nützlingsweide und Küchenkraut sein. Und umgekehrt teilen sich oft mehrere Arten eine Rolle: In der Krautschicht stehen selten ein Kraut, sondern fünf.
Die Liste ist deshalb eine Checkliste zum Abhaken, keine Einkaufsliste. Die meisten guten Gilden kommen mit sechs bis zehn Arten aus und haben trotzdem fast jede Rolle besetzt. Sortiert ist sie nach dem Abstand zum Star — von innen nach außen.
Alles, was flach bleibt und in den ersten Jahren ohnehin noch Sonne bekommt. Hier übernimmt eine einzige Pflanze am ehesten gleich mehrere Rollen.
Die Schicht, in der die Rollen am stärksten ineinanderlaufen: Eine Ölweide ist Strauch und Amme, eine Amme mit Kletterpflanze darin ist nebenbei schon ein Windschutz.
Was die Fläche abschließt und nach außen abschirmt — und dabei selbst noch trägt.
Zwei Rollen, die keine Position sind, sondern eine Eigenschaft. Sie sitzen nicht irgendwo, sondern überall dazwischen.
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Bauteil auf Zeit
Eine Amme ist ein schnell wachsendes Gehölz, das den jungen Star in den ersten Jahren beschattet, vor Wind schützt und ihn über Wurzelknöllchen mit Stickstoff versorgt. Ölweide, Erle, Sanddorn, Robinie — in der Anfangszeit sind sie ein echter Gewinn.
Der Punkt, der in fast jeder Anleitung fehlt: Sie ist von Anfang an befristet. Wie eng das wird, hängt davon ab, wen sie begleitet. Neben einer Walnuss ist eine Ölweide kein Problem — die Walnuss legt schnell zu und ist der Amme bald über den Kopf gewachsen. Neben einem Apfelbaum auf schwacher Unterlage dagegen sieht dieselbe Rechnung anders aus, und eine Robinie oder Erle ist dort nach acht Jahren kein Partner mehr, sondern schlicht der größere Baum.
Deshalb ist „ab Jahr acht auf den Stock" ein Termin und kein Gefühl — und er gehört in den Pflanzplan, nicht in den Kopf. Wie früh er fällig wird, entscheidet das Verhältnis der beiden: Je langsamer der Star, desto eher muss die Amme zurück.
Daraus folgen zwei Anforderungen an jede Amme: Sie muss stockausschlagfähig sein, damit man sie regulieren kann statt sie roden zu müssen. Und sie darf den Star nicht überwachsen. Robinie über Walnuss ist genau der Fall, bei dem aus der Amme nach fünfzehn Jahren der Hauptbaum geworden ist.
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Der zweite Zeitfaktor: Ein Bodendecker, der Halbschatten braucht, hat im ersten Jahr nichts zu suchen — da steht noch kein Schatten. Er kommt, wenn die Krone ihn wirft, also oft erst im vierten oder fünften Jahr. Umgekehrt gehören Ammen und Windschutz ins allererste Jahr, sonst kommen sie zu spät.
Eine Gilde hat deshalb zwei Zeitangaben je Mitglied: wann es gepflanzt wird und, wo es befristet ist, wann es wieder herauskommt. Wer das notiert, muss es nicht erinnern.
Der unbequeme Teil
„Jede Gilde braucht einen Stickstoffsammler" ist einer der meistwiederholten Sätze der Permakultur. Für viele Flächen stimmt er auch — für manchen Hausgarten ist er allerdings eine Fehlentscheidung.
Es kommt darauf an, was man will. Wer eine Fläche schnell in Gang bringen möchte, ist mit zusätzlichem Stickstoff richtig beraten. Wer dagegen vor allem wenig Arbeit und viel Frucht möchte, bekommt eher das Gegenteil: mehr Trieb, mehr Schnitt, weichere Zellwände — also Zweige, die unter Fruchtlast leichter brechen —, dazu mehr Blattläuse und mehr Schorf. Bei Kernobst kommt eine höhere Anfälligkeit für Feuerbrand hinzu. Auf einem ohnehin gut versorgten Gartenboden ist ein Stickstoffpartner deshalb oft kein Gewinn, sondern zusätzliche Arbeit.
