Aprikose
Wächst das bei mir?
Aprikose ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien. Zusätzlich braucht sie warme Sommer, wie sie hierzulande nur im Weinbauklima, in Stadtlagen oder an geschützten Südwänden zusammenkommen.
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Steckbrief
- Familie
- Rosaceae
- Wuchsform
- Baum
- Wuchshöhe
- 8 m
- Kronenbreite
- 7 m
- Wachstum
- mittel
- Lebensdauer
- 20 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 4 Jahren
- Vollertrag
- nach 5 Jahren
- Ertragsjahre
- 12–30 Jahre
- Ertrag pro Pflanze
- bis 100 kg im Jahr
- Ertrag im Anbau
- bis 20 t/ha
- Energieertrag
- 480 kcal pro m² und Jahr
- Winterhärte
- Zone 5–9
- Schattentoleranz
- Halbschatten
- Boden
- Sand, Schluff
- Bodenfeuchte
- trocken – feucht
- pH-Wert
- 6 – 7,5
- Synonyme
- Armeniaca vulgaris, Marille
- In Gärten geplant
- 7×
Blüte & Ernte
| J | F | M | A | M | J | J | A | S | O | N | D | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Blüte | ||||||||||||
| Fruchternte |
Sorten (23)
23 Sorten von Aprikose sind im Permaplans-Sortenfinder hinterlegt — jede mit eigener Seite: Geschmack, Reifezeit, Resistenzen, Abstammung und Verwendung.
- Ansu
- Aprikyra
- Aprisali
- Bergeron Späte französische Klassikeraprikose mit festem, aromatischem Fruchtfleisch.
- Bergeval
- Congat
- Digat
- Gönci magyar kajszi Traditionelle ungarische Aprikose (Gönc), groß und hocharomatisch.
- Harcot Frühe, robuste kanadische Aprikose mit süßem Aroma.
- Hargrand Kanadische Aprikose mit besonders großen Früchten.
- Harlayne Späte, krankheitsrobuste kanadische Aprikose.
- Hunza
- Ladakh
- Leala
- Luizet
- Melitopolski Cherny
- Mia
- Mino
- Purple Candy
- Schneeleopard
- Ungarische Beste
- Vanilla Cot
- Vertige
Nutzung
Essbar: Die Früchte werden roh gegessen, gekocht, getrocknet oder zu Marmelade, Kompott und Brand verarbeitet; die besten Sorten sind weich, saftig und vollaromatisch, während die Wildform kleinere, sauer bis süßsauer schmeckende Früchte trägt. Wildbäume im Sub-Himalaya liefern nach Parmar und Kaushal (1982) rund 47 Kilogramm Frucht im Jahr. Bei den Kernen entscheidet die Sorte: Süßkernige Aprikosen wie die Hunza-Marille aus Nordpakistan liefern kleine, mandelartig süße Kerne, die sich wie Mandeln verwenden lassen. Kerne bitterer Sorten enthalten dagegen Amygdalin, aus dem beim Kauen Blausäure frei wird — ein großer bitterer Kern liefert bis zu drei Milligramm Cyanid. Nach EFSA-Bewertung ist die akute Referenzdosis für Erwachsene schon bei etwa zwei großen oder drei kleinen Kernen erreicht, bei Kleinkindern bei einem halben kleinen Kern. Bittere Kerne gehören deshalb nicht in die Küche, auch nicht als Ersatz für Bittermandeln.
