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Fliegenpilz im Fichtenwald auf Moosboden — ein Ektomykorrhiza-Partner an seinem Standort

Mykorrhiza

Mykorrhiza: welche Pflanze mit welchem Pilz?

Fast jede Pflanze auf der Erde teilt ihre Wurzeln mit einem Pilz. Er erschließt Boden, an den sie selbst nicht herankommt, liefert Phosphor und Wasser, hält Wurzelkrankheiten ab — und bezahlt wird mit Zucker. Diese Partnerschaft ist über 400 Millionen Jahre alt und älter als die Wurzel selbst.1,2 Nur: Nicht jeder Pilz passt zu jeder Pflanze. Wer weiß, welches System eine Art hat, plant Gehölze anders — und versteht auch, warum unter der Eiche Steinpilze wachsen und unter dem Apfelbaum nie. Diese Seite fängt ganz vorn an: Was ist ein Pilz, wovon lebt er, was heißt Mykorrhiza — und arbeitet sich von dort ins Detail.

~85 %aller Gefäßpflanzenarten leben fest mit einem Pilzpartner3
4 LebensweisenMykorrhiza, Endophyt, Zersetzer, Krankheitserreger — nur eine davon ist ein Handel
400 Mio.Jahre alt — die Partnerschaft ist älter als Wurzeln, Blätter und Samen
4 Typenhat die Mykorrhiza — zwei davon teilen fast die ganze Pflanzenwelt unter sich auf

Vom Groben ins Feine

Erst einmal sortieren: Pilz, Lebensweise, Mykorrhiza

Bevor es um Typen und Partner geht, drei Ebenen auseinanderhalten — sonst klingt später alles widersprüchlich. Aufklappen, was interessiert; wer sich auskennt, springt weiter.

Was ist ein Pilz überhaupt?

Wenn ein Kind einen Pilz malen soll, malt es einen Schirm. Der ist aber nur eine Form des Fruchtkörpers — und viele Pilze bilden überhaupt keinen.

Ein Erwachsener würde es genauer versuchen: ein Lebewesen, das sich über Fäden statt Wurzeln ernährt, keine Photosynthese betreibt und sich über Sporen statt Samen vermehrt. Klingt vernünftig. Nur hält keiner der drei Punkte stand:

  • Fäden statt Wurzeln? Hefen sind Pilze und einzellig, ganz ohne Fäden. Und manche Bakterien bilden umgekehrt ein Myzel und riechen dabei sogar nach Waldboden.4 (Wo Fäden da sind, heißt ein einzelner Hyphe und das Geflecht Myzel — die beiden Wörter brauchen wir gleich noch.)
  • Keine Photosynthese? Der Fichtenspargel betreibt auch keine — das weißlich-gelbe Gewächs, das im Nadelwald aus dem Boden kommt und selbst aussieht wie ein Pilz. Er ist trotzdem eine Pflanze.
  • Sporen statt Samen? Machen Farne genauso.

Was bleibt, ist die Zellwand.5

Jede Pilzzelle ist von einer festen Hülle umgeben, und in der steckt Chitin (C8H13NO5)n. Pflanzen bauen ihre Hüllen aus Zellulose (C6H10O5)n — chemisch fast dasselbe Molekül, nur hängt beim Chitin an jedem Baustein zusätzlich Stickstoff. Tiere haben überhaupt keine Zellwände; ein Käfer trägt zwar ebenfalls Chitin, aber als Panzer außen am Körper statt als Hülle um jede einzelne Zelle. Und Bakterien nehmen wieder etwas anderes, nämlich Murein.

Kurz gesagt: Pilze sind Chitinwesen, Pflanzen sind Zellulosewesen.

Die Gegenprobe: der Falsche Mehltau.

Er bildet Fäden, verdaut außerhalb seines Körpers und lebt in jeder Hinsicht wie ein Pilz. Nur ist er keiner. Er gehört zu den Eipilzen, ist näher mit Braunalgen verwandt, und seine Zellwand besteht aus Zellulose — ein Zellulosewesen also, das Pilz spielt.6 Das ist kein akademisches Detail: Mittel gegen echte Pilze wirken bei ihm oft nicht.

Ansehen kann man ihm das nicht. Früher hat man nach Aussehen und Fortpflanzung sortiert, und genau deshalb lagen jahrzehntelang Dinge bei den Pilzen, die keine sind. Erst der Vergleich des Erbguts hat das geradegerückt.

Nicht alles ist eben, wonach es aussieht. Delfine sind auch keine Fische, sondern Säugetiere.

Und jetzt zu dem Punkt, um den es hier geht.

Ein Pilz kann keinen Zucker herstellen und muss sich seinen von außen holen. Auch das ist, wie wir gerade gesehen haben, kein Alleinstellungsmerkmal — Tiere können es ebenso wenig, und der Fichtenspargel auch nicht. Für diese Seite zählt nur die eine Frage: Woher holt sich ein Pilz seinen Zucker?

Denn genau daher kommen auch die Erzählungen vom Wood Wide Web. Der Reihe nach.

Wovon leben Pilze? Die vier Lebensweisen

Alles hängt an der Frage, woher der Zucker kommt. Daraus ergeben sich vier Lebensweisen — sortiert danach, was ein Pilz besiedelt und ob er bezahlt:

GruppeLebt an oder inRolle im Garten
Mykorrhizapilzelebenden Wurzeln — und bezahlt dafürVersorgung. Willst du. Steinpilz, Pfifferling, Trüffel, Fliegenpilz.
Endophytenlebendem Gewebe, ohne HandelStresstoleranz. Beifang — sie sind ohnehin da. Man sieht sie nie.
Pathogenelebendem Gewebe, auf dessen KostenKrankheit. Willst du nicht. Hallimasch, Phytophthora, Monilia, Schorf.
Saprotrophetotem MaterialZersetzung und Humus. Brauchst du. Austernseitling, Shiitake, Champignon.