Sinnvoll wird er, wenn mehrere dieser Bedingungen zusammenkommen:
Sand, Kies, flachgründig, wenig Humus. Hier fehlt tatsächlich, was die Ölweide liefert.
Nussbäume, Kernobst in den Ertragsaufbaujahren, einjährige Kulturen zwischen den Reihen.
Neupflanzung auf ausgezehrter Fläche — der klassische Fall, in dem Ammen den Unterschied machen.
Ab der Größe, bei der zugekaufter Dünger ein echter Kostenfaktor wird, rechnet sich der Partner von selbst.
Trifft nichts davon zu, ist der Platz für etwas anderes besser genutzt — für eine Art, die Ertrag bringt, den Boden bedeckt oder blüht, wenn sonst nichts blüht.
Auswahl
Hier trennen sich Gildenplanung und Pflanzenliste. Denn wenn Boden und Klima geprüft sind — Klimazone, Wärmesumme, Wasserbilanz, Bodenfruchtbarkeit, pH-Wert, Steinanteil —, bleiben erstaunlich wenige Fragen übrig, die eine Art wirklich ausschließen. Fast alles andere ist eine Frage von Management und Zeit.
| Geprüft wird | Warum es hier keinen Spielraum gibt |
|---|---|
| Juglon und Verwandtes | Was eine Walnuss neben sich nicht duldet, duldet sie auch mit gutem Zeitplan nicht. Tomate, Kartoffel und viele Beerensträucher reagieren empfindlich — da hilft kein Schnitttermin. |
| Gemeinsame Krankheiten | Rosengewächse untereinander: Feuerbrand, Monilia. Wer Apfel, Birne, Quitte und Weißdorn dicht zusammenstellt, baut einen Infektionsweg — und der bleibt, solange beide stehen. |
Du kannst sehr viel enger pflanzen, als jede Tabelle erlaubt — wenn du weißt, dass du in Jahr acht die Säge ansetzt. Du kannst eine lichthungrige Art unter einen Baum setzen, der irgendwann Schatten wirft, wenn du weißt, dass sie bis dahin abgeerntet ist oder von selbst verschwindet. Und du kannst die halbe Gilde erst später pflanzen: Wo heute Amme und Plazenta stehen, kommen in zehn Jahren schattenverträgliche Bodendecker und Mulchpflanzen hin.
Das löst auch den Denkfehler auf, der in der Gildenliteratur steckt: Man plant nicht für Jahr zwanzig, sondern für Jahr eins und fünf und zehn und zwanzig. Du willst ja jetzt schon ernten und nicht erst, wenn die Kinder ausgezogen sind. Eine Gilde ist deshalb kein Bild, sondern ein Ablauf — sie sieht in jedem Jahrzehnt anders aus, und das ist kein Mangel, sondern der Plan.
Genau hier wird es allerdings unübersichtlich, und deshalb gehört dieser Teil in die App und nicht auf einen Zettel: Permaplans erinnert dich, was in deiner Gilde in welchem Jahr ansteht — Amme auf den Stock, Plazenta ersetzen, Bodendecker nachpflanzen.
Erst der Star. Dann die drei Ringe — und zwar jeden für drei Zeitfenster, statt für einen Endzustand:
| Zeitfenster | Wer die Rollen füllt | Was in diesem Fenster passiert |
|---|---|---|
| Jahr 1–5 | Plazenta, Amme, schnelle Kräuter, junger Star | Der Boden wird bedeckt, der Star wächst an. Vieles davon ist ausgesät und darf wieder verschwinden. Ernte kommt aus der Krautschicht. |
| Jahr 5–10 | Sträucher tragen, Niederbaum kommt dazu, Amme wird zurückgenommen | Die Krone beginnt Schatten zu werfen. Was Sonne braucht, wandert nach außen oder geht. Erste Ernte vom Star. |
| ab Jahr 10 | Star, Niederbaum, schattenverträgliche Bodendecker, Mulchpflanzen | Der Unterwuchs wird umgebaut: schattenfeste Arten ersetzen die Sonnenanbeter. Die Gilde trägt ihren eigenen Mulch. |
Erst wenn diese Frage gestellt ist — wer füllt welche Rolle in welchem Fenster? — lohnt der Blick auf die Eigenschaften einer Art. Denn dann sagen sie etwas aus.
