Zitronenmelisse
Wächst das bei mir?
Zitronenmelisse ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
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Steckbrief
- Familie
- Lamiaceae
- Wuchsform
- Staude
- Wuchshöhe
- 0,6 m
- Kronenbreite
- 0,1 m
- Wachstum
- mittel
- Lebensdauer
- 8 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 1 Jahr
- Winterhärte
- Zone 5–9
- Schattentoleranz
- Halbschatten
- Boden
- Lehm
- Bodenfeuchte
- halbfeucht – sehr feucht
- pH-Wert
- 5,5 – 7,5
Nutzung
Essbar: Melissenblätter schmecken am besten frisch — beim Trocknen verflüchtigt sich ein großer Teil des Citrals, und der zitronige Ton weicht einem heuartigen. Am aromatischsten sind sie kurz vor der Blüte; danach lässt das ätherische Öl nach und die Blätter werden zäher. Frisch gehackt kommen sie an Salate, Saucen, Quark und Kompott sowie an Obstdesserts und Fruchtsalate, wo sie die Säure abrunden, ohne sie zu überdecken. In kalte Getränke, Bowlen und Limonaden gibt man ganze Triebe. Als Tee gehört Melisse zu den verbreitetsten Hausmischungen überhaupt. Extrakte aus den Blättern gehen in Kräuterliköre, und auch ein Melissenwein lässt sich ansetzen. Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Pflanze ist mit 253 mg je 100 g bemerkenswert hoch.
Heilkunde: Als Droge werden die Blätter verwendet (Melissae folium). Die traditionelle Anwendung richtet sich auf die Unterstützung der Magenfunktion und auf nervliche Belastung: Teeaufgüsse sowie Flüssig- und Trockenextrakte gelten als beruhigend und krampflösend und werden bei Einschlafstörungen und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt, häufig in Mischungen mit anderen beruhigenden Drogen. Bäder werden bei Hautentzündungen und zur Entspannung verwendet. Wegen des Gehalts an Phenolcarbonsäure-Derivaten, vor allem Rosmarinsäure, haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung; sie wird in Salben zur Behandlung von Herpes simplex genutzt. Volksheilkundlich überliefert, ohne Wirknachweis, ist außerdem die Anwendung bei Erkältungskrankheiten und Kreislaufschwäche. Als sogenannte Klostermelisse gehört die Pflanze zu den über zehn terpenhaltigen Ausgangsdrogen des Klosterfrau Melissengeists.
Sonstige Nutzung: Aus dem Kraut wird Melissenöl destilliert, das wegen des hohen Citralgehalts intensiv zitronig duftet. Weil der Ölgehalt der Pflanze mit 0,05 bis 0,3 Prozent sehr niedrig ist — selbst Zuchtsorten kommen nur auf 0,8 Prozent — braucht es riesige Mengen Kraut für wenig Öl, und der Preis liegt entsprechend bei rund 6000 Euro je Kilogramm. Als „Melissenöl“ verkaufte Handelsware ist deshalb meist Citronell- oder Zitronengrasöl. Als sogenannte Klostermelisse gehört die Pflanze außerdem zu den über zehn terpenhaltigen Ausgangsdrogen des Klosterfrau Melissengeists. Im Garten ist ihr praktischster Nebennutzen die Duftwirkung: An Wegkanten und Sitzplätzen gibt sie bei jeder Berührung Zitronenduft ab, und getrocknetes Kraut füllt Duftsäckchen.
Anbau
Standortwahl: Zitronenmelisse ist anspruchslos, verlangt aber Wärme und durchlässigen Boden; auf schwerer, nasser Erde faulen die Wurzelstöcke im Winter. Sonne und Halbschatten passen beide, im Halbschatten bleiben die Blätter weicher und milder. Entscheidend für die Planung ist das kriechende Rhizom: Die Pflanze wandert langsam in die Breite und sät sich zusätzlich reichlich selbst aus — im gepflegten Staudenbeet wird sie lästig, in der Kräuterspirale, unter Obstbäumen oder an einer Böschung ist genau das erwünscht. Eine Wurzelsperre oder der Kübel halten sie im Zaum. Als Flachwurzlerin von nur 40–80 cm Höhe eignet sie sich gut zur Unterpflanzung tiefer wurzelnder Gehölze. Am Weg und am Sitzplatz duftet sie bei Berührung nach Zitrone und ist zugleich eine starke Bienenweide. Pflege: Der Aufwand ist gering, Schnecken meiden sie. Geerntet wird drei- bis viermal im Jahr, jeweils kurz vor der Blüte und eine Handbreit über dem Boden; danach treibt sie zügig wieder aus. Wer sie blühen lässt, bekommt die Bienenweide, verliert aber Aroma und erntet reichlich Selbstaussaat — ein Rückschnitt direkt nach der Blüte verhindert beides. Im Spätherbst bleiben die abgestorbenen Stängel stehen und werden erst im Frühjahr entfernt, sie schützen den Wurzelstock. Frosthart ist sie bis etwa −34 °C. Gedüngt wird mäßig mit Kompost; zu viel Stickstoff macht die Blätter groß und arm an ätherischem Öl. Nach drei bis vier Jahren verkahlen die Horste von innen — dann wird geteilt und neu gepflanzt. Krankheiten und Schädlinge spielen kaum eine Rolle.