Saprotrophe sind keine Schädlinge — das ist die häufigste Verwechslung. Sie zersetzen Laub, Mulch, Schnittgut und Totholz und sind damit die Grundlage jedes Humusaufbaus. Ohne sie bleibt der Mulch einfach liegen und wird nichts. Auch Weiß- und Braunfäule sind nur ihre zwei Arbeitsweisen am Holz — und sie laufen normalerweise an totem Holz ab: im Totholzhaufen, im Stubben, im Hügelbeet. Weil sie keinen lebenden Partner brauchen, sind es genau diese Pilze, die sich züchten lassen.

Wo die Grenze wirklich fließend ist: zwischen Endophyt und Pathogen. Derselbe Pilz sitzt jahrelang harmlos im Gewebe und wird aggressiv, sobald die Pflanze unter Stress steht. Das ist ein realer Mechanismus, gleich im nächsten Abschnitt. Und dass der Hallimasch das Holz weiterzersetzt, nachdem er den Baum getötet hat, macht ihn nicht zum Zersetzer — er kann beides, angefangen hat er als Erreger.

Endophyten — die unsichtbare Mehrheit in jedem Blatt

Sie sitzen überall: in Blättern, Nadeln, Rinde, Holz — und ja, auch in Wurzeln. Praktisch jede Pflanze trägt Endophyten in sich, oft Dutzende Arten (auch der Apfelbaum, von dem du pflückst).7 Man sieht sie nicht, weil sie keinen Fruchtkörper bilden, solange das Gewebe lebt; sie liegen als dünne Hyphen zwischen den Pflanzenzellen.

Wovon sie leben: von dem, was zwischen den Zellen ohnehin herumsteht — Zucker und Aminosäuren, die durch die Zellwände sickern. Sehr wenig, im Rauschen. Deshalb merkt die Pflanze nichts davon. Genau das ist der Unterschied zur Mykorrhiza: Die bekommt große Mengen Zucker, aber aus einem echten Organ und gegen Gegenleistung. Der Endophyt zapft nur ab.

Was sie tun — drei Dinge, die im Garten zählen:

  • Sie besetzen den Platz. Wo ein Endophyt sitzt, kommt kein Erreger mehr hin.
  • Sie bilden Abwehrstoffe gegen Fraßinsekten und Pilzkrankheiten.8
  • Sie trainieren die Abwehr der Pflanze, die dadurch auf echte Angriffe schneller reagiert.

Das wird sogar genutzt: Weidegräser mit Endophyten sind widerstandsfähiger — und werden für Weidetiere giftig.9 Der bekannteste Fall dieser Doppelnatur.

Der Punkt mit dem Stress. Nicht der Endophyt setzt dem Baum zu. Sondern: Viele dieser Pilze sind Gelegenheitspathogene. Solange der Baum vital ist, hält seine Abwehr sie in Schach und sie bleiben harmlos. Fällt die Abwehr durch Trockenheit weg, wechseln sie die Strategie und wachsen los. Das ist der Grund, warum in Dürrejahren plötzlich Zweige absterben, ohne dass eine Krankheit „angekommen" wäre — der Erreger saß schon jahrelang drin. Diplodia an Kiefern und Botryosphaeria an Obstgehölzen funktionieren genau so.10

Und noch etwas, das den Kreis schließt: Wenn das Blatt fällt, sind viele dieser Pilze die ersten, die mit dem Zersetzen anfangen — sie sitzen ja schon drin und können sofort loslegen. Das macht sie nicht zu Zersetzern; Endophyt ist eine eigene Lebensweise. Es heißt nur, dass an einem frisch gefallenen Blatt nicht erst jemand von außen ankommen muss.11

Sind Krankheitserreger nicht Bakterien? Wer macht Pflanzen wirklich krank

Bakterien sind nur eine Gruppe unter mehreren, und bei Gehölzen die kleinste:

  • Pilze — bei Bäumen mit Abstand der größte Anteil: Hallimasch, Monilia, Schorf, Mehltau, Rostpilze, Wurzelschwamm.
  • Eipilze — sehen aus wie Pilze und leben wie Pilze, sind aber keine, sondern näher mit Braunalgen verwandt. Dazu gehört Phytophthora, der Erreger hinter vielen Wurzel- und Stammfäulen und hinter der Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel. Für die Bekämpfung ist das kein akademisches Detail: Mittel gegen echte Pilze wirken bei ihnen oft nicht.
  • Bakterien — etwa Feuerbrand, im Obstbau gefürchtet, aber die Ausnahme.
  • Viren — meist über Läuse oder Schnittwerkzeug übertragen, nicht heilbar.
  • Fadenwürmer — Tiere, keine Mikroben, und im Boden oft unterschätzt.

Und die Abgrenzung, die im Garten am meisten wert ist: Ein Pilz auf totem Holz ist kein Erreger. Was im Totholzhaufen, im Stubben oder im Hügelbeet wächst, zersetzt — es befällt nichts. Erst wenn Fruchtkörper an einem lebenden Stamm erscheinen, lohnt ein zweiter Blick.

Für einen Baum heißt das sonst: Wer von Krankheit spricht, meint in den allermeisten Fällen einen Pilz. Und wer von einem großen Pilz im Wald hört, meint nicht unbedingt einen Partner — der Rekordhalter unter den Pilzen ist ein Baumkiller. Weiter unten mehr dazu.

Was heißt dann „Mykorrhiza"?

Wörtlich „Pilzwurzel", aus dem Griechischen: mykes Pilz, rhiza Wurzel. Und damit ist schon das Wichtigste gesagt:

Mykorrhiza ist keine Pilzart und keine Pilzgruppe, sondern eine Verbindung. Gemeint ist das gemeinsame Organ aus Pilz und lebender Wurzel — nicht der Pilz für sich. Man kann sie nicht kaufen und nicht in die Hand nehmen; sie entsteht erst dort, wo beide Seiten zusammenkommen.