| Eigenschaft | Was sie über den Zeitplan verrät |
|---|---|
| Lichtbedarf | Nicht der Schatten von heute zählt, sondern der in fünf Jahren. Eine lichthungrige Art unter einer wachsenden Krone ist kein Fehler — solange klar ist, dass sie ein Gast auf Zeit ist. |
| Endbreite | Entscheidet, wie eng man pflanzen darf, ohne später einzugreifen. Wer bereit ist einzugreifen, darf enger. Wer nicht, plant nach Endbreite. |
| Wuchsgeschwindigkeit | Das Tempo bestimmt, wann etwas fällig wird. Eine Amme neben einem schnellen Star hat Jahre Zeit, neben einem langsamen nur wenige. |
| Lebensalter | Die Rolle, die sich von selbst erledigt. Holunder, Sanddorn und Pfirsich werden selten alt — was nach zwanzig Jahren ohnehin geht, muss man nicht einplanen zu entfernen. |
| Stockausschlag | Nur was wieder austreibt, lässt sich regulieren statt roden. Die entscheidende Eigenschaft für jedes Mitglied, das eng steht. |
| Wurzeltyp | Pfahl-, Herz- und Flachwurzler gestaffelt. Zwei Flachwurzler nebeneinander gehen durchaus — nur eben nicht so nah wie ein Flach- neben einem Pfahlwurzler. |
| Ausläufer | Robinie und Sanddorn antworten auf jeden Schnitt mit einer Vielzahl neuer Ausläufer. Auf einer Rohfläche ist das der Zweck, im Hausgarten eine Daueraufgabe. Auch das eine Entwurfsentscheidung, keine Eigenschaft, die gut oder schlecht wäre. |
| Austrieb | Gegenläufig, nicht gleichzeitig: Früh- und Spätaustreiber kombinieren, immergrün mit laubwerfend. Dann nutzen sie Licht und Wasser zu verschiedenen Zeiten, statt sich zu bekämpfen. |
Dazu kommt das Mykorrhiza-System, das keine Prüfung ist, sondern eine Entwurfsentscheidung — eigener Abschnitt weiter unten.
Zehn Fragen bei sechs Mitgliedern sind sechzig Antworten, die heute jeder selbst nachschlägt. Sobald der Gilden-Baukasten in der App steht, laufen sie bei jedem Vorschlag automatisch mit — zusammen mit den Terminen, die daraus folgen.
Erntefenster — gestaffelt oder gebündelt?
Das ist keine fachliche Frage, sondern eine Entwurfsentscheidung, und sie hängt daran, wie die Fläche genutzt wird. Im Hausgarten vor der Tür ist gestaffelt angenehmer: Von Juni bis Oktober ist immer etwas reif. Auf einer extensiven Fläche, zu der man hinfahren muss, ist gebündelt praktischer — einmal hin und alles ernten, statt zwölfmal für eine Handvoll. Beides ist richtig. Entschieden sein sollte es, bevor gepflanzt wird. Was wann reif ist, steht im Erntekalender.
Blühfolge — eine Frage der Fläche, nicht der Gilde
Ein Waldgarten besteht aus mehreren Gilden, und Bestäuber fliegen über alle hinweg. Eine Lücke im Frühsommer ist deshalb kein Fehler der einzelnen Gruppe, sondern einer der Gesamtplanung — und meist mit einer einzigen zusätzlichen Art am Rand geschlossen.
Pilzpartner · Straßen statt Inseln
Über kaum einen Teil der Gildenplanung wird so viel geschrieben und so wenig Brauchbares gesagt. Hier steht, was für den Entwurf zählt — ausführlich mit allen Typen, weltweiter Einordnung und den Pflanzen ganz ohne Pilzpartner auf der eigenen Seite: Mykorrhiza — welche Pflanze mit welchem Pilz.
Fast alle Landpflanzen leben mit Pilzen an den Wurzeln zusammen. Der Pilz durchzieht den Boden mit Fäden, die viel feiner sind als jede Wurzel, und erschließt damit Bereiche, an die die Pflanze selbst nicht herankommt. Er liefert vor allem Phosphor und Wasser, wehrt Wurzelkrankheiten ab — und verbindet die Pflanze mit allem anderen, was am selben Pilz hängt. Bezahlt wird mit Zucker aus der Photosynthese.
