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Sommerlinde

Tilia platyphyllos
Essbarkeit4Heilwirkung3Sonstiger Nutzen7
Baum35×12 mZone 4–6Halbschatten

Wächst das bei mir?

Sommerlinde ist bis Zone 4 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien. Sie braucht echte Winterkälte und tut sich in den mildesten Lagen (Weinbauklima, Zone 8) schwerer.

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Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Malvaceae
Wuchsform
Baum
Wuchshöhe
35 m
Kronenbreite
12 m
Wachstum
mittel
Lebensdauer
500 Jahre
Erster Ertrag
nach 20 Jahren
Winterhärte
Zone 4–6
Schattentoleranz
Halbschatten
Boden
Sand, Schluff, Lehm
Bodenfeuchte
halbfeucht – sehr feucht
pH-Wert
6 – 8

Nutzung

Essbar4 von 10
Heilkunde3 von 10
Sonstige Nutzung7 von 10

Essbar: Die jungen, weichen Blätter der Sommerlinde sind vom Austrieb bis etwa Ende Mai roh essbar. Sie schmecken mild, leicht süßlich und etwas schleimig und eignen sich als Salatgrundlage, als Brotbelag oder als bindende Einlage in Suppen; mit zunehmendem Alter werden sie zäh und gerbstoffreich. Ungewöhnlich ist die schiere Menge: Eine einzige alte Linde liefert im Frühjahr mehr Blattgemüse als ein ganzes Gemüsebeet, weshalb sie in der Waldgartenbewegung als Blattbaum geschätzt wird. Die im Juni erscheinenden Blüten werden samt dem flügelartigen Vorblatt getrocknet und zu Tee, Sirup oder Limonade verarbeitet; sie duften stark und schmecken honigartig. Geerntet wird bei trockenem Wetter kurz nach dem Aufblühen, später verlieren sie Duft und Wirkung.

Sonstige Nutzung: Lindenholz ist das klassische Schnitzholz Mitteleuropas: gleichmäßig weich, feinfaserig, hell und nahezu richtungslos, so dass es sich in jede Richtung sauber schneiden lässt und kaum reißt. Die großen Altarwerke der Spätgotik von Tilman Riemenschneider und Veit Stoß sind daraus gearbeitet, ebenso Blindholz für Möbel und Modelle für den Metallguss. Die Innenrinde liefert Bast, der gewässert und in Streifen gelöst zu Seilen, Matten, Körben und Bindematerial verarbeitet wurde; bis ins 19. Jahrhundert war das ein eigener Erwerbszweig. Aus dünnen Zweigen entsteht Zeichenkohle. Imkerlich zählt die Sommerlinde zu den ergiebigsten Baumtrachten überhaupt, ein einzelner Altbaum kann rund 0,8 Kilogramm Honig hergeben.

Anbau

Standortwahl: Die Sommerlinde wird 30 bis 35 Meter hoch und ebenso ausladend, sie ist ein Baum für Hofplätze, Wiesen und Alleen, nicht für den kleinen Hausgarten. Entscheidend ist der Abstand nach unten: Im Juni und Juli saugen Lindenblattläuse an den Blättern und lassen Honigtau regnen, der Autos, Terrassenmöbel, Pflaster und Wäsche klebrig überzieht und anschließend von Rußtaupilzen geschwärzt wird. Darunter sollte nichts stehen, was sauber bleiben muss. Spätfröste schädigen den frühen Austrieb, eine Frostmulde ohne Kaltluftabfluss ist ungünstig. Dafür ist die Blüte eine der besten Bienenweiden Mitteleuropas und macht den Baum im Juni zum Mittelpunkt des Gartens. Pflege: In den ersten Jahren verankern und bei Trockenheit durchdringend wässern; der Wurzelraum verträgt keine dauerhafte Verdichtung durch Befahren oder Aufschüttung. Die Linde ist wie kaum ein zweiter Baum schnittverträglich und treibt auch aus starkem Altholz wieder aus, darauf beruhen Tanz- und Apostellinden ebenso wie die norddeutschen Haus-Spaliere. Wer zurücknehmen will, tut es im Spätwinter und konsequent statt scheibchenweise, sonst entstehen dichte Besenkronen. Wurzelbrut am Stammfuß regelmäßig entfernen, sonst verbuscht der Stammraum. Alte Linden werden hohl, bilden Innenwurzeln und verjüngen sich damit selbst; Totholz über Wegen und Sitzplätzen trotzdem kontrollieren.