Drei Merkmale machen sie aus: ein enger, geregelter Kontakt zwischen Pilz und lebender Wurzel; ein Austausch, von dem beide Seiten etwas haben; und eine feste Struktur an der Kontaktstelle, die sich unter dem Mikroskop wiedererkennen lässt.

Ein Pilz, der so etwas bilden kann, heißt Mykorrhizapilz. Er unterhält in der Regel nicht eine solche Verbindung, sondern viele gleichzeitig — zu mehreren Wurzeln, oft auch zu mehreren Pflanzen.

Warum tauchen manche Typen später doppelt auf? Drei Ebenen, die man trennen muss

Das ist die Stelle, an der es fast immer durcheinandergeht — deshalb hier, bevor die Typen kommen:

  • Ebene 1 — die Lebensweise des Pilzes: Mykorrhiza, Endophyt, Saprotroph, Pathogen. Vier Stück, siehe oben.
  • Ebene 2 — der Typ der Verbindung, innerhalb der Lebensweise „Mykorrhiza": arbuskulär, ekto, erikoid, orchideoid. Jeder Typ hat seine eigene Pilzgruppe, und die Gruppen sind nicht austauschbar.
  • Ebene 3 — Varianten innerhalb eines Typs. Hier sitzen arbutoid und monotropoid: Sie werden von denselben Ektomykorrhizapilzen gebildet wie die gewöhnliche Ektomykorrhiza, nur an anderen Pflanzen und deshalb anders gebaut.

Der entscheidende Punkt: Welche Variante entsteht, hängt an der Pflanze, nicht am Pilz. Ein und derselbe Ektomykorrhizapilz bildet mit einer Kiefer eine gewöhnliche Ektomykorrhiza, mit einem Erdbeerbaum eine arbutoide und mit einem Fichtenspargel eine monotropoide — ein Pilzindividuum, drei Varianten.12,13

Als Bild: Ladekabel.

  • Ebene 2, die Typen, sind verschiedene Anschlussfamilien: USB und Lightning. Ein Apfelbaum hat die eine Buchse, eine Eiche die andere — ein Pilz mit dem falschen Stecker kommt schlicht nicht dran, so nah er auch liegt. Heidelbeere und Orchidee haben nochmal je eigene Anschlüsse.
  • Ebene 3, die Varianten, sind Steckerformen innerhalb einer Familie: USB-A, USB-C, Micro-USB. Alles USB, alles dieselben Pilze — nur die Buchse sieht bei Kiefer, Erdbeerbaum und Fichtenspargel unterschiedlich aus.
  • Weide und Pappel sind die Geräte mit zwei verschiedenen Buchsen und können deshalb zwischen zwei Familien vermitteln.
  • Der Fichtenspargel ist das Gerät, das nur lädt und nie etwas zurückgibt.

Wo das Bild aufhört zu passen: Ein Stecker ist eine Frage der Passform, eine Mykorrhiza ist ein Handel. Und die Buchse ist nicht vorher da — Pilz und Wurzel bauen sie gemeinsam, jedes Mal neu.

Wenn auf dieser Seite von „den beiden Systemen" die Rede ist, sind die beiden großen Familien gemeint: arbuskulär und ekto. Das ist die Unterscheidung, die beim Pflanzen zählt.

Sind alle Pilze Mykorrhizapilze?

Nein, im Gegenteil — es ist eine Minderheit. Die allermeisten Pilze sind Zersetzer. Mykorrhiza bilden können nur bestimmte Gruppen, und wer es kann, ist meist darauf angewiesen.

Daraus folgt etwas, das man im Supermarkt sehen kann: Champignon, Austernseitling und Shiitake gibt es zu kaufen, Steinpilz und Pfifferling nicht. Die ersten sind Zersetzer und wachsen auf Stroh, Mist oder Holz. Die zweiten brauchen einen lebenden Baum und lassen sich deshalb nicht in der Halle züchten — man kann sie nur sammeln oder einen Baum pflanzen, dessen Wurzeln vorher beimpft wurden. Genau das macht man bei Trüffeln.

Umgekehrt heißt das auch: Ein Pilz, der im Kompost wächst, ist kein Partner für deinen Baum. Und ein Mykorrhizapilz kann nicht auf Kompost leben.

Die Wörter, die auf dieser Seite dauernd vorkommen
Hyphe
Ein einzelner Pilzfaden, zwanzig- bis fünfzigmal dünner als eine Feinwurzel.
Myzel
Das Geflecht aus vielen Hyphen — der eigentliche Pilz.
Fruchtkörper
Was man sammelt und isst. Nur das Sporenorgan, nicht das Lebewesen.
Spore
Die Verbreitungseinheit des Pilzes: einzellig, staubfein, wird vom Wind verteilt. So kommt ein Pilz auf eine neue Fläche. Farne, Moose und Bakterien haben ebenfalls Sporen — für Pilze ist das also nichts Besonderes.
Rhizomorph
Ein schnurartiger Strang aus gebündelten Hyphen. Damit überbrücken einige Pilze — vor allem der Hallimasch — freie Strecken ohne Wurzeln.
Symbiont
Partner in einem Zusammenleben, von dem beide Seiten etwas haben.
Saprotroph
Zersetzer: lebt von totem Material.
Endophyt
Lebt in lebendem Pflanzengewebe, ohne dass die Pflanze etwas merkt.
Pathogen
Krankheitserreger.
Myko-heterotroph
Pflanze, die sich ganz oder teilweise vom Pilz ernährt statt von Photosynthese.
Genet
Ein Pilzindividuum — alles, was aus einer Spore hervorgegangen ist, egal wie weit verteilt.

