Weil sich die beiden Gruppen in einem Punkt fundamental unterscheiden: wie wählerisch sie sind.
Arbuskuläre Pilze sind Generalisten. Es gibt nur einige hundert Arten für rund 200.000 Partnerpflanzen — sie können es sich gar nicht leisten, wählerisch zu sein. Ein und derselbe Pilz besiedelt Apfel, Tomate, Mais und Lavendel. Deshalb reicht hier tatsächlich ein einziges Universalprodukt, und die meisten enthalten nur eine Handvoll Arten.
Ektomykorrhizapilze sind oft Spezialisten. Über zwanzigtausend Arten, und viele davon sind auf eine Baumgattung festgelegt oder sogar auf eine einzige Art: Der Birkenpilz wächst nur bei Birken, der Goldröhrling nur bei Lärchen, der Schwarze Trüffel nur bei Eiche und Hasel.56 Ein Allzweckprodukt kann es da schon im Prinzip nicht geben — daher die Aufteilung nach Nadelbaum, Laubbaum, Eiche und so weiter. Dazu kommt der Standort: Nadelbaumpilze sind meist auf sauren Boden eingestellt, andere auf kalkhaltigen.
Trotzdem ist die Auswahl kleiner, als die Etiketten suggerieren. Denn verkauft werden kann nur, was sich vermehren lässt — und das sind vor allem Pionierarten, also ausgerechnet die Generalisten unter den Spezialisten: Erbsenstreulinge, Kartoffelboviste, Lacktrichterlinge, Wurzeltrüffel, Fälblinge. Genau die Pilze, die einen jungen Baum ohnehin als Erste finden. Die Spätbesiedler, die einen alten Bestand ausmachen, lassen sich nicht in der Tüte züchten.
Und was die meisten eigentlich wollen, gibt es gar nicht. Steinpilz und Pfifferling lassen sich bis heute nicht wirtschaftlich anbauen (beim Pfifferling gelang es 1997 einmal im Labor)57,58 — deshalb kein Produkt, egal wie groß die Nachfrage ist. Die eine Ausnahme ist der Trüffel, aber der wird nicht als Pulver verkauft, sondern als fertig beimpfter und zertifizierter Jungbaum aus der Baumschule.
Ein Teil der Vielfalt ist schlicht Sortiment. Der Markt ist kaum reguliert, und Untersuchungen von Handelsprodukten finden regelmäßig Abweichungen zwischen Aufdruck und Inhalt — bis hin zu Packungen ohne nachweisbar lebensfähige Pilze. In einer weltweiten Prüfung von 28 Produkten führten 84 Prozent in sterilem Boden zu gar keiner Besiedlung.59,60,61
Was das für die Praxis heißt, ist genau das, was einen Absatz weiter oben steht: Wo überhaupt geimpft werden muss, ist die Schubkarre Erde aus dem Wurzelbereich eines alten, gesunden Baums derselben Art der zuverlässigere Weg. Dort sind die passenden Arten garantiert drin, in lebendem Zustand und an den Standort gewöhnt.