Auf armen Böden entscheidet das mit darüber, ob ein junger Baum anwächst oder jahrelang kümmert.
Die beiden wichtigsten Formen teilen die Pflanzenwelt unter sich auf, und zwar weltweit. Die arbuskuläre Mykorrhiza ist der Normalfall — fast alles Obst, die meisten Sträucher, Stauden, Kräuter und Gräser, und ebenso Mango, Avocado, Kokospalme, Zitrus, Kaffee und Kakao. Die Ektomykorrhiza haben vergleichsweise wenige Familien, darunter aber die großen Waldbäume: Eiche, Buche, Birke, Hasel, Kiefer, Fichte, Esskastanie, Eukalyptus — und mit ihnen fast alle bekannten Speisepilze.
Außer Weide und Pappel, die beides können, geht jede Art nur mit einem der beiden Systeme eine Partnerschaft ein. Eine Eiche hat von zwanzig Apfelbäumen ringsum keinen einzigen Partner.
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Innerhalb eines Systems kommt es auf die Anordnung an, nicht auf die Artenwahl: Gehölze desselben Systems so stellen, dass ihre Wurzelbereiche sich berühren. Dann wandert der Pilz vom eingewachsenen Baum zum neuen hinüber und besiedelt ihn, oft schon in der ersten Saison. Drei Haseln in einer Reihe sind eine Straße. Dieselben drei in drei Ecken des Grundstücks sind drei Inseln, von denen jede für sich anfangen muss.
Über die Gilde hinaus gilt das Umgekehrte: Eine Gilde sollte sich nicht auf ein einziges System festlegen. Wer ausschließlich arbuskuläre Arten zusammenstellt, hat keinen Anschluss an eine Nachbargilde aus Waldbäumen — und umgekehrt. Sind beide Systeme vertreten, hängt die Gruppe in beide Richtungen mit drin, statt für sich zu stehen.
Weide und Pappel sind dafür der nützliche Sonderfall. Weil sie beide Systeme tragen, vermitteln sie zwischen einem Obstteil und einem Waldteil — und sind nebenbei schnelle Amme und Mulchlieferant.
Die naheliegende Frage — und die Antwort darauf ist genau der Punkt, an dem die bekannte Erzählung vom Wood Wide Web kippt.
Dass jeder Baum einen Pilzpartner hat, heißt nicht, dass alle Pilze zusammenhängen. Entscheidend ist, wie ein Mykorrhizapilz überhaupt vorankommt: Er überbrückt keine freien Strecken durch die Erde, sondern hangelt sich von Wurzel zu Wurzel weiter. Wo sich die Feinwurzelbereiche zweier Bäume überschneiden, sitzt derselbe Pilz an beiden — nicht, weil er so weit gewachsen wäre, sondern weil er dort beide angetroffen hat. Fehlt die Überschneidung, fehlt die Verbindung.
Größere Zusammenhänge entstehen deshalb als Kette: Pilz, Baum, Pilz, Strauch, abwechselnd über die ganze Fläche — der Baum selbst ist dabei das Verbindungsstück zwischen zwei Pilzen, die einander nie berühren. Dass auf diesem Weg Kohlenstoff von Pflanze zu Pflanze fließt, ist sicher. Umstritten ist, wie viel ein ausgewachsener Baum dabei abgibt, wie weit es reicht und ob eine Pflanze das gezielt steuert — die Geschichte von den Mutterbäumen, die ihren Nachwuchs versorgen. Ausführlich auf der Mykorrhiza-Seite, samt dem kilometergroßen Rekordpilz aus Oregon, der gar kein Mykorrhizapilz ist.
Für die Planung folgt daraus eine einfache Regel: Auf Nachbarschaft kommt es an, auf Kilometer nicht. Permaplans wird das künftig direkt anzeigen — wo auf deiner Fläche zusammenhängende Bereiche entstanden sind und wo einzelne Inseln, die für sich allein anfangen müssen. Gerechnet aus Endbreite und Wurzeltyp, also aus Angaben, die für jede Art vorliegen.
Warum im Waldgarten trotzdem zu Recht viel über Pilze gesprochen wird: Warum ein Waldgarten?