Grundlage

Was ein Pilzpartner tatsächlich leistet

Eine Feinwurzel ist etwa einen halben Millimeter dick. Ein Pilzfaden ist zwanzig- bis fünfzigmal dünner und passt damit in Bodenporen, die für die Wurzel verschlossen bleiben. In einem Gramm Boden stecken oft zig Meter Pilzfäden.14,15 Die Pflanze vergrößert damit die Fläche, über die sie aufnimmt, um ein Vielfaches — ohne selbst einen einzigen Millimeter Wurzel zu bilden.

Vier Leistungen stehen dahinter:

🧪

Phosphor

Der wichtigste Punkt. Phosphor ist im Boden meist reichlich vorhanden, aber fest gebunden und kaum beweglich. Um eine Wurzel herum ist er nach kurzer Zeit aufgebraucht — die Pflanze kommt an den Rest nicht heran. Der Pilz holt ihn aus Bereichen, die weit außerhalb liegen.15

💧

Wasser und Trockentoleranz

Dieselbe Reichweite gilt für Wasser. Besiedelte Pflanzen überstehen Trockenphasen häufig besser16 — auf durchlässigen Böden oft der Unterschied zwischen anwachsen und kümmern.

🛡️

Schutz vor Wurzelkrankheiten

Der Pilzmantel besetzt die Wurzeloberfläche und macht sie für Schadpilze unzugänglich; dazu kommen Abwehrstoffe und eine angeregte Abwehrbereitschaft der Pflanze.17,18 Zitrus gilt als besonders stark auf seinen Pilzpartner angewiesen.19

🔗

Austausch mit den Nachbarn

Alles, was am selben Pilz hängt, ist miteinander verbunden. Dass dabei Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor von einer Pflanze zur anderen wandern, ist nachgewiesen — wie viel und wie weit, ist die Frage, um die gestritten wird. Weiter unten mehr dazu.

Die Formen

Die vier Mykorrhiza-Typen — und zwei, die fast alles abdecken

Jetzt die zweite Ebene: innerhalb der Lebensweise „Mykorrhiza" gibt es vier Typen. Sie unterscheiden sich daran, wie eng Pilz und Wurzel zusammenwachsen — wächst der Pilz in die Wurzelzelle hinein oder umhüllt er sie nur? Für die Praxis genügt es, die ersten beiden auseinanderzuhalten; die anderen beiden betreffen Heidelbeeren und Orchideen. Falls die Ebenen noch nicht klar sind, oben nachschlagen.

FormWerWas sie ausmacht
Arbuskuläre MykorrhizaRund 72 % aller Gefäßpflanzenarten: fast alles Obst, Gemüse, Kräuter, Gräser, Palmen, Leguminosen und nahezu alle tropischen NutzbäumeDer Pilz wächst in die Wurzelzelle hinein und bildet dort bäumchenförmige Austauschorgane, die Arbuskeln. Er bildet keine sichtbaren Fruchtkörper — man bekommt ihn nie zu Gesicht. Nur einige hundert Pilzarten bedienen diese riesige Pflanzengruppe (2015 waren 244 beschrieben, DNA-Analysen deuten auf 300 bis 1.600)20, sie sind entsprechend wenig wählerisch.
EktomykorrhizaRund 2 % der Arten, aber die prägenden Waldbäume der gemäßigten und borealen Zone sowie einige tropische FamilienDer Pilz umhüllt die Wurzelspitze mit einem Mantel und dringt nicht in die Zellen ein. Rund 20.000 Pilzarten20, viele davon auf wenige Baumarten festgelegt — und fast alle bekannten Speisepilze gehören hierher: Steinpilz, Pfifferling, Trüffel, Maronenröhrling.
Ericoide MykorrhizaHeidekrautgewächse: Heidelbeere, Preiselbeere, Cranberry, Rhododendron, HeideSpezialisiert auf saure, nasse, humusreiche Böden. Der Pilz schließt Stickstoff direkt aus unzersetztem Rohhumus auf — deshalb wachsen Heidelbeeren dort, wo für andere nichts zu holen ist.21
Orchideen-MykorrhizaAlle Orchideen, rund 10 % aller GefäßpflanzenartenDer Samen einer Orchidee ist staubfein und hat keine Reserven. Ohne den passenden Pilz, der ihn in der Keimung ernährt, kommt er nicht hoch. Deshalb lassen sich Orchideen nicht einfach aussäen.22

Zwei Varianten — und warum sie keine eigenen Typen sind

In Büchern stehen oft zwei weitere Typen. Es sind aber keine: Beide werden von ganz normalen Ektomykorrhizapilzen gebildet und gehören deshalb in dieselbe Schublade wie Zeile zwei.

Arbutoide Mykorrhiza — Erdbeerbaum und Bärentraube. Mantel wie bei der Ektomykorrhiza, aber der Pilz dringt zusätzlich in die Zelle ein.

Monotropoide Mykorrhiza — Fichtenspargel und Verwandte, Pflanzen ohne Blattgrün. Ein und dasselbe Pilzindividuum hängt mit der einen Seite an einer Fichte und mit der anderen am Fichtenspargel, der vollständig vom Zucker des Baumes lebt.13,23 Der beste Beleg dafür, dass Kohlenstoff über einen Pilz von Pflanze zu Pflanze fließt.

Kurz: Welche Variante entsteht, hängt an der Pflanze, nicht am Pilz — im Bild von oben sind es USB-A, USB-C und Micro-USB, aber alles USB. Ein Pilzindividuum kann gleichzeitig eine Kiefer, einen Erdbeerbaum und einen Fichtenspargel bedienen. Wenn auf dieser Seite von „den beiden Systemen" die Rede ist, sind die beiden großen Anschlussfamilien gemeint: arbuskulär und ekto, und diese beiden Varianten zählen zu ekto.

Nicht in diese Liste gehören zwei Dinge, die trotzdem oft hier auftauchen: die dunklen septierten Endophyten — Pilze, die in Wurzeln leben, ohne eine der klassischen Formen zu bilden; auf extremen Standorten weit verbreitet, in ihrer Wirkung ungeklärt, aber eben Endophyten und keine Mykorrhiza. Und die Pflanzen ganz ohne Pilzpartner, rund acht Prozent der Arten — dazu gleich ein eigener Abschnitt.

