Winterlinde
Wächst das bei mir?
Winterlinde ist bis Zone 3 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
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Steckbrief
- Familie
- Malvaceae
- Wuchsform
- Baum
- Wuchshöhe
- 31,5 m
- Kronenbreite
- 12 m
- Wachstum
- mittel
- Lebensdauer
- 900 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 15 Jahren
- Winterhärte
- Zone 3–8
- Schattentoleranz
- Halbschatten
- Boden
- Sand, Schluff, Lehm
- Bodenfeuchte
- halbfeucht – sehr feucht
- pH-Wert
- 5,5 – 7,5
- Synonyme
- Linde
Blüte & Ernte
| J | F | M | A | M | J | J | A | S | O | N | D | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Blüte | ||||||||||||
| Fruchternte | ||||||||||||
| Blatternte |
Nutzung
Essbar: Junge Blätter - roh. Sie eignen sich hervorragend als Füllung für Salate oder Sandwiches, schmecken mild und sind etwas schleimig. Die Blätter können vom Frühling bis zum frühen Herbst von den jungen Trieben an der Basis des Baumes bezogen werden. Ein sehr akzeptabler Schokoladenersatz kann aus einer Paste aus gemahlenen Blüten und unreifen Früchten hergestellt werden. Versuche zur Vermarktung des Produkts schlugen fehl, da sich die Paste sehr leicht zersetzt. Aus den Blüten wird ein beliebter Kräutertee hergestellt, der einen süßen, duftenden, angenehmen Geschmack hat. Etwas Vorsicht ist geboten, siehe die Hinweise oben zur Toxizität. Saft – im Frühling geerntet, ist er süß und kann als Getränk verwendet oder zu einem Sirup konzentriert werden.
Heilkunde: Lindenblüten sind ein beliebtes Hausmittel gegen eine Reihe von Beschwerden, insbesondere bei der Behandlung von Erkältungen und anderen Beschwerden, bei denen Schwitzen wünschenswert ist. Ein Tee aus frischen oder getrockneten Blüten wirkt krampflösend, schweißtreibend, schleimlösend, blutdrucksenkend, abführend und beruhigend. Lindenblütentee wird auch innerlich bei der Behandlung von Verdauungsstörungen, Bluthochdruck, Arterienverkalkung, Hysterie, nervösem Erbrechen oder Herzklopfen verwendet. Die Blüten werden kommerziell geerntet und oft in Reformhäusern verkauft. Lindenblüten sollen mit zunehmendem Alter narkotische Eigenschaften entwickeln und sollten daher nur frisch geöffnet geerntet werden. Eine aus dem Holz hergestellte Holzkohle wird zur Behandlung von Magen- oder Verdauungsstörungen verwendet und wird auch zu einem Pulver verarbeitet, das dann auf Verbrennungen oder wunde Stellen aufgetragen wird.
Sonstige Nutzung: Eine Faser aus der inneren Rinde wird zur Herstellung von Matten, Schuhen, Körben, Seilen und Stoffen verwendet. Sie wird aus Stämmen mit einem Durchmesser von 15 - 30 cm geerntet. Die Faser kann auch zur Papierherstellung genutzt werden. Die Stängel werden im Frühling oder Sommer geerntet, die Blätter entfernt und die Stängel gedämpft, bis die Fasern abgestreift werden können. Die äußere Rinde wird durch Schälen oder Schaben von der inneren Rinde entfernt. Die Fasern werden 2 Stunden mit Lauge gekocht und anschließend in einer Kugelmühle gemahlen. Das Papier ist beige. Das Holz ist weich, weiß und leicht zu schnitzen. Es eignet sich gut zum Schnitzen von Haushaltsgegenständen und kleinen, nicht haltbaren Gegenständen. Für das Zeichnen wird Holzkohle verwendet.
Anbau
Die Winterlinde hat mittlere bis hohe Ansprüche an Nährstoff- und Basengehalt des Bodens. Sie gedeiht auf mittel- bis tiefgründigen, lockeren, mineralkräftigen Böden, auf besseren Lösslehmen mit Kalk im Unterboden, auf Geschiebemergel und wechselfeuchten Tonmergeln; mäßige Stau- und Grundfeuchte erträgt sie besser als die Buche. Ungeeignet sind basenarme Sande und Silikatgesteinsböden, kalkarme Staunässeböden und ausgeprägte Nassstandorte. Sonne wie Halbschatten passen ihr, ausgewachsene Bäume werfen selbst dichten Schatten. Rückschnitt erträgt sie außergewöhnlich gut, treibt willig aus dem Stock und aus schlafenden Augen aus und lässt sich deshalb als Kopfbaum, Hecke oder im Mittelwald führen — die Grundlage der historischen Tanz- und Dorflinden. Junge Bäume verpflanzen sich problemlos.
