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Wegwarte – Cichorium intybus

Wegwarte

Cichorium intybus
Pfahlwurzel für den Unterboden
Essbarkeit7Heilwirkung6Sonstiger Nutzen5
Staude0,9×0,4 mZone 3–9leichter Schatten🍎 Essbar

Wächst das bei mir?

Wegwarte ist bis Zone 3 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Oder gleich hier für deinen Standort prüfen:

Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Asteraceae
Wuchsform
Staude
Wuchshöhe
0,9 m
Kronenbreite
0,4 m
Wachstum
langsam
Lebensdauer
5 Jahre
Erster Ertrag
nach 2 Jahren
Winterhärte
Zone 3–9
Schattentoleranz
leichter Schatten
Boden
Sand, Schluff, Lehm
Bodenfeuchte
halbfeucht – sehr feucht
pH-Wert
6 – 8

Blüte & Ernte

J F M A M J J A S O N D
Blüte
Blatternte

Zeiten gelten für die Nordhalbkugel in gemäßigtem Klima und verschieben sich mit Höhenlage und Sorte.

Nutzung

Essbar7 von 10
Heilkunde6 von 10
Sonstige Nutzung5 von 10

Essbar: Stammform von Chicorée, Radicchio und Zuckerhut — alles Zuchtformen derselben Art. Die wilden Blätter sind von März bis Mai als Salat oder Gemüse brauchbar, danach werden sie zunehmend bitter; der Bitterstoff Lactucopikrin ist dabei kein Fehler, sondern der eigentliche Wert, weil er Gallenfluss und Verdauung anregt. Kurzes Blanchieren mildert ihn. Die fleischige Pfahlwurzel wird im zweiten Jahr im Oktober und November ausgegraben, gewaschen, in Scheiben geschnitten, getrocknet, dunkel geröstet und gemahlen: Das ergibt Zichorienkaffee, der in Kriegs- und Nachkriegszeiten als Muckefuck das Bohnenkaffee-Surrogat schlechthin war und heute als koffeinfreier Aufguss wieder Anhänger findet. Dieselbe Wurzel liefert Inulin, einen präbiotischen Ballaststoff, der industriell als Zuckerersatz und Fettersatz gewonnen wird. Wer Chicorée will, gräbt die Wurzeln im Herbst aus, kürzt sie auf 15 bis 20 cm und treibt sie im Dunkeln bei 15 °C in feuchtem Sand — nach drei bis vier Wochen stehen die bleichen Sprossen. Die leuchtend blauen Blütenblätter sind essbar und eine hübsche Salatdekoration; sie halten allerdings nur bis mittags.

Sonstige Nutzung: In der Landwirtschaft wird die Wegwarte längst gezielt eingesetzt. Futtersorten wie "Puna" oder "Chico" gehören in Neuseeland und zunehmend auch in Europa zur Standardmischung für Dauerweiden: Sie liefern mineralreiches, gut verdauliches Futter, halten in Trockenphasen grün, wenn die Gräser längst stehen bleiben, und ihre Sesquiterpenlactone wirken nachweislich gegen Magen-Darm-Parasiten bei Schafen und Rindern — eine Entwurmung über das Futter. Industriell ist die Wurzel die wichtigste Inulinquelle der Welt; Inulin dient als präbiotischer Ballaststoff, Zucker- und Fettersatz in Lebensmitteln. Die getrocknete, geröstete Wurzel ist als Zichorienkaffee im Handel.

Anbau

Anspruchslos, solange der Standort sonnig und der Boden nicht nass ist. Sie bevorzugt kalkhaltige, eher magere, tiefgründige Lehm- und Löss­böden bei pH 6 bis 8, kommt aber auf fast jedem durchlässigen Boden zurecht — nur Staunässe und Schatten verträgt sie nicht. Gedüngt wird nicht; auf fetten Böden wird sie weich, kippt um und bleibt hinter ihrer Wurzelleistung zurück. Entscheidend ist tiefgründiger, ungestörter Boden: Die Pfahlwurzel entfaltet ihren Nutzen nur, wenn sie nach unten kann, weshalb der Standort nach der Aussaat nicht mehr gefräst werden sollte. Die Pflanze ist zweijährig bis kurzlebig ausdauernd — sie blüht ab dem zweiten Jahr und hält sich dann meist drei bis fünf Jahre, versamt sich aber zuverlässig selbst. Rückschnitt nach der ersten Blüte bringt einen zweiten Flor. Wer die Wurzel ernten will, gräbt im Herbst des zweiten Jahres. Winterhart bis -25 °C, trockenheitsverträglich, praktisch schädlingsfrei. Im Agroforst wird sie mit 2 bis 4 kg Saatgut je Hektar in die Untersaat gemischt.

Vermehrung

Ausschließlich über Samen. Direktsaat an Ort und Stelle im April oder August, 1 bis 2 cm tief; Keimung bei 15 bis 20 °C in ein bis zwei Wochen. Vorziehen und Verpflanzen ist möglich, aber sinnlos — die Pfahlwurzel nimmt es übel und die Pflanze bleibt kümmerlich. Deshalb immer direkt säen, notfalls in tiefe Anzuchtröhren. Ein Quadratmeter blühende Wegwarte liefert im Herbst Saatgut für Jahre; die Samen werden reif geerntet und bleiben etwa fünf Jahre keimfähig. Im Garten sät sie sich ohnehin selbst aus, und die Sämlinge stehen dort, wo der Boden offen ist.

Wert für Tiere

Von Juli bis Oktober liefern die blauen Körbchen Nektar und Pollen in einer Zeit, in der in der Agrarlandschaft kaum noch etwas blüht. Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen und mehrere spezialisierte Wildbienenarten nutzen sie intensiv; weil sich die Blüten nur bis zum Mittag öffnen, ist der Andrang am Vormittag entsprechend groß. Die Samen werden im Winter von Stieglitz, Hänfling und Grünfink gefressen. Die Blattrosette und die verholzten Stängel bieten Insekten Überwinterungsquartier, weshalb der Bestand über Winter stehen bleiben sollte.

Besonderheiten

Treibt eine fleischige Pfahlwurzel, die auf gewachsenem Boden 1,5 m und im Einzelfall über 2 m tief reicht. Damit gehört sie zu den wenigen krautigen Arten, die Verdichtungshorizonte durchstoßen, Nährstoffe und Wasser aus dem Unterboden holen und nach dem Absterben senkrechte Grobporen hinterlassen, durch die Wasser versickert und Folgewurzeln nach unten finden — Bodenlockerung ohne Maschine. In Agroforst- und Alley-Cropping-Systemen ist sie deshalb ein Standardpartner in der Krautschicht zwischen den Baumreihen: Sie konkurriert wegen ihrer Tiefenwurzel kaum mit den Flachwurzeln der Gehölze, hält in Trockenphasen grün, wenn Gräser längst vergilbt sind, und liefert dabei Weidefutter mit hohem Mineral- und Tanningehalt. Dazu kommt die lange Blütezeit von Juli bis Oktober. Die leuchtend blauen Körbchen öffnen sich am frühen Morgen und schließen um die Mittagszeit wieder — eine verlässliche Bienen- und Schwebfliegentracht in einer Jahreszeit, in der das Angebot in der Agrarlandschaft dünn wird.

Herkunft & Lebensraum

Heimisch in Europa, dem gemäßigten Asien und Nordafrika; mit dem Ackerbau weltweit verbreitet und in Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland eingebürgert, dort teils als Ackerunkraut eingestuft. In Mitteleuropa überall verbreitet und häufig, von der Ebene bis etwa 1.500 m.

Trockene bis mäßig frische, kalkhaltige, eher magere Lehm- und Lössböden in voller Sonne: Wegränder, Böschungen, Schotterflächen, Halbtrockenrasen, Brachen, Bahndämme und Ackerränder. Verträgt Verdichtung und Salz und ist damit eine der typischen Straßenrandpflanzen; meidet Schatten und Staunässe.

⚠️ Gefahren

Hautreizung bei Berührung, Kreuzallergie, Vorsicht bei Gallenleiden Der Milchsaft kann bei empfindlichen Personen Kontaktdermatitis auslösen, und in der Familie der Korbblütler kommen Kreuzallergien vor. Bei Gallensteinen oder einem Verschluss der Gallenwege sollte die stark gallentreibende Wurzel nicht in Heilmengen verwendet werden. Große Mengen Inulin — etwa aus Zichorienkaffee in Litermengen — können Blähungen verursachen.

Diese Angabe ersetzt keine fachkundige Bestimmung. Im Zweifel nichts essen.

Häufige Fragen

Wegwarte: Wie groß wird die Pflanze?

Wegwarte (Cichorium intybus) wächst als Staude und erreicht ausgewachsen etwa 0,9 m Höhe bei rund 0,4 m Breite. Das Wachstum ist langsam.

Wegwarte: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Wegwarte verträgt leichter Schatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich halbfeucht – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8 liegen.

Wegwarte: Ist die Pflanze winterhart?

Wegwarte ist für die Winterhärte Zone 3–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Wegwarte: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Wegwarte ist bis Zone 3 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.

Wegwarte: Wann ist die Blütezeit?

Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel von Juli bis Oktober.

Wegwarte: Ist die Pflanze giftig?

Für Wegwarte ist keine Giftigkeit vermerkt. Verlass dich bei Wildpflanzen trotzdem nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Wegwarte: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 7/10, Heilkunde 6/10, Sonstige Nutzung 5/10.

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