Weltweite Einordnung

Welche Pflanze hat welche Mykorrhiza? Von Apfel bis Kokospalme

Die Faustregel gilt auf allen Kontinenten: Arbuskulär ist der Normalfall, Ektomykorrhiza die Ausnahme.3,24 Nur konzentriert sich diese Ausnahme auf wenige Familien — und genau die bilden die großen Wälder der nördlichen Halbkugel, Australiens und Südostasiens.

Art oder GruppeSystemAnmerkung
Apfel, Birne, Quitte, Kirsche, Pflaume, Pfirsich, MandelarbuskulärDas ganze Kern- und Steinobst, dazu Erdbeere, Himbeere, Brombeere, Johannis- und Stachelbeere.
WalnussarbuskulärHäufig verwechselt: Die Walnuss ist trotz ihrer Größe kein Ektomykorrhiza-Baum. Ihre nächste Verwandte, die Pekannuss, ist es dagegen.25,26
Hasel, Eiche, Buche, Birke, Esskastanie, Hainbuche, PekannussektoDie Speisepilzbäume. Unter Hasel und Eiche wachsen Trüffel, unter Birke der Birkenpilz, unter Fichte und Kiefer Steinpilz und Maronenröhrling.
Kiefer, Fichte, Lärche, Tanne, Douglasie, ZederektoNadelbäume sind fast ausnahmslos Ektomykorrhiza-Partner. Ohne Besiedlung wachsen Kiefernsämlinge auf Rohboden praktisch nicht.
ErleektoDoppelt ausgestattet: Ektomykorrhiza für Phosphor, dazu Frankia-Knöllchen für Stickstoff aus der Luft. Deshalb kommt sie auf Rohböden zurecht, auf denen sonst nichts anwächst.
Ölweide, SanddornarbuskulärEbenfalls mit Frankia-Knöllchen, aber mit dem anderen Pilzsystem als die Erle27 — beim Zusammenstellen einer Gruppe ein Unterschied, der leicht übersehen wird.
Weide, PappelbeidesDie wichtigste Ausnahme überhaupt. Sie können arbuskuläre und Ektomykorrhiza nebeneinander bilden und damit zwischen zwei Gruppen vermitteln. Meist überwiegt die Ektomykorrhiza, die arbuskuläre kommt vor allem bei Jungpflanzen und auf nassen Standorten dazu.3,28
Eukalyptus, viele Akazienekto (Akazien je nach Art arbuskulär, teils auch ekto)Australien ist der große Ektomykorrhiza-Kontinent außerhalb des Nordens.
Mango, Avocado, Papaya, Banane, Zitrus, Kaffee, Kakao, Olive, Feige, Dattel- und KokospalmearbuskulärDie tropischen und subtropischen Nutzpflanzen praktisch ausnahmslos. Zitrus gilt als besonders abhängig davon, vor allem auf Unterlagen mit groben Wurzeln.19,29
Mais, Weizen, Hirse, Reis, Kartoffel, Tomate, Zwiebel, Lauch, Möhre, Kürbis, Bohne, Erbse, Klee, LuzernearbuskulärFast der ganze Acker- und Gemüsebau. Lauch und Zwiebel gelten als besonders stark besiedelt und werden in Versuchen oft als Anzeigepflanzen benutzt.
Heidelbeere, Preiselbeere, Cranberry, RhododendronericoidEigenes System, eigene Pilze. Ein Heidelbeerbeet profitiert kaum von einem Ektomykorrhiza-Nachbarn und gar nicht von einem arbuskulären. Die bekannte Ausnahme: Einzelne Pilze aus der Gruppe um Rhizoscyphus ericae besiedeln Heidekraut und Kiefer zugleich, allerdings nur auf wenigen Zentimetern. Ein großes gemeinsames Netz entsteht daraus nicht.30,31
Kohl, Raps, Senf, Rettich, Rucola, Kresse, MeerrettichkeineAlle Kreuzblütler. Was das praktisch bedeutet.
Rote Bete, Mangold, Spinat, Quinoa, AmarantkeineGänsefuß- und Fuchsschwanzgewächse.
Rhabarber, Sauerampfer, Buchweizen, KnöterichkeineKnöterichgewächse, meist ohne oder nur schwach besiedelt.
LupinekeineBildet stattdessen dichte Wurzelbüschel, die Phosphor mit Säuren selbst aus dem Boden lösen32 — eine eigene Lösung für dasselbe Problem.
Besiedelte Wurzel: weißes Pilzmyzel an Feinwurzeln, daneben eine ummantelte Ektomykorrhiza-Wurzelspitze und ein gefärbtes Mikroskopbild mit Arbuskeln im Wurzelgewebe
Dieselbe Wurzel, zweimal vergrößert: rechts oben die Ektomykorrhiza — der Pilz legt einen Mantel um die Wurzelspitze. Rechts unten die arbuskuläre Form — hier wächst er in die Zelle hinein und bildet dort die feinen Verzweigungen, die ihr den Namen geben.

Die Ausnahmen

Die Pflanzen ohne Pilzpartner — und warum das im Garten zählt

Rund acht Prozent der Gefäßpflanzen kommen ganz ohne Mykorrhiza aus, weitere sieben Prozent sind mal besiedelt, mal nicht.3,33,34 Sie haben die Partnerschaft im Lauf der Evolution wieder aufgegeben und erschließen Phosphor selbst: mit Säuren, die ihn aus der Bindung lösen, und mit auffällig dichten Wurzelbüscheln. Das funktioniert, kostet die Pflanze aber mehr Energie — weshalb diese Arten typischerweise auf gestörten, nährstoffreichen Standorten zu Hause sind.

