Kirschlorbeer
Wächst das bei mir?
Kirschlorbeer ist bis Zone 6 winterhart. Das reicht für fast alle Lagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; nur in rauen Höhenlagen (Alpen, Mittelgebirgskämme) ist Winterschutz sinnvoll.
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Steckbrief
- Familie
- Rosaceae
- Wuchsform
- Strauch
- Wuchshöhe
- 6,5 m
- Kronenbreite
- 10 m
- Wachstum
- schnell
- Lebensdauer
- 100 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 4 Jahren
- Winterhärte
- Zone 6–8
- Schattentoleranz
- Vollschatten
- Boden
- Sand, Schluff, Lehm, Ton
- Bodenfeuchte
- trocken – sehr nass
- pH-Wert
- 5,5 – 8
- Synonyme
- Lorbeerkirsche
Blüte & Ernte
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| Blüte | ||||||||||||
| Fruchternte |
Nutzung
Essbar: Das Fruchtfleisch reifer Beeren ist nur schwach giftig und wird in der Türkei, wo die Art als Taflan bekannt ist, traditionell verwertet. Dort tragen regionale Formen deutlich größere, etwa olivengroße und süßere Früchte als die bei uns als Heckenpflanze verbreiteten Ziersorten. Üblich sind Gelee und Marmelade, Trocknen oder Einlegen — Verarbeitungswege, bei denen die cyanogenen Verbindungen durch Hitze und Trocknung weitgehend zerstört werden. Entscheidend ist, die Kerne zu entfernen: Samen und Blätter enthalten Prunasin und Amygdalin in erheblicher Menge und setzen beim Zerkauen Blausäure frei. Vom Rohverzehr größerer Mengen ist abzuraten, besonders bei Kindern; bei den kleinfrüchtigen Ziersorten mitteleuropäischer Hecken lohnt die Verwertung ohnehin kaum.
Heilkunde: Blätter und Samen enthalten cyanogene Glykoside, vor allem Prunasin und Amygdalin, aus denen beim Zerkauen oder Zerkleinern Blausäure frei wird. Historisch wurde daraus Kirschlorbeerwasser als krampflösendes und beruhigendes Mittel bereitet und bei Keuchhusten, Asthma und Verdauungsbeschwerden eingesetzt; ein kalter Blattauszug diente als Augenwaschung. Diese Anwendungen sind obsolet und gefährlich — der Abstand zwischen wirksamer und giftiger Dosis ist zu gering, um ihn ohne Labor einzuhalten. Vergiftungen äußern sich in Atemnot, Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Die Pflanze gehört nicht in die Selbstmedikation, und Blattschnitt sollte nicht in Reichweite von Kindern oder Weidetieren liegen bleiben.
Sonstige Nutzung: Diese Pflanze ist sehr gut für den Schnitt geeignet und eignet sich besonders gut als Hecke, vor allem in schattigen Bereichen. Einige Sorten wie 'Cherry Brandy', 'Otto Luyken', 'Zabelina' und 'Schipkaensis' wachsen niedrig und sind hervorragende Bodendecker für sonnige oder schattige Standorte. Das destillierte Wasser aus den Blättern wird in der Parfümerie verwendet. Die Blätter können auch dazu verwendet werden, starke Gerüche wie Knoblauch oder Nelken zu entfernen, solange das Fett zuerst vollständig entfernt wurde. Aus den Blättern und Früchten können Farbstoffe gewonnen werden. Das Holz hat eine rosagraue Farbe und wird für Drechsel- und Dreharbeiten verwendet.
Anbau
Der Kirschlorbeer verträgt tiefen Schatten wie kaum ein anderes Heckengehölz, blüht und fruchtet aber nur in hellerer Lage nennenswert. Er braucht durchlässigen, humosen Boden, der nicht austrocknet; verdichtete oder staunasse Standorte führen zu Wurzelproblemen. Seine Schwachstelle ist der Winter: Bei gefrorenem Boden und gleichzeitiger Wintersonne verdunstet das immergrüne Laub Wasser, das die Wurzel nicht nachliefern kann — die Blätter bräunen, ganze Triebe sterben ab. Eine Mulchdecke im Wurzelbereich und Wässern an frostfreien Tagen beugen vor. In feuchten Jahren und nebligen Lagen tritt Schrotschuss auf; luftiger Stand und Auslichten senken den Befallsdruck. Geschnitten wird mit der Handschere statt der Heckenschere, weil zerschnittene Blätter braun einreißen. Ein Schnitt vor oder unmittelbar nach der Blüte unterbindet die Samenbildung — die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Verwilderung.
Vermehrung
Der Kirschlorbeer wird weder veredelt noch ausgesät, sondern über Stecklinge vermehrt — der entscheidende Unterschied zu den Obst-Prunus. Sorten fallen aus Samen nicht typecht, und die Aussaat trägt nur zum Verwilderungsproblem bei. Üblich sind halbreife Kopfstecklinge von Juli bis September: zehn bis fünfzehn Zentimeter lange, bleistiftstarke Triebstücke mit zwei bis drei Knoten, untere Blätter entfernt, die verbleibenden ein bis zwei Blätter zur Hälfte eingekürzt, damit sie weniger verdunsten. Bei hoher Luftfeuchte unter Folie bewurzeln sie in vier bis acht Wochen. Im Herbst geschnittene, verholzte Steckhölzer wurzeln ebenfalls, brauchen aber länger. Absenker gelingen fast immer, weil bodennahe Zweige von selbst Wurzeln bilden. Schnittgut mit Früchten gehört weder auf den Kompost noch in die Landschaft.