Heilkunde: Medizinisch belegt ist bei der Aprikose wenig. Ein Zweig- oder Kernaufguss wird volksmedizinisch als hustenstillendes Mittel verwendet, kontrollierte Studien fehlen. Das Kernöl ist ein mildes, halbtrocknendes Hautpflegeöl. Entscheidend ist die Warnung: Bittere Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, aus dem beim Kauen Blausäure entsteht. Ein großer bitterer Kern liefert bis zu drei Milligramm Cyanid; die EFSA sieht die akute Referenzdosis bei Erwachsenen bereits nach etwa zwei großen oder drei kleinen Kernen erreicht, bei Kleinkindern nach einem halben kleinen Kern. Seit 2017 gilt EU-weit ein Höchstgehalt von 20 Milligramm Blausäure je Kilogramm roher Kerne im Handel. Die verbreitete Behauptung, Aprikosenkerne oder „Vitamin B17" wirkten gegen Krebs, ist wissenschaftlich widerlegt; Vergiftungsfälle sind dokumentiert.
Sonstige Nutzung: Aus den Samen wird ein essbares, halbtrocknendes Öl gewonnen. Es wird zur Beleuchtung verwendet. Das Öl wirkt hautpflegend und findet daher Anwendung in der Parfüm- und Kosmetikindustrie sowie in der Pharmazie. Aus den Blättern lässt sich ein grüner Farbstoff gewinnen. Aus den Früchten kann ein dunkelgrauer bis grüner Farbstoff gewonnen werden. Das Holz ist schön, hart und haltbar. Es wird unter anderem für landwirtschaftliche Geräte verwendet.
Anbau
Standortwahl: Geschützt, warm, vollsonnig — Südwest- und Südhänge sowie Wandpflanzungen sind zu bevorzugen, Kälteseen scheiden aus. Die Blüte fällt auf Ende März bis Anfang April und friert in Mitteleuropa regelmäßig aus: Der Standort entscheidet über den Ertrag mehr als die Sorte. An einer reinen Südwand blüht der Baum allerdings so früh, dass Blüten und Jungfrüchte in vielen Jahren der Kälte zum Opfer fallen — Südost- und Südwestlagen sind dort die bessere Wahl. Für die Südwestlage spricht zusätzlich der Schutz vor Frostrissen an Stamm und Starkästen, die entstehen, wenn die Morgensonne gefrorenes Holz schlagartig erwärmt. Junge Früchte nehmen schon oberhalb des Gefrierpunkts Schaden, nicht erst bei Frost. Der Boden muss tiefgründig, gut durchlässig und fruchtbar sein; auf schweren und staunassen Böden gelingt die Kultur kaum, Trockenheit und sandige Böden werden dagegen gut vertragen. Baum von 3 bis 8 Metern je nach Unterlage, vier bis sechs Meter Abstand, am Spalier zwei bis drei. Unter Folie gezogen fällt die Fruchtqualität besser aus als unter Regendach oder Hagelnetz, weil sich dort die Luftfeuchte steuern lässt; die Spätfrostgefahr bleibt auch unter Folie bestehen. Pflege: Geschnitten wird nach der Ernte bei trockener Witterung, ergänzend während der Blüte — nie im Winter, denn in der warmen Jahreszeit verschließen sich die Wunden rasch. Befallenes Holz nimmt man großzügig ins Gesunde zurück. Die meisten Sorten sind selbstfruchtbar, ein zweiter Baum ist nicht nötig. Das gefürchtetste Problem ist die Apoplexie, das plötzliche Absterben einzelner Äste oder ganzer Bäume durch mit Gummi verstopfte Leitbahnen. Begünstigt wird sie durch Frostschäden, ungeeigneten Boden, Düngungsfehler und Infektionen mit Monilia, Bakterienbrand oder Schrotschuss; am gefährdetsten sind Bäume im dritten bis siebten Standjahr, eine Heilung gibt es praktisch nicht.