Ausgerechnet der Küchengarten ist voll davon: Kohl in allen Formen, Radieschen, Rettich, Senf, Rucola, Kresse, Meerrettich. Dazu Rote Bete, Mangold, Spinat, Rhabarber und die meisten Lupinen.

Die Gründüngungs-Falle

Daraus folgt ein praktischer Punkt, der selten irgendwo steht: Senf und Ölrettich als Zwischenfrucht ernähren die Pilze nicht. Wo ein Jahr lang nur Kreuzblütler stehen, geht die Zahl der arbuskulären Pilze im Boden deutlich zurück, weil ihnen der Wirt fehlt — in einem Versuch nach Sareptasenf um gut die Hälfte.35,36,37 Kreuzblütler scheiden vermutlich zusätzlich Stoffe aus, die die Besiedlung hemmen.38

Für den Gemüsegarten ist das meist ohne Folgen. Vor einer Neupflanzung von Gehölzen, vor Mais oder vor stark abhängigen Kulturen wie Zitrus ist es dagegen ein echter Nachteil. Wer Gründüngung mit den Pilzen im Sinn wählt, nimmt Phacelia, Klee, Wicke, Roggen oder schlicht ein Grasgemenge — und lässt Senf und Ölrettich weg, die keine Partner bilden, ebenso Buchweizen, der nur schwach besiedelt wird.39

Praxis

Mykorrhiza im Garten: die häufigsten Fragen

Die Fragen, die beim Pflanzen tatsächlich aufkommen — von „muss ich etwas tun?" bis „wie verbinde ich zwei Gruppen?".

Wann kommt die Mykorrhiza von allein — und wann nicht?

Das hängt am System, und der Unterschied ist groß.

Arbuskuläre Mykorrhiza: schon da. Jede Wiese und jeder Acker ist voll davon, denn Gräser und Kräuter sind selbst Partner dieser Pilze. Ein Apfel, eine Walnuss oder ein Holunder, den du auf eine Wiese pflanzt, ist innerhalb weniger Wochen bis Monate besiedelt. Da musst du nichts tun.

Ektomykorrhiza: das ist der Problemfall. Auf einer Wiese ohne Wirtsbäume gibt es kaum Sporen dieser Pilze. Eine Eiche, Buche, Hasel oder Esskastanie auf offener Fläche findet erst einmal wenig. Sporen kommen über Wind und Tiere, die Besiedlung braucht Monate bis Jahre. In einem Versuch mit Eichensämlingen auf einer Brache waren bis acht Meter vom Waldrand alle besiedelt, ab etwa 15 Metern fiel die Besiedlung deutlich ab.52

Und es gibt eine Reihenfolge: Zuerst kommen die Pionierpilze — Lacktrichterling, Erdwarzenpilz, Fälbling. Die Spätbesiedler, also Täublinge, Schleierlinge und Wulstlinge, brauchen Jahrzehnte und einen etablierten Bestand.53,54 Du kannst also durchaus zehn Jahre lang einen halben Wald haben, der pilzseitig noch dünn ausgestattet ist.

Was bringt es konkret, gleiche Typen nebeneinanderzusetzen?

Es erspart genau diese Wartezeit — und das ist der eigentliche Nutzen, eine Gruppe überhaupt zu planen.

Setzt du einen Strauch mit Ektomykorrhiza neben einen bereits eingewachsenen Baum desselben Systems, wächst das vorhandene Myzel in die neuen Wurzeln ein. Das geschieht in einer Saison, statt über Jahre auf zufällig angewehte Sporen zu warten.52,55 Eine Hasel neben eine etablierte Eiche gesetzt ist deshalb etwas völlig anderes als dieselbe Hasel allein in der Wiesenecke.

Genau darum lohnt es sich, Gehölze desselben Systems zu gruppieren, statt sie über die Fläche zu verteilen.

Kreuzen sich die Typen? Stören sie sich gegenseitig?

Nein, sie behindern sich nicht. Hyphen beider Systeme leben im selben Boden nebeneinander, jede an ihren eigenen Wurzeln. Eine gemischte Pflanzung ist kein Nachteil.

Was man sich wegdenken muss, ist das eine große Netz. Viele Pilzindividuen sind nur wenige Meter groß, die größten bekannten einige Dutzend; eine Fläche ist ein Flickenteppich vieler solcher Individuen, kein durchgehendes Kabel. Die „Straße", von der auf der Gildenseite die Rede ist, ist deshalb eher eine Kette von Übergabestellen als eine Leitung. Ausführlich weiter oben.

Wie verbinde ich zwei Gruppen miteinander?

Dafür gibt es eine elegante Lösung: Weide und Pappel können beide Typen bilden, ebenso Eukalyptus und Erle. Meist überwiegt dabei die Ektomykorrhiza, die arbuskuläre kommt vor allem bei Jungpflanzen und auf nassen oder extremen Standorten dazu. Weltweit kennt man knapp 90 Pflanzengattungen mit solcher Doppel-Mykorrhiza28, im Garten sind diese vier die naheliegenden.

Eine Reihe Korbweiden zwischen einer Eichen-Hasel-Gruppe und einer Obstgruppe ist damit das Verbindungselement — und nebenbei liefert sie Schnittgut, Bienenweide im Vorfrühling und Flechtmaterial. Wer die Idee auf seiner Fläche umsetzen will, fängt hier an.

Muss ich Mykorrhiza kaufen und impfen?

Bei Obstgehölzen fast immer rausgeworfenes Geld: Sie brauchen arbuskuläre Pilze, und die sind in gewachsenem Garten- oder Wiesenboden ohnehin vorhanden.

Sinnvoll wird es bei Eiche, Buche, Hasel und Esskastanie auf offener Fläche — genau dort, wo die passenden Pilze fehlen und die Besiedlung sonst Jahre dauert. Und auf Flächen, wo das Bodenleben grundsätzlich fehlt: langjähriger Acker, Rohboden nach einer Baustelle, abgeschobener Oberboden, Rekultivierung.