Geometrie
Die Anordnung folgt aus wenigen Regeln. Wer sie kennt, braucht für die erste Skizze keine zehn Minuten.
Und zwar mit dem Kreis seiner Endbreite, nicht seiner heutigen. Dieser Kreis ist die Grundfläche, auf der alles Weitere Platz findet.
Zwei bis vier Stück, gleichmäßig verteilt, auf einem Drittel bis der Hälfte des Kronenradius vom Stamm entfernt. Nah genug zum Wirken, weit genug zum Entnehmen.
Lichtbedürftiges auf die sonnenzugewandte Seite, Schattentolerantes dahinter. Auf der Nordhalbkugel heißt das Süden — südlich des Äquators genau umgekehrt.
Unter der Krone, wo ohnehin wenig Licht ankommt und der Boden sonst offen bleibt.
Beinwell dahin setzen, wo das Schnittgut später liegen bleiben soll — und wo man im Sommer mit der Sense hinkommt, ohne über anderes zu steigen.
Sondern an ein eigenes Gerüst oder an eine Amme, die ohnehin wieder herauskommt. Ein junger Obstbaum hält keine Kiwi aus.
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Der häufigste Fall
Fast jede Gilde fängt so an: Ein Obstbaum steht schon, und darunter ist Rasen. Die gute Nachricht — genau dort liegt der größte Gewinn, weil Rasen für einen Baum der unangenehmste Nachbar überhaupt ist.
Ein frisch gepflanzter Baum verliert gegen Gras. Dessen dichte Wurzelfilz nimmt ihm genau das Wasser weg, das er zum Anwachsen braucht, und zwar in der obersten Bodenschicht, wo seine eigenen Feinwurzeln noch liegen. In Versuchen wachsen Jungbäume mit freier, gemulchter Baumscheibe deutlich schneller als solche im Gras — das ist einer der am besten belegten Effekte im Obstbau überhaupt.
Die ersten drei bis vier Jahre bleibt der Bereich rund um den Stamm deshalb frei: gemulcht mit Laub, Schnittgut oder Pappe, aber nicht bepflanzt. Erst danach kommt das Unterholz dazu — und auch dann bleibt ein knapper Meter um den Stamm offen, damit das Wasser dorthin kommt, wo es hinsoll.
Und der Fall, an den niemand denkt: Unter einer Walnuss gelten eigene Regeln, weil sie Juglon abgibt. Was dort geht und was nicht, steht im nächsten Abschnitt.
Beispiel
Der schwierigste Fall, weil die Walnuss Juglon abgibt und vieles neben sich nicht duldet — und gerade deshalb das beste Beispiel dafür, wie sehr der Star die Auswahl bestimmt.
Endbreite zwölf bis fünfzehn Meter, Pfahlwurzel, Starkzehrer, gibt Juglon ab. Späte Blüte, später Austrieb — darunter bleibt es bis in den Mai hell.
Bindet Stickstoff, verträgt Juglon, bleibt deutlich niedriger als die Walnuss, ist stockausschlagfähig. Ab dem achten Jahr wird sie schrittweise auf den Stock gesetzt — das Schnittgut bleibt als Mulch liegen.
Zwei bis drei Schnitte im Jahr, verträgt Halbschatten, stört die Pfahlwurzel nicht. Der zuverlässigste Dünger, den man nicht kaufen muss. Wo genau er steht, ist bei einer Walnuss zweitrangig — die Krone wird so breit, dass sie ihn früher oder später ohnehin überwächst.
Narzissen und Kaiserkrone blühen, bevor die Walnuss austreibt, halten Wühlmäuse auf Abstand und sind im Sommer schon wieder eingezogen.
Tomate, Kartoffel, Paprika und die meisten Nachtschattengewächse — juglonempfindlich. Und alles, was mehr Licht braucht, als in fünfzehn Jahren unter dieser Krone ankommt.
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In der App
Eine Gilde zu planen heißt, sehr viele Einzelangaben gleichzeitig im Blick zu behalten. Genau dafür ist Permaplans gebaut — auch ohne eigene Gilden-Funktion.
Klimazone, Wärmesumme, Wasserbilanz, Bodenfruchtbarkeit, pH-Wert und Steinanteil — automatisch aus der Lage deiner Fläche. Das ist der Filter, der vor allen Gildenfragen kommt.