Wert für Tiere
Der ökologische Wert des Kirschlorbeers ist gering und steht in keinem Verhältnis zu seiner Verbreitung. Die Blüten sind offen gebaut und Insekten aller Rüssellängen zugänglich, Nektar- und Pollenwert werden aber nur mit zwei bewertet, und der tatsächliche Beflug bleibt verhalten und artenarm. An den Blattunterseiten sitzen extraflorale Nektarien, die außerhalb der Blütezeit räuberische Ameisen anlocken; Honig- und Wildbienen nutzen sie als Nektardiebe, ohne zu bestäuben. Als Raupenfutterpflanze heimischer Schmetterlinge fällt die Art praktisch aus. Wirksam ist allein die Vogelbeziehung, und gerade sie ist das Problem: Amseln, Drosseln, Stare, Eichelhäher und Tauben fressen die schwarzen Steinfrüchte und tragen die Kerne weit in Wälder hinein; auch Wildschweine, Rehe, Füchse und Nager beteiligen sich daran.
Besonderheiten
Besonderheiten: dürre+(meeres)wind+sehr schnittverträglich; Sorte 'Camelliifolia' trägt große Mengen an kirschgroßen guten Früchten; Viele niedrig-bis bodenwüchsige Sorten; An jungen Blättern sind extraflorale Nektarien, die für Bienen, Ameisen,.. zusätlich Nektar anbieten; Blüht oft zweimal im Jahr: Frühjahr & Hochsommer; Samt sich schnell aus;
Herkunft & Lebensraum
Schwarzmeerraum und Kleinasien. Das natürliche Areal reicht von Bulgarien und der europäischen Türkei über die Schwarzmeerküste und den Kaukasus bis nach Georgien, Aserbaidschan und in den Norden des Iran; Angaben aus Albanien, Libyen und Tadschikistan gelten als zweifelhaft, die rumänischen Vorkommen als umstritten. Clusius erhielt die Pflanze 1576 aus Konstantinopel nach Wien, ab 1889 brachten Berliner Baumschulen winterharte Sorten wie 'Schipkaensis' und 'Zabeliana' in den Handel; seit den 1990er Jahren ist der Kirschlorbeer das meistverkaufte Sichtschutzgehölz Mitteleuropas. Aus Gärten verwildert er über Vogelverbreitung — Bestände sind aus dem Tessin, Norditalien, der Schweiz und selbst aus dem Umland von Hamburg und Berlin belegt. Die Schweiz verbietet seit September 2024 Verkauf, Vermehrung und Neupflanzung, in Deutschland steht die Art auf der Grauen Liste.
In seiner Heimat wächst der Kirschlorbeer im Unterwuchs der feuchten, wintermilden Laub- und Mischwälder des Schwarzmeerraums, oft unter Buchen, Fichten und Tannen der kolchischen Bergwälder, und reicht dort stellenweise über die geschlossene Waldgrenze hinaus. Ökologisch ist er eine subozeanische Schattenpflanze: Er verlangt frische, mäßig saure bis neutrale Böden im mäßig nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen Bereich, verträgt Kalk, aber kein Salz, und bleibt an die wärmere kolline Stufe gebunden. Diese Kombination aus tiefem Schatten, ganzjährig feuchter Luft und milden Wintern erklärt, warum er in Mitteleuropa gerade dort in Wälder eindringt, wo das Klima ozeanisch getönt ist.
⚠️ Gefahren
Stark giftig, giftig für Hunde, Katzen und Weidetiere Alle Teile der Lorbeerkirsche außer dem Fruchtfleisch enthalten cyanogene Glykoside; Samen und Blätter sind am stärksten belastet. Zerkaute Kerne und zerkleinerte Blätter setzen Blausäure frei, Vergiftungen äußern sich in Atemnot, Krämpfen und Bewusstlosigkeit. Kinder sind durch die attraktiv aussehenden schwarzen Früchte besonders gefährdet — das Fruchtfleisch ist verarbeitet verwendbar, der Kern nicht. Schnittgut ist für Hunde, Katzen und Weidetiere giftig und gehört weder in Reichweite von Tieren noch auf den Kompost.
Häufige Fragen
Kirschlorbeer: Wie groß wird die Pflanze?
Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) wächst als Strauch und erreicht ausgewachsen etwa 6,5 m Höhe bei rund 10 m Breite. Das Wachstum ist schnell.
Kirschlorbeer: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Kirschlorbeer verträgt Vollschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm, Ton. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – sehr nass liegen. Der pH-Wert darf zwischen 5,5 und 8 liegen.
Kirschlorbeer: Ist die Pflanze winterhart?
Kirschlorbeer ist für die Winterhärte Zone 6–8 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Kirschlorbeer: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Kirschlorbeer ist bis Zone 6 winterhart. Das reicht für fast alle Lagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; nur in rauen Höhenlagen (Alpen, Mittelgebirgskämme) ist Winterschutz sinnvoll.
Kirschlorbeer: Wann ist die Blütezeit?
Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Mai.
Kirschlorbeer: Wann kann man ernten?
Die Früchte reifen in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im September.
Kirschlorbeer: Ist die Pflanze giftig?
Für Kirschlorbeer sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Kirschlorbeer: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 4/10, Heilkunde 4/10, Sonstige Nutzung 8/10.
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