Vermehrung

Lindensamen sind hartnäckig keimhemmend: Die Nüsschen haben eine harte, wasserundurchlässige Schale und einen tief ruhenden Embryo, so dass sie in der Natur oft erst im zweiten oder dritten Frühjahr auflaufen. Wer aussäen will, erntet die Früchte am besten grün vor der vollständigen Verholzung und bringt sie sofort in ein Freilandbeet; andernfalls braucht es eine warm-kalte Stratifikation über mehrere Monate. Einfacher und im Gartenbau üblich sind die vegetativen Wege: Absenker bewurzeln über ein bis zwei Jahre zuverlässig, Wurzelbrut und Stockausschlag lassen sich abstechen und weiterkultivieren. Ausleseformen wie 'Laciniata' oder 'Aurea' werden auf Sämlingsunterlagen veredelt. Steckhölzer gelingen nur unter Nebel und mit Bewurzelungshilfe.

Wert für Tiere

Die Sommerlinde blüht im Juni und ist damit die früheste heimische Lindenart. Sie füllt genau die Lücke zwischen Frühjahrs- und Sommertracht, was sie imkerlich so wertvoll macht. Der Nektarwert gilt als höchstmöglich: Eine einzelne Blüte gibt bis zu 7,7 Milligramm Zucker am Tag ab. Der Pollenwert ist dagegen gering, und spezialisiert ist nur eine Wildbienenart. Ihren größten Beitrag leistet die Linde als Raupenfutter: Rund 71 Schmetterlingsraupen fressen an ihr, elf davon ausschließlich an Tilia; hinzu kommen fünf Käferarten. Der Linden-Blütenspanner entwickelt sich sogar in den Blüten selbst und frisst Stempel, Staubgefäße und Blütenblätter. Alte Linden werden hohl und tragen dann Kleiber, Tannenmeise, Buntspecht, Eichelhäher und Buchfink: Der Strukturwert eines Altbaums übersteigt den eines jungen bei weitem.

Besonderheiten

Besonderheiten: Dorf-, Tanz- und Gerichtslinde → Mittelpunkt von Thing, Fest und Rechtsprechung; Baum der Freyja, Göttin der Liebe; herzförmiges Blatt als Liebessymbol; "lind" für mild+sanft leitet sich von ihr ab; Apostellinden mit waagerecht gezogenen Ästen; wird bis 1000 Jahre alt; Baum des Jahres 1991, Heilpflanze des Jahres 2025.

Herkunft & Lebensraum

Mittel- und Südeuropa. Die Sommerlinde reicht von Nordspanien und Mittelitalien über Frankreich, Deutschland und den Alpenraum bis zur Ukraine und zum Balkan; in Nordeuropa und im westlichen Tiefland fehlt sie weitgehend. Wilde Vorkommen sind selten und meist auf Hanglagen der Mittelgebirge und der Kalkalpen beschränkt. Ihr Bestand geht seit rund zweitausend Jahren zurück, seit Rodung, Waldweide und die Förderung der Buche sie aus den Wäldern gedrängt haben. In den Nordalpen steigt sie meist bis 1000 Meter, in den Südalpen höher, in den Allgäuer Alpen bis 1450 Meter. Als Dorf-, Park- und Alleebaum ist sie weit über ihr natürliches Areal hinaus gepflanzt und dadurch viel häufiger, als die Waldstatistik vermuten lässt.

Die Sommerlinde ist ein Baum der Hangschutt- und Schluchtwälder und Charakterart des Verbands Tilio-Acerion. Sie besiedelt steile, blockige Hänge mit sickerfrischen, basenreichen und gut durchlüfteten Böden, häufig über Kalk oder Basalt, gemeinsam mit Bergahorn, Bergulme und Esche. Solche Lagen sind für die Buche zu steil und zu bewegt, und genau dort hält sich die Linde gegen deren Konkurrenz. Die Zeigerwerte weisen sie als Art mäßig feuchter, schattiger, neutral bis basischer und mäßig nährstoffreicher Standorte der kollinen bis submontanen Stufe aus. Gegen Spätfrost ist sie empfindlich, gegen sommerliche Trockenheit und Bodenverdichtung robuster als die Winterlinde.

Häufige Fragen

Sommerlinde: Wie groß wird die Pflanze?

Sommerlinde (Tilia platyphyllos) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 35 m Höhe bei rund 12 m Breite. Das Wachstum ist mittel.

Sommerlinde: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Sommerlinde verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich halbfeucht – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8 liegen.

Sommerlinde: Ist die Pflanze winterhart?

Sommerlinde ist für die Winterhärte Zone 4–6 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Sommerlinde: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Sommerlinde ist bis Zone 4 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien. Sie braucht echte Winterkälte und tut sich in den mildesten Lagen (Weinbauklima, Zone 8) schwerer.

Sommerlinde: Ist die Pflanze giftig?

Für Sommerlinde ist keine Giftigkeit vermerkt. Verlass dich bei Wildpflanzen trotzdem nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Sommerlinde: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 4/10, Heilkunde 3/10, Sonstige Nutzung 7/10.

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