Mirabelle
Wächst das bei mir?
Mirabelle ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
Oder gleich hier für deinen Standort prüfen:
Steckbrief
- Familie
- Rosaceae
- Wuchsform
- Baum
- Wuchshöhe
- 10 m
- Kronenbreite
- 6 m
- Wachstum
- mittel
- Lebensdauer
- 50 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 4 Jahren
- Winterhärte
- Zone 5–9
- Schattentoleranz
- leichter Schatten
- Boden
- Sand, Schluff
- Bodenfeuchte
- trocken – sehr feucht
- pH-Wert
- 6,5 – 8
Sorten (1)
1 Sorten von Mirabelle sind im Permaplans-Sortenfinder hinterlegt — jede mit eigener Seite: Geschmack, Reifezeit, Resistenzen, Abstammung und Verwendung.
Nutzung
Essbar: Die Mirabelle ist die süßeste der heimischen Pflaumen: klein, kugelig, wachsgelb, oft rot punktiert, zwei bis drei Zentimeter dick, mit hohem Zuckergehalt und wenig Säure. Das Fruchtfleisch löst sich leicht vom Stein, was sie für die Küche unschlagbar macht — Entsteinen geht im Vorbeigehen. Frisch vom Baum ist sie eine Sache von Tagen, danach wird sie mehlig; deshalb geht der größte Teil der Ernte in die Verarbeitung: Tarte und Kuchen, Konfitüre mit ihrem typischen Gelbton, Kompott, Chutney und vor allem Brand. Das lothringische Mirabellenwasser ist der bekannteste Verwendungszweck überhaupt. Getrocknet ergibt sie ein festes, honigartiges Dörrobst. Die Kerne enthalten wie bei allen Steinobstarten Amygdalin und werden nicht mitverarbeitet.
Sonstige Nutzung: Über die Frucht hinaus ist die Mirabelle vor allem als Baum nützlich. In der Streuobstwiese füllt sie die Lücke zwischen der frühen Blüte von Schlehe und Kirsche und der späten von Apfel und Birne, ist mit fünf bis sechs Metern Kronendurchmesser aber deutlich kleiner als ein Apfelhochstamm und passt damit auch in mittlere Gärten. Ihr Holz ist hart, feinjährig und rötlich getönt; in kleinen Mengen wird es gedrechselt, in größeren als Räucherholz und Brennholz verwendet. Die reichlich gebildete Wurzelbrut lässt sich zur Unterlagengewinnung abstechen oder stehen lassen, um Lücken in einer Feldhecke zu schließen. Als Hausbaum hat sie den praktischen Vorzug, dass die Ernte über zwei bis drei Wochen gestaffelt reift statt an einem Wochenende.
Anbau
Standortwahl: Die Blüte kommt im April und ist spätfrostgefährdet — Senken und Kaltluftstaulagen kosten regelmäßig die ganze Ernte, eine leicht erhöhte, luftige Lage ist das Wichtigste bei der Standortwahl. Halte Abstand zu vorhandenen Pflaumen- und Zwetschgenbeständen, wenn dort Scharka aufgetreten ist: Das Virus wird von Blattläusen übertragen und ist nicht behandelbar. Der Baum bildet reichlich Wurzelbrut, die im Rasen und in Beeten zur Dauerarbeit wird; an einem Heckenrand oder im Wiesenstück stört sie nicht. Reife Früchte fallen ab und ziehen Wespen an — über Terrasse, Sitzplatz und Wegen ist das eine schlechte Idee, dort wo barfuß gelaufen wird ebenfalls. Platz einplanen: Halbstamm fünf bis sechs Meter, Busch drei bis vier. Pflege: Geschnitten wird nach der Ernte im Spätsommer, nicht im Winter — offene Schnittwunden an Steinobst sind im kalten, feuchten Halbjahr Eintrittspforten für Monilia und Gummifluss. Die Krone bleibt dabei licht und luftig, das ist die wirksamste Vorbeugung gegen Fruchtfäule. Zeigen sich im Frühjahr plötzlich welke Triebspitzen mit vertrockneten Blüten, ist das die Monilia-Spitzendürre: betroffene Triebe weit ins gesunde Holz zurückschneiden und entfernen, Fruchtmumien vom Baum nehmen und nicht liegen lassen. Stickstoff sparsam geben, zu viel treibt weiches Holz und lockt Blattläuse. Jungbäume brauchen Pfahl, Wühlmauskorb und Verbissschutz gegen Hasen und Rehe. Bei Überbehang ausdünnen, sonst brechen Äste und der Baum fällt in Alternanz. Gegen den Pflaumenwickler helfen Fallobstentfernung und Pheromonfallen.
Vermehrung
Aus Kernen gezogene Mirabellen sind nicht sortenecht — sie liefern brauchbare, aber unberechenbare Sämlinge und dienen vor allem als Unterlage. Sortenechte Bäume entstehen durch Veredelung: Okulation mit schlafendem Auge im Juli und August oder Anplatten und Kopulation im Frühjahr, aufgesetzt auf St. Julien A für mittelstarken Wuchs, auf Wangenheims Zwetschge für schwächeren oder auf Pflaumensämlinge für starkwüchsige Hochstämme. Die Unterlage entscheidet über Endgröße, Standfestigkeit und Ertragsbeginn stärker als die Sorte. Ein dritter Weg ist die Wurzelbrut: Wurzelechte Bäume — also nicht veredelte, aus eigener Wurzel gewachsene — geben über ihre Ausläufer sortenechte Jungpflanzen ab, die im Winter mit einem Spatenstich abgetrennt und versetzt werden. Bei veredelten Bäumen stammt die Wurzelbrut dagegen von der Unterlage und trägt nicht die gewünschte Sorte.
