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Speierling

Sorbus domestica
Essbarkeit7Sonstiger Nutzen3
Baum15×10 mZone 6–10leichter Schatten🍎 Essbar

Wächst das bei mir?

Speierling ist bis Zone 6 winterhart. Das reicht für fast alle Lagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; nur in rauen Höhenlagen (Alpen, Mittelgebirgskämme) ist Winterschutz sinnvoll. Zusätzlich braucht sie warme Sommer, wie sie hierzulande nur im Weinbauklima, in Stadtlagen oder an geschützten Südwänden zusammenkommen.

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Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Rosaceae
Wuchsform
Baum
Wuchshöhe
15 m
Kronenbreite
10 m
Wachstum
mittel
Lebensdauer
100 Jahre
Erster Ertrag
nach 8 Jahren
Winterhärte
Zone 6–10
Schattentoleranz
leichter Schatten
Boden
Sand, Schluff, Lehm
Bodenfeuchte
trocken – feucht
pH-Wert
6 – 8

Blüte & Ernte

J F M A M J J A S O N D
Blüte

Zeiten gelten für die Nordhalbkugel in gemäßigtem Klima und verschieben sich mit Höhenlage und Sorte.

Nutzung

Essbar7 von 10
Sonstige Nutzung3 von 10

Essbar: Unreif und hartreif sind die apfel- bis birnenförmigen Früchte wegen ihres hohen Phenolgehalts roh nicht genießbar. Erst wenn sie nach dem Pflücken am kühlen Ort teigig überreifen, werden sie herb-säuerlich-süß und schmecken frisch. Verarbeitet werden sie zu Mus und Marmelade, meist gemischt mit Äpfeln, Birnen oder Quitten, getrocknet, süßsauer eingelegt oder zu einem unverkennbaren Obstbrand gebrannt. Die bekannteste Verwendung ist der Zusatz zum Apfelwein: Zwei bis vier Hände voll hartreifer Früchte auf 100 Kilogramm Kernobst oder vier bis fünf Liter Speierlingssaft auf 100 Liter säurearmen Most genügen, damit die Tannine den Wein klären, haltbar machen und ihm die typische Herbe geben. Belegt sind bis 40 Milligramm Vitamin C je 100 Gramm, rund 12 Prozent Zucker und ein hoher Pektinanteil.

Sonstige Nutzung: Das Holz des Speierlings ist mit einer Darrdichte von 0,88 Gramm je Kubikzentimeter das schwerste europäische Laubholz: feinfaserig, hart, zäh und elastisch, mit sandfarbenem Splint und oft bräunlich abgesetztem Kern. Es ist schwierig zu verarbeiten, dafür ausgesprochen dauerhaft und erzielt bis heute hohe Preise. Früher fertigte man daraus Druckspindeln für Obstpressen und Radnaben; heute geht es vor allem in Furniere, die unter dem Handelsnamen Schweizer Birnbaum laufen, außerdem in Musikinstrumente wie Dudelsäcke und Gitarren sowie in Drechsel-, Schnitz- und Bildhauerarbeiten. Die tanninreiche Borke diente als Gerberlohe. Im Mittelalter war der Speierling wegen Holz und Frucht ein wichtiges Kulturgehölz; heute wird er nur noch regional und vorwiegend für die Frucht angebaut.

Anbau

Standortwahl: Der Speierling wird 15 bis 20 Meter hoch und breitkronig — Altbäume erreichen über 20 Meter Kronendurchmesser, damit ist er nur für wirklich große Gärten, Streuobstwiesen und die Feldflur ein Kandidat. Er braucht volle Sonne und Weinbauklima; im Schatten höherer Nachbarn bleibt er zurück. Wichtig für den Ertrag: Obwohl selbstfruchtbar, setzt er deutlich besser an, wenn weitere Speierlinge in der Umgebung stehen. Er ist Wirt für Apfelschorf und in warmen Lagen auch für Feuerbrand, deshalb Abstand zu Obstanlagen halten. Überreife Früchte fallen weich ab und hinterlassen Flecken, also nicht über Terrasse, Sitzplatz oder Pflasterweg pflanzen. Pflege: Schnitt ist nicht nötig und beschränkt sich auf vorsichtiges Auslichten; starke Eingriffe verträgt er schlecht. Jungbäume brauchen Verbissschutz gegen Rehe und Hasen sowie einen Wühlmauskorb, in trockenen Sommern Wassergaben, bis sie eingewurzelt sind. Blattläuse verunstalten Triebspitzen, im Jugendstadium tritt Schorf an Blättern und Früchten auf, ältere Bäume leiden gelegentlich an Rindenkrebs. Geerntet wird im September und Oktober: hartreif für den Mostzusatz, teigig-überreif für den Frischverzehr. Sämlinge tragen erst nach 8 bis 20 Jahren, veredelte Bäume früher; alte Exemplare bringen 100 Kilogramm und mehr.