Vermehrung
Die Zitronenmelisse lässt sich auf drei Wegen vermehren. Die Teilung des Wurzelstocks im Frühjahr oder Frühherbst ist die schnellste Methode und zugleich die Verjüngungsmaßnahme für verkahlte Horste: Der ausgegrabene Ballen wird in faustgroße Stücke mit je einigen Trieben zerlegt und sofort wieder gesetzt. Stecklinge von nicht blühenden Trieben bewurzeln im Sommer problemlos, auch im Wasserglas. Für die Aussaat gilt: Die Samen sind Licht- und Warmkeimer, werden also nur angedrückt und nicht mit Erde bedeckt, und brauchen Temperaturen um 20 °C. Vorgezogen wird ab März, gepflanzt im Mai oder September mit etwa vier Pflanzen je Quadratmeter; Direktsaat ins Freiland lohnt erst ab Mai. Ölreiche Auslesen werden nur vegetativ vermehrt, weil Sämlinge im Aroma stark streuen.
Wert für Tiere
Die Zitronenmelisse ist eine ausgesprochen gute Insektenpflanze mit langer Blütezeit. NaturaDB zählt 37 Wildbienenarten, davon zwei spezialisierte, und drei Raupenarten; Nektar- und Pollenwert liegen bei jeweils 2 von 4 — die Stärke liegt also weniger in der Ergiebigkeit der einzelnen Blüte als in Menge und Dauer des Angebots. Bestäubt wird sie vorwiegend von Honigbienen und Hummeln, daneben von Schwebfliegen. Die unscheinbaren weißen Lippenblüten öffnen sich über Wochen nacheinander und füllen damit die Lücke zwischen den Blütenhöhepunkten im Früh- und im Spätsommer. Als Archäophyt ist sie fest in die heimische Insektenwelt eingebunden. Wer diesen Wert will, muss sie allerdings blühen lassen: Bei der üblichen Ernte kurz vor der Blüte fällt genau dieses Angebot aus. Ein Teilbestand, der stehen bleibt, löst den Zielkonflikt.
Besonderheiten
Besonderheiten: Aroma nur frisch, beim Trocknen verflüchtigt sich das Citral; vor der Blüte am aromatischsten, 3-4x jährlich schneidbar; kriechendes Rhizom + starke Selbstaussaat -> wandert, Wurzelsperre oder Kübel; Lichtkeimer+Warmkeimer um 20°C, Samen nicht bedecken; Horste verkahlen nach 3-4 Jahren von innen -> teilen; Schnecken meiden sie; Zielkonflikt Ernte gegen Bienenweide -> Teilbestand blühen lassen; Archäophyt, schon vor dem 15. Jh. in Mitteleuropa
Herkunft & Lebensraum
Östlicher Mittelmeerraum und Westasien: von Anatolien über den Kaukasusraum, Irak und Iran bis Pakistan, Turkmenistan, Usbekistan und Kirgisistan. Nach Mitteleuropa kam die Zitronenmelisse früh als Heil- und Gewürzpflanze — sie gilt hier als Archäophyt, war also schon vor dem 15. Jahrhundert vorhanden — und wurde über Kloster- und Bauerngärten weiterverbreitet. Heute wird sie weltweit in gemäßigten und warmen Gebieten kultiviert und verwildert dabei regelmäßig; in Mitteleuropa finden sich solche Bestände vor allem auf Waldschlägen und an Forststraßen. Im Kanton Wallis steigt sie bis auf 990 m Meereshöhe.
Im natürlichen Areal wächst die Zitronenmelisse im lichten Unterwuchs sommergrüner Laubwälder, vor allem in Hopfenbuchenwäldern der submediterranen Gebirgsstufe. Sie besiedelt dort warme, nährstoffreiche und eher trockene Standorte mit humusreichen, sandigen Lehm- oder lehmigen Sandböden neutraler bis basischer Reaktion. Volle Sonne braucht sie nicht — nach den Zeigerwerten von Landolt ist sie eine Halbschattenpflanze warmer Lagen. In Mitteleuropa hält sie sich verwildert an vergleichbaren Stellen: Waldsäume, Schlagfluren und Böschungen an Forstwegen, wo Wärme und offener Boden zusammenkommen. Mit ihrem kriechenden Rhizom überdauert sie den Winter unterirdisch und treibt im Frühjahr neu aus.
⚠️ Gefahren
Keine bekannte Gefahr
Häufige Fragen
Zitronenmelisse: Wie groß wird die Pflanze?
Zitronenmelisse (Melissa officinalis) wächst als Staude und erreicht ausgewachsen etwa 0,6 m Höhe bei rund 0,1 m Breite. Das Wachstum ist mittel.
Zitronenmelisse: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Zitronenmelisse verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich halbfeucht – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 5,5 und 7,5 liegen.
Zitronenmelisse: Ist die Pflanze winterhart?
Zitronenmelisse ist für die Winterhärte Zone 5–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Zitronenmelisse: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Zitronenmelisse ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
Zitronenmelisse: Ist die Pflanze giftig?
Für Zitronenmelisse ist keine Giftigkeit vermerkt. Verlass dich bei Wildpflanzen trotzdem nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Zitronenmelisse: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 5/10, Heilkunde 9/10, Sonstige Nutzung 5/10.
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