Endhöhe, Endbreite, Wuchsrate, Lichtbedarf, Blüh- und Erntezeit. Der Pflanzenfinder filtert danach — auch nach Eigenschaften, nach denen sonst niemand filtert.
Die Fläche in Jahr 1, 5, 10 und 20. Kein anderes Werkzeug macht so deutlich, warum „dicht pflanzen und später regulieren" funktioniert — und wann die Amme raus muss.
Wo über die Saison Lücken bleiben, sieht man im Kalender auf einen Blick — bei der Ernte wie bei der Tracht für Bestäuber.
Für Deutschland nach Bundesländern, dazu Österreich, Schweiz und Nachbarländer. Beim Zeichnen wirkt die Regel mit, ohne dass du sie nachschlägst — alle Regeln im Überblick.
Pflanzen lassen sich zu Gruppen zusammenfassen und in Schichten übereinander planen — die Struktur, auf der die Gilden-Funktion aufsetzt.
Woran wir gerade bauen
Ehrlichkeitshalber getrennt vom Abschnitt darüber: Das Folgende gibt es noch nicht. Es ist das, was aus dem Konzept oben gerade entsteht — in dieser Reihenfolge.
Eine Gruppe mit Rollen je Mitglied, einem Star in der Mitte und den beiden Zeitangaben: Pflanzjahr und Entnahmejahr. Mitgelieferte Gilden zum Kopieren, eigene zum Teilen.
Rolle für Rolle durchgehen, je Rolle drei bis sechs Vorschläge — jeder mit Begründung, warum gerade diese Art passt. Rollen überspringbar, Schnellmodus für alles auf einmal.
Die Geometrie von oben, direkt auf deiner Fläche — mit Prüfung gegen Wege, Gebäude und Grenzabstände. Danach ist alles von Hand verschiebbar.
Wurzelbereiche als Flächen, eingefärbt nach Pilztyp. Wo sich zwei desselben Typs überlappen, ist Besiedlung wahrscheinlich — und wo eine Art für sich allein steht, siehst du auf einen Blick, dass sie eine Insel ist.
Die umgekehrte Richtung: Die App schaut auf deinen vorhandenen Plan und sagt, was fehlt oder kollidiert. „Fünf Obstbäume, kein Partner auf armem Boden." „Apfel drei Meter neben Walnuss."
Aus der fertigen Gilde: Bestellliste, Pflanzplan nach Jahren, wiederkehrende Aufgaben — Amme schneiden, Beinwell mähen, Schnittfenster je Art.
Eine Gilden-Funktion, die schöne Listen ausgibt, ist an einem Wochenende gemacht. Eine, die stimmt, braucht Felder, die es in keiner Pflanzendatenbank gibt: Pilztyp, Wurzeltyp, Stockausschlagfähigkeit, Juglonverträglichkeit, Anfälligkeit für Feuerbrand. Die tragen wir gerade für über 1.100 Arten zusammen.
Und es braucht die Bereitschaft, weniger zu behaupten, als sich gut anhört. Nichts, was nach unterirdischem Datenkabel aussieht, obwohl es niemand gemessen hat. Keine Kilogramm-Zahlen aus geschätzten Eingaben. Kein Stickstoffsammler-Hinweis für jemanden, der auf bestem Gartenboden steht und mehr Trieb am wenigsten braucht.
Was wir stattdessen wollen: dass jeder Vorschlag eine Begründung mitbringt, die man nachlesen und der man widersprechen kann. Wer versteht, warum die Ölweide neben der Walnuss steht, trifft die nächste Entscheidung selbst.
Taro, Permakultur-Designer, Waldgärtner und Gründer von Permaplans — mehr über mich
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Anfangen
Zeichne deine Fläche und setze den Star — mit seiner Endbreite, nicht mit der Größe im Topf. Schieb die Zeit auf Jahr fünfzehn und schau dir an, wie viel Platz wirklich übrig bleibt. Erst dann kommt der Rest dazu: was in den Schatten passt, was den Boden bedeckt, was blüht, wenn sonst nichts blüht.
Und schreib zwei Jahreszahlen dazu, wo sie hingehören: wann die Amme gepflanzt wird und wann sie wieder herauskommt. Das ist der Unterschied zwischen einer Gilde und einer Ansammlung.
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