Vermehrung
Ein erheblicher Teil der Nüsschen ist taub — vor der Aussaat lohnt es, einige aufzuschneiden und zu prüfen, ob überhaupt ein Same darin steckt. Die Winterlinde hat eine tiefe, doppelte Keimruhe: Frisch geerntete, noch nicht ausgehärtete Samen keimen bei sofortiger Spätsommeraussaat im folgenden Frühjahr; ausgereifte Samen brauchen erst eine mehrwöchige Warmphase und anschließend drei bis fünf Monate kaltfeuchte Stratifikation, und selbst dann liegen sie oft ein zweites Jahr. Deutlich verlässlicher ist die vegetative Vermehrung: Abgesenkte Triebe bewurzeln in ein bis zwei Jahren, Stockausschlag lässt sich mit Wurzeln abnehmen, und Sorten werden im Winter auf Sämlingsunterlagen veredelt.
Wert für Tiere
Die Winterlinde blüht spät, im Juni und Juli, und schließt damit die Trachtlücke des Hochsommers. Ein einzelner Altbaum trägt bis zu 60.000 Blüten, deren Nektar mit 30 bis 74 Prozent Zuckergehalt außergewöhnlich konzentriert ist. Ausgeschieden wird er vor allem abends und nachts, weshalb neben Honigbienen und Hummeln auch Nachtfalter regelmäßig anfliegen; Pollen liefert die Linde dagegen nur wenig. Ihr größerer Wert liegt im Laub: Rund 75 Schmetterlingsarten fressen daran, elf davon ausschließlich an Linden, dazu kommen etwa fünf gehölzgebundene Käferarten. Alte Linden werden höhlenreich und beherbergen dann Bruten von Meisen, Kleiber und Buntspecht, während Kernbeißer und Buchfink die Nüsschen nutzen. Der früher kursierende Verdacht, Lindennektar sei für Hummeln giftig, gilt als widerlegt.
Besonderheiten
Besonderheiten: favorisiert einen ähnich feuchten, schattigen Standort wie Buchen; Zentrum der Geselligkeit, Baum des Volkes; berühmt für Bast: [M.Mai Rinde abschälen→in 10cm breite Streifen→in kaltes Wasser→bis sich reiner Bast ablöst→ Sonnen-Trockenen] Erträge bis 2,5 kg Honig + 45kg Bast je Baum; <1% am deutschen Wald; 1500KWh/rm; 4,2KWh/kg
Herkunft & Lebensraum
Europa und Westsibirien. Die Winterlinde besiedelt den größten Teil West-, Mittel- und Osteuropas; sie fehlt in Spanien und im südlichen Skandinavien und reicht ostwärts über Krim und Kaukasus bis nach Westsibirien. Ihr ökologisches Optimum liegt im Baltikum. In Deutschland gibt es Schwerpunkte an der norddeutschen Berglandschwelle, im Niederrheingebiet westlich von Köln sowie im Vogelsberg und Westerwald. Sie ist ein Baum der Ebenen und unteren Berglagen, steigt aber im Bayerischen Wald bis 600 und in den Alpen bis 1300 Meter. In Gebieten mit harten Wintern und warmtrockenen Sommern gewinnt sie an Bedeutung, weil dort der Konkurrenzdruck der Buche nachlässt.
Die Winterlinde ist in Mitteleuropa zerstreut in sommerwarmen Eichen-Hainbuchenwäldern auf frischen, meist tiefgründigen Böden zu finden, besonders häufig im Galio-Carpinetum; daneben tritt sie in Schlucht- und Hangschuttwäldern, in bodensauren Eichenwäldern und in Auenwäldern auf. Sie ist deutlich schattenverträglich und gilt nach den Zeigerwerten von Landolt als Art nährstoffärmerer, frischer Standorte schwach saurer bis neutraler Reaktion in subkontinental getöntem Klima. In den Nordalpen steigt sie bis 1360 m, in den Zentralalpen bis 1500 m, im Kaukasusraum wächst sie zwischen 1400 und 2000 m. Reinbestände bildet sie selten, prägt aber als Mischbaumart ganze Wälder; historisch wurde sie im Nieder- und Mittelwald bewirtschaftet.
⚠️ Gefahren
Wenn die für die Teeherstellung verwendeten Blumen zu alt sind, können sie Symptome einer betäubenden Intoxikation hervorrufen. Es ist wichtig, frische Blumen zu verwenden, um die Qualität des Tees zu gewährleisten.
Häufige Fragen
Winterlinde: Wie groß wird die Pflanze?
Winterlinde (Tilia cordata) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 31,5 m Höhe bei rund 12 m Breite. Das Wachstum ist mittel.
Winterlinde: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Winterlinde verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich halbfeucht – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 5,5 und 7,5 liegen.
Winterlinde: Ist die Pflanze winterhart?
Winterlinde ist für die Winterhärte Zone 3–8 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Winterlinde: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Winterlinde ist bis Zone 3 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
Winterlinde: Wann ist die Blütezeit?
Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Juli.
Winterlinde: Wann kann man ernten?
Die Früchte reifen in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im November.
Winterlinde: Ist die Pflanze giftig?
Für Winterlinde sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Winterlinde: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 6/10, Heilkunde 8/10, Sonstige Nutzung 8/10.
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