Dann gilt allerdings: Eine Schubkarre Erde aus dem Wurzelbereich eines alten, gesunden Baums derselben Art ist meist wirksamer und billiger als jedes Präparat — man holt sich genau die Pilze, die hier vorkommen und mit dem Standort zurechtkommen. Viele gekaufte Produkte enthalten ohnehin nur arbuskuläre Pilze und sind für eine Eiche oder Birke damit von vornherein wirkungslos.

Was ohne Impfen hilft: den Boden bedeckt halten, möglichst wenig wenden, Wurzeln über den Winter im Boden lassen und keine langen Phasen ohne Pflanzen. Pilze leben von lebenden Wurzeln — eine schwarze Fläche hungert sie aus.

Warum gibt es dann so viele verschiedene Produkte — extra welche für Nadelbäume?

Weil sich die beiden Gruppen in einem Punkt fundamental unterscheiden: wie wählerisch sie sind.

Arbuskuläre Pilze sind Generalisten. Es gibt nur einige hundert Arten für rund 200.000 Partnerpflanzen — sie können es sich gar nicht leisten, wählerisch zu sein. Ein und derselbe Pilz besiedelt Apfel, Tomate, Mais und Lavendel. Deshalb reicht hier tatsächlich ein einziges Universalprodukt, und die meisten enthalten nur eine Handvoll Arten.

Ektomykorrhizapilze sind oft Spezialisten. Über zwanzigtausend Arten, und viele davon sind auf eine Baumgattung festgelegt oder sogar auf eine einzige Art: Der Birkenpilz wächst nur bei Birken, der Goldröhrling nur bei Lärchen, der Schwarze Trüffel nur bei Eiche und Hasel.56 Ein Allzweckprodukt kann es da schon im Prinzip nicht geben — daher die Aufteilung nach Nadelbaum, Laubbaum, Eiche und so weiter. Dazu kommt der Standort: Nadelbaumpilze sind meist auf sauren Boden eingestellt, andere auf kalkhaltigen.

Trotzdem ist die Auswahl kleiner, als die Etiketten suggerieren. Denn verkauft werden kann nur, was sich vermehren lässt — und das sind vor allem Pionierarten, also ausgerechnet die Generalisten unter den Spezialisten: Erbsenstreulinge, Kartoffelboviste, Lacktrichterlinge, Wurzeltrüffel, Fälblinge. Genau die Pilze, die einen jungen Baum ohnehin als Erste finden. Die Spätbesiedler, die einen alten Bestand ausmachen, lassen sich nicht in der Tüte züchten.

Und was die meisten eigentlich wollen, gibt es gar nicht. Steinpilz und Pfifferling lassen sich bis heute nicht wirtschaftlich anbauen (beim Pfifferling gelang es 1997 einmal im Labor)57,58 — deshalb kein Produkt, egal wie groß die Nachfrage ist. Die eine Ausnahme ist der Trüffel, aber der wird nicht als Pulver verkauft, sondern als fertig beimpfter und zertifizierter Jungbaum aus der Baumschule.

Ein Teil der Vielfalt ist schlicht Sortiment. Der Markt ist kaum reguliert, und Untersuchungen von Handelsprodukten finden regelmäßig Abweichungen zwischen Aufdruck und Inhalt — bis hin zu Packungen ohne nachweisbar lebensfähige Pilze. In einer weltweiten Prüfung von 28 Produkten führten 84 Prozent in sterilem Boden zu gar keiner Besiedlung.59,60,61

Was das für die Praxis heißt, ist genau das, was einen Absatz weiter oben steht: Wo überhaupt geimpft werden muss, ist die Schubkarre Erde aus dem Wurzelbereich eines alten, gesunden Baums derselben Art der zuverlässigere Weg. Dort sind die passenden Arten garantiert drin, in lebendem Zustand und an den Standort gewöhnt.

Sind fremdländische Bäume anfälliger für Krankheiten?

Der Befund ist deutlich, die Ursache nicht. Eine Studie in 48 tschechischen Schlossparks hat den Boden unter 73 fremdländischen Baumarten untersucht: Krankheitserreger machten dort einen doppelt so großen Anteil der Pilzarten und einen dreimal so großen Anteil der Pilzmenge aus wie unter heimischen Bäumen, Ektomykorrhizapilze einen kleineren. Je länger eine Baumart schon vor Ort wuchs, desto geringer wurde der Erregeranteil.62

Woran das liegt, ist damit aber nicht gesagt. Es könnte an schlechterer Versorgung mit passenden Pilzpartnern liegen — es kann genauso gut daran liegen, welche Erreger mit den Pflanzen zusammen importiert wurden. Beides ist plausibel, bewiesen ist keines.

Ehrlich formuliert heißt der Befund also: weniger Pilzpartner, mehr Krankheitserreger — Ursache offen. Als Faustregel fürs Pflanzen taugt er trotzdem, nur eben als Beobachtung und nicht als Erklärung.

Und Speisepilze — kann ich die mitplanen?

Ja, aber es ist ein anderer Weg als das Impfen oben, auch wenn dieselben Pilzgruppen gemeint sind. Wer Trüffel, Steinpilze oder Pfifferlinge ernten will, kauft gezielt beimpftes Pflanzgut — eine Hasel oder Eiche, deren Wurzeln in der Baumschule mit einer bestimmten Pilzart besiedelt wurden — und braucht dazu den passenden Boden, bei Trüffeln vor allem einen hohen pH-Wert. Mit einem Allzweck-Mykorrhiza-Pulver hat das nichts zu tun.

Pilze wie Austernseitling oder Shiitake wiederum sind gar keine Mykorrhizapilze, sondern Zersetzer: Sie werden auf Stämmen oder Substrat angebaut, unabhängig von jedem lebenden Baum. Deshalb gibt es sie zu kaufen und Steinpilze nicht.