Wert für Tiere
Die Mirabelle gehört mit der Pflaumenverwandtschaft zu den stärksten Insektengehölzen des Gartens. Ihre Blüte Anfang bis Mitte April fällt in die Zeit, in der Wildbienenweibchen ihre ersten Nester verproviantieren: Nektar und Pollen sind beide reichlich vorhanden, und an Prunus domestica sind sechsundvierzig Wildbienenarten nachgewiesen, dazu zwölf Schwebfliegen- und sieben Käferarten. Als Raupenfutter trägt sie fünfundsechzig Schmetterlingsarten, fünf davon spezialisiert. Einunddreißig Vogelarten nutzen den Baum, teils für das Fallobst, teils für die Insekten in Rinde und Krone; der dichte Kronenaufbau älterer Mirabellen wird regelmäßig zum Brüten angenommen, und Wurzelbrutdickichte am Heckenrand geben Bodendeckung. Das Fallobst ist im August und September eine wichtige Nahrungsquelle für Wespen, Hornissen, Schmetterlinge wie den Admiral und nachts für Igel und Siebenschläfer — ein guter Grund, einen Teil davon einfach liegen zu lassen.
Besonderheiten
Besonderheiten: meist selbstfruchtbar einzeln pflanzbar, Befruchtersorte steigert den Ertrag; Reife Ende Juli-September je Sorte gestaffelte Ernte über 2-3 Wochen; Fruchtfleisch löst sich vom Stein schnelles Entsteinen; neigt zu Überbehang+Alternanz ausdünnen; starke Wurzelbrut bei wurzelechten Bäumen sortenechte Vermehrung, bei veredelten Unterlagentriebe; Schnitt nur im Spätsommer (Monilia+Gummifluss); Hauptanbaugebiet Lothringen ~70% der Welternte;
Herkunft & Lebensraum
Kleinasien und Nordpersien als Ursprung, Lothringen als Zentrum. Die Mirabelle ist eine Unterart der Kulturpflaume und kam über den Mittelmeerraum nach Westeuropa, wo sie seit dem 15. Jahrhundert belegt ist. Ihr Schwerpunkt liegt bis heute in Lothringen: Rund 250.000 Mirabellenbäume stehen dort, und die Region bringt etwa siebzig Prozent der Welternte ein — die Mirabelle von Nancy und die Mirabelle von Metz sind von dort benannt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist sie über Streuobstwiesen, Hausgärten und Feldraine verbreitet, mit Schwerpunkten in den wärmeren Weinbaulagen von Rheinland-Pfalz, Baden und dem Burgenland. Als reine Kulturpflanze besitzt sie kein natürliches Areal.
Als Kulturform hat die Mirabelle keinen eigenen Naturstandort. Ihre Elternarten — Schlehe und Kirschpflaume — stammen aus Hecken, Waldsäumen und Gebüschen der wärmeren Tieflagen, und dort findet sich auch die Mirabelle: an Feldrainen, Böschungen und in alten Streuobstbeständen, wo sie über Wurzelbrut und Kernsämlinge verwildert und sich jahrzehntelang hält. Sie verlangt einen warmen, luftigen Standort mit tiefgründigem, nicht staunassem Boden und verträgt kalkhaltigen Untergrund gut. Entscheidend ist weniger die Winterhärte des Holzes, die reicht bis unter minus zwanzig Grad, als die Spätfrostgefahr zur Blütezeit im April — Senken, in denen sich Kaltluft sammelt, kosten regelmäßig die ganze Ernte.
⚠️ Gefahren
Giftige Kerne und Blätter, giftig für Hunde, Katzen und Pferde Wie bei allen Prunus-Arten enthalten Samen, Blätter und Rinde cyanogene Glykoside, die beim Zerkauen oder Zerkleinern Blausäure freisetzen. Einzelne versehentlich mitverschluckte, unversehrte Kerne sind unbedenklich, größere Mengen zerkauter Kerne dagegen nicht; von selbst hergestellten Kernauszügen ist abzuraten. Für Hunde, Katzen und Pferde gelten dieselben Pflanzenteile als giftig. Das Fruchtfleisch selbst ist unbedenklich. Der bei Verletzungen austretende Gummifluss ist ein Zeichen für einen falschen Schnittzeitpunkt, keine Gefahr.
Häufige Fragen
Mirabelle: Wie groß wird die Pflanze?
Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 10 m Höhe bei rund 6 m Breite. Das Wachstum ist mittel.
Mirabelle: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Mirabelle verträgt leichter Schatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6,5 und 8 liegen.
Mirabelle: Ist die Pflanze winterhart?
Mirabelle ist für die Winterhärte Zone 5–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Mirabelle: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Mirabelle ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
Mirabelle: Ist die Pflanze giftig?
Für Mirabelle sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Mirabelle: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 8/10, Heilkunde 3/10, Sonstige Nutzung 6/10.
Welche Sorten von Mirabelle gibt es?
Im Permaplans-Sortenfinder sind 1 Sorten von Mirabelle hinterlegt, darunter Mirabelle von Nancy. Jede Sorte hat eine eigene Seite mit Geschmack, Reifezeit, Resistenzen und Abstammung.
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