Vermehrung

Der Speierling ist ein Frost- und Dunkelkeimer. Für die Nachzucht wäscht man die Samen aus vollreifen Früchten, lagert sie mehrere Monate nasskalt in Torf und steckt sie anschließend; bei 0 bis 4 Grad dauert die Keimung 10 bis 14 Wochen. Trocken und bei minus 21 Grad gelagert bleiben die Samen bis zu 15 Jahre keimfähig. Vegetativ gelingt die Vermehrung über Wurzelschnittlinge — in der freien Landschaft breitet sich der Baum ohnehin überwiegend durch Wurzelbrut aus. Veredelungen sind heikel; will man eine bestimmte Sorte oder den späten Fruchtansatz verkürzen, pfropft man auf Sämlinge der eigenen Art. Möglich sind auch Okulationen auf zwei- bis dreijährige Birnensämlinge oder Weißdorn, die früher tragen, aber kurzlebiger bleiben.

Wert für Tiere

Die weißen Doldentrauben öffnen sich im Mai als Scheibenblumen mit halbverborgenem Nektar und sind damit auch kurzrüsseligen Besuchern zugänglich: Schwebfliegen, Bienen und Falter bestäuben sie. NaturaDB verzeichnet 37 Wildbienenarten an Nektar oder Pollen, keine davon spezialisiert, dazu fünf Schmetterlingsarten, deren Raupen an den Blättern fressen, und eine Käferart. Die Samenbildung erfolgt allerdings meist ohne Bestäubung, der Blütenbesuch zählt also mehr für die Insekten als für den Baum. Im Herbst ist der Speierling Vogelnähr- und Vogelschutzgehölz: Die apfelförmigen Früchte werden von Vögeln und Säugetieren gefressen und die Samen wieder ausgeschieden — so verbreitet er sich. Alte, grobborkige Solitärbäume bieten zusätzlich Spalten- und Höhlenstruktur.

Besonderheiten

Besonderheiten: Im Mittelalter wichtiges Kulturgehölz, dann fast vergessen; Name von "speien" → die gerbstoffreiche Frucht war Hausmittel gegen Durchfall+Ruhr; gibt dem Frankfurter Apfelwein "Speierling" Namen+Herbe; der "Dicke von Ockstadt" gilt als größter Baum Deutschlands, der zweitdickste steht in Gießhübl bei Wien; in Österreich Baum des Jahres 2008; Altbäume bis 150 Jahre+1.000kg Frucht;

Herkunft & Lebensraum

Submediterran: Süd- und Südosteuropa, Kleinasien und Nordwestafrika. Belegt ist der Speierling von Marokko und Algerien über Spanien, Korsika, Italien, Sizilien und Sardinien bis Griechenland, Zypern und die Türkei, dazu auf dem Balkan, in Transkaukasien und auf der Krim. Die Nordgrenze seines Areals verläuft durch Frankreich, Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Österreich. In Deutschland liegt der Schwerpunkt im Südwesten — Rhein-, Neckar- und Nahetal, Taunus, Unterfranken, nördliches Baden-Württemberg, zentrale Pfalz und Mosel; nach Norden hin wird er sehr selten. Eine Bundeserhebung ermittelte zwischen 2010 und 2013 rund 2.500 Wildexemplare in deutschen Wäldern, von denen die Hälfte in Baden-Württemberg und Bayern steht. In Österreich leben etwa 500 ausgewachsene Bäume, vor allem in Niederösterreich, Wien und im Burgenland.

Der Speierling ist ein Baum des sommerwarmen, trockenen Laubwaldes und in Mitteleuropa fast überall an das Weinbauklima gebunden. Pflanzensoziologisch gehört er zu den Flaumeichenwäldern der Ordnung Quercetalia pubescentis und tritt zudem in wärmegetönten Eichen-Hainbuchenwäldern auf. Er wächst einzeln oder in kleinen Gruppen, nie bestandsbildend, und verlangt trockene bis mäßig frische, kalkhaltige Lehmböden; Staunässe und dauerhafte Bodenfeuchte meidet er. Die Zeigerwerte nach Landolt führen ihn als halbschattig, basenliebend und wärmeliebend, im Bestand ist er tatsächlich aber stark lichtbedürftig und unterliegt höherwüchsigen Nachbarn. Genau das erklärt seinen Rückgang: Er war ein Baum des Mittelwaldes, und mit dem Übergang zum geschlossenen Hochwald verschwand sein Platz. Heute steht er häufiger in Feldflur, Streuobst und am Dorfrand als im Wirtschaftswald.

Häufige Fragen

Speierling: Wie groß wird die Pflanze?

Speierling (Sorbus domestica) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 15 m Höhe bei rund 10 m Breite. Das Wachstum ist mittel.

Speierling: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Speierling verträgt leichter Schatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8 liegen.

Speierling: Ist die Pflanze winterhart?

Speierling ist für die Winterhärte Zone 6–10 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Speierling: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Speierling ist bis Zone 6 winterhart. Das reicht für fast alle Lagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz; nur in rauen Höhenlagen (Alpen, Mittelgebirgskämme) ist Winterschutz sinnvoll. Zusätzlich braucht sie warme Sommer, wie sie hierzulande nur im Weinbauklima, in Stadtlagen oder an geschützten Südwänden zusammenkommen.

Speierling: Wann ist die Blütezeit?

Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Mai.

Speierling: Ist die Pflanze giftig?

Für Speierling ist keine Giftigkeit vermerkt. Verlass dich bei Wildpflanzen trotzdem nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Speierling: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 7/10, Sonstige Nutzung 3/10.

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