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Klebriger Alant

Dittrichia viscosa
Die späteste Bienenweide des Mittelmeers
Heilwirkung5Sonstiger Nutzen8
Strauch1,1×1 mZone 8–10volle Sonne

Wächst das bei mir?

Klebriger Alant ist nur bis Zone 8 winterhart und gedeiht dauerhaft im Freien nur in den mildesten Lagen – Weinbauklima, Ober- und Niederrhein, Küsten, Bodensee, Tessin. Sonst als Kübelpflanze mit geschützter Überwinterung.

Oder gleich hier für deinen Standort prüfen:

Winterhärte nach USDA-Zone, Sommerwärme nach Wärmesumme – dieselben Werte, mit denen die App und der Pflanzenfinder rechnen.

Steckbrief

Familie
Asteraceae
Wuchsform
Strauch
Wuchshöhe
1,1 m
Kronenbreite
1 m
Wachstum
sehr schnell
Lebensdauer
15 Jahre
Erster Ertrag
nach 