Eine Gruppe Steinpilze am Fuß eines alten Laubbaums im Gras
Steinpilze stehen nicht zufällig am Stammfuß: Sie leben von diesem Baum und er von ihnen. Genau deshalb kann man sie nicht auf Stroh züchten wie einen Austernseitling — ohne lebenden Partner gibt es keinen Steinpilz.

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Was das für deine Pflanzplanung heißt

Drei Sätze reichen für den Alltag. Erstens: Ein Pilz besiedelt nur Pflanzen seines eigenen Systems — wer einen Waldbaum zwischen lauter Obstbäume setzt, gibt ihm keinen Partner. Zweitens: Es kommt auf die Nachbarschaft an, nicht auf die Fläche — Gehölze desselben Systems so stellen, dass die Wurzelbereiche sich berühren. Drittens: Eine Pflanzengruppe sollte nicht auf ein einziges System festgelegt sein, sonst hat sie keinen Anschluss an das, was daneben steht.

Permaplans-Gartenkarte mit der Ebene Mykorrhiza-Wurzelbereiche: farbige Wurzelkreise je Gehölz für Ekto-, Endo-, Doppelsystem und Heidegewächse über dem Luftbild, dazu Plus-Zeichen als Pflanzvorschläge für Lücken
So sieht das in Permaplans aus: Die Ebene „Mykorrhiza-Wurzelbereiche“ färbt den geschätzten Wurzelbereich jedes Gehölzes nach seinem System (blau Ekto, gelb Endo, grün beides, lila die Heidegewächse wie Heidelbeere und Rhododendron). Wo sich Flächen gleicher Farbe überlagern, ist ein gemeinsamer Pilz wahrscheinlich; die Plus-Zeichen schlagen Pflanzen für die Lücken vor.

Wie daraus eine vollständige Pflanzung wird — mit Ankerpflanze, Rollen und Zeitplan — steht auf der Schwesterseite: Pflanzgilden: was zusammen gepflanzt gehört.

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Belege

Quellen

Die hochgestellten Zahlen im Text verweisen hierher, ↩ führt zurück zur Textstelle. Wo es um Lehrbuchwissen geht, steht das Standardwerk; wo Fachleute streiten (vor allem beim Wood Wide Web), stehen beide Seiten. Planerische Schlüsse wie das Gruppieren von Gehölzen sind unsere Folgerung aus diesen Befunden, keine Studienergebnisse.

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  50. Klein, T., Rog, I., Livne-Luzon, S., van der Heijden, M. G. A. & Körner, C. (2023): Belowground carbon transfer across mycorrhizal networks among trees: Facts, not fantasy. Open Research Europe 3: 168. doi:10.12688/openreseurope.16594.1 ↩
  51. Pickles, B. J., Wilhelm, R., Asay, A. K., Hahn, A. S., Simard, S. W. & Mohn, W. W. (2017): Transfer of 13C between paired Douglas-fir seedlings reveals plant kinship effects and uptake of exudates by ectomycorrhizas. New Phytologist 214: 400–411. doi:10.1111/nph.14325 ↩
  52. Dickie, I. A. & Reich, P. B. (2005): Ectomycorrhizal fungal communities at forest edges. Journal of Ecology 93: 244–255. doi:10.1111/j.1365-2745.2005.00977.x ↩ ↩
  53. Last, F. T., Dighton, J. & Mason, P. A. (1987): Successions of sheathing mycorrhizal fungi. Trends in Ecology & Evolution 2: 157–161. doi:10.1016/0169-5347(87)90066-8 ↩
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  56. Bruns, T. D., Bidartondo, M. I. & Taylor, D. L. (2002): Host specificity in ectomycorrhizal communities: what do the exceptions tell us? Integrative and Comparative Biology 42: 352–359. doi:10.1093/icb/42.2.352 ↩
  57. Hall, I. R., Yun, W. & Amicucci, A. (2003): Cultivation of edible ectomycorrhizal mushrooms. Trends in Biotechnology 21: 433–438. doi:10.1016/S0167-7799(03)00204-X ↩
  58. Danell, E. & Camacho, F. J. (1997): Successful cultivation of the golden chanterelle. Nature 385: 303. doi:10.1038/385303a0 ↩
  59. Salomon, M. J., Demarmels, R., Watts-Williams, S. J., McLaughlin, M. J., Kafle, A., Ketelsen, C., Soupir, A., Bücking, H., Cavagnaro, T. R. & van der Heijden, M. G. A. (2022): Global evaluation of commercial arbuscular mycorrhizal inoculants under greenhouse and field conditions. Applied Soil Ecology 169: 104225. doi:10.1016/j.apsoil.2021.104225 ↩
  60. Faye, A., Dalpé, Y., Ndung’u-Magiroi, K., Jefwa, J., Ndoye, I., Diouf, M. & Lesueur, D. (2013): Evaluation of commercial arbuscular mycorrhizal inoculants. Canadian Journal of Plant Science 93: 1201–1208. doi:10.4141/cjps2013-326 ↩
  61. Koziol, L., Lubin, T. & Bever, J. D. (2024): An assessment of twenty-three mycorrhizal inoculants reveals limited viability of AM fungi, pathogen contamination, and negative microbial effect on crop growth for commercial products. Applied Soil Ecology 202: 105559. doi:10.1016/j.apsoil.2024.105559 ↩
  62. Vlk, L., Odriozola, I., Pergl, J., Větrovský, T., Kvasničková, J., Krüger, C., Petružálková, M., Baldrian, P., Vojík, M., Sádlo, J., Petřík, P., Pyšek, P. & Kohout, P. (2026): From pathogens to partners: temporal and biogeographical patterns in fungal associations of alien trees. New Phytologist 250: 3381–3395. doi:10.1111/nph.71094 ↩

Stand der Quellenprüfung: Oktober 2026. Fehler gefunden? Schreib uns.

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