Vermehrung
Aus Samen gezogene Aprikosen fallen uneinheitlich aus und tragen kleinere, oft nur mäßig schmackhafte Früchte; die Aussaat lohnt deshalb vor allem für Wildformen und Unterlagen. Wird gleich nach der Ernte ins Freilandbeet gesät, erübrigt sich jede künstliche Kühlung — die natürliche Winterkälte stratifiziert ausreichend. Die Schale sollte dabei nicht geöffnet werden, Sämlinge aus unversehrten Steinen fallen kräftiger aus. Direktsaat an Ort und Stelle erlaubt die Ausbildung einer Pfahlwurzel; wird in Töpfen vorgezogen, sollten diese möglichst tief sein und die Pflanzen ausgesetzt werden, bevor die Pfahlwurzel den Topfboden erreicht. Benannte Sorten werden veredelt. Reiser schneidet man wie bei allem Steinobst früh im Winter und lagert sie kühl bei etwa einem Grad feucht eingeschlagen. Kopulation und Spaltpfropfen gelingen zuverlässig, mit Anwuchsraten um siebzig Prozent; eine Frühjahrsveredelung mit bereits angetriebenen Reisern, wie sie beim Kernobst üblich ist, funktioniert dagegen in der Regel nicht — die Chipveredelung ist dann die Alternative. Sicherer als die Winterhandveredelung am wurzelnackten Material ist das Veredeln an Unterlagen, die schon ein Jahr am endgültigen Platz gestanden haben; das gilt besonders für Mehrsortenbäume, bei denen Seitenäste veredelt werden. Frisch veredelte Knospen vertragen pralle Sonne unter dem Veredelungsband schlecht und werden besser bis zum Durchtrieb abgedeckt. Weil die Art anfällig für Apoplexie ist, sollte Veredelungsmaterial nur aus gesunden Beständen kommen. Die Wahl der Unterlage entscheidet mit über Wuchsstärke und Bodenverträglichkeit: Auf schwereren Böden bewähren sich Zwetschgenunterlagen besser als Aprikosenunterlagen. Saint Julien bildet viele Wurzelausläufer; als schwächer wachsende, in der Praxis bewährte Alternativen gelten Wavit und die Myrobalane 29/C, die allerdings teurer sind. Die Kirschpflaume ist billig und verträglich, wächst aber sehr stark und muss jährlich von Stammaustrieben befreit werden.
Wert für Tiere
Die Aprikose blüht sehr früh, meist im März und noch vor dem Laubaustrieb, und zählt damit zu den ersten ergiebigen Trachtquellen des Jahres. Nektar- und Pollenangebot sind hoch: Rund 33 Wildbienenarten wurden an den Blüten festgestellt, dazu Hummeln in bemerkenswerter Zahl und Mauerbienen der Gattung Osmia, die im Erwerbsanbau gezielt zur Bestäubung eingesetzt werden. Auch überwinternde Tagfalter wie Tagpfauenauge und Großer Fuchs nutzen die frühe Blüte. Als Raupenfutterpflanze bleibt die Bedeutung gering, nachgewiesen sind nur wenige Arten wie das Rheintal-Zwergwidderchen. Reifende Früchte ziehen Wespen, Hornissen und fruchtfressende Vögel an.
Besonderheiten
Besonderheiten: Ausgesprochener Wärmeliebhaber, blüht Ende März/Anfang April und gerät in Mitteleuropa regelmäßig in Spätfrost → Ertrag schwankt stark; geschützte Südlage vor wärmespeichernder Mauer wichtiger als die Sortenwahl; meist selbstfruchtbar, zweiter Baum nicht nötig; !Apoplexie (plötzliches Absterben von Ästen/Bäumen), Höchstrisiko im 3.-7. Standjahr → Schnitt im Spätsommer nach der Ernte, nie im Winter!; auf schweren, staunassen Böden kaum kultivierbar;
Herkunft & Lebensraum
Zentralasien: Die Wildvorkommen reichen von Nordwestchina und dem Tian Shan über die Gebirge Zentralasiens bis nach Nordostchina; in Tibet sind reine Bestände in Höhen von 700 bis 3000 Metern belegt. Der Artname armeniaca verweist auf Armenien als Zwischenstation des Kulturwegs nach Westen, nicht auf die eigentliche Heimat. Heute wird sie in allen wärmeren gemäßigten Zonen angebaut, mit Schwerpunkten in der Türkei, im Iran, in Usbekistan und im Mittelmeerraum; die Türkei stellt den größten Teil der Welternte. In Mitteleuropa beschränkt sich der Anbau auf ausgesprochene Wärmelagen: in Deutschland vor allem Pfalz und Rheintal, in Österreich Wachau und Burgenland, in der Schweiz das Wallis. In der ungarischen Tiefebene wurde sie gezielt zum Binden von Flugsand gepflanzt. Verwildert tritt die Art hier nicht auf.
Wächst in lichten Gebirgswäldern und an offenen Berghängen, in reinen Beständen bis in Höhenlagen um dreitausend Meter. Bevorzugt werden sonnenexponierte Hänge mit lockerem Gehölzbestand und hochwüchsiger Staudenflur bei geringem Grasanteil — dichter Wald und starke Wurzelkonkurrenz im Oberboden fehlen an diesen Standorten. Kennzeichnend sind trockene, heiße Sommer und kalte, aber schneesichere Winter sowie tiefgründige, gut durchlässige, eher leichte Böden; auch sandige Substrate und Trockenheit werden gut vertragen.
⚠️ Gefahren
Giftige Kerne und Blätter, giftig für Hunde, Katzen und Pferde Wie bei allen Prunus-Arten enthalten Samen, Blätter und Rinde cyanogene Glykoside, die beim Zerkauen oder Zerkleinern Blausäure freisetzen. Einzelne versehentlich mitverschluckte, unversehrte Kerne sind unbedenklich, größere Mengen zerkauter Kerne dagegen nicht; von selbst hergestellten Kernauszügen ist abzuraten. Für Hunde, Katzen und Pferde gelten dieselben Pflanzenteile als giftig. Das Fruchtfleisch selbst ist unbedenklich. Der bei Verletzungen austretende Gummifluss ist ein Zeichen für einen falschen Schnittzeitpunkt, keine Gefahr.
Häufige Fragen
Aprikose: Wie groß wird die Pflanze?
Aprikose (Prunus armeniaca) wächst als Baum und erreicht ausgewachsen etwa 8 m Höhe bei rund 7 m Breite. Das Wachstum ist mittel.
Aprikose: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Aprikose verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 7,5 liegen.
Aprikose: Ist die Pflanze winterhart?
Aprikose ist für die Winterhärte Zone 5–9 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Aprikose: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Aprikose ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien. Zusätzlich braucht sie warme Sommer, wie sie hierzulande nur im Weinbauklima, in Stadtlagen oder an geschützten Südwänden zusammenkommen.
Aprikose: Wann ist die Blütezeit?
Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im März.
Aprikose: Wann kann man ernten?
Die Früchte reifen in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel im Juli.
Aprikose: Ab wann trägt die Pflanze und wie viel?
Aprikose trägt erstmals nach 4 Jahren. Den Vollertrag erreicht sie nach 5 Jahren. Eine ausgewachsene Pflanze liefert bis zu 100 kg im Jahr, im Anbau bis 20 t pro Hektar. Die Ertragsphase dauert etwa 12–30 Jahre. Die Werte gelten für gute Standorte; Sorte, Boden und Klima verschieben sie deutlich.
Aprikose: Ist die Pflanze giftig?
Für Aprikose sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Aprikose: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 9/10, Heilkunde 3/10, Sonstige Nutzung 2/10.
Welche Sorten von Aprikose gibt es?
Im Permaplans-Sortenfinder sind 23 Sorten von Aprikose hinterlegt, darunter Ansu, Aprikyra, Aprisali, Bergeron, Bergeval, Congat, Digat, Gönci magyar kajszi, Harcot, Hargrand, Harlayne, Hunza und 11 weitere. Jede Sorte hat eine eigene Seite mit Geschmack, Reifezeit, Resistenzen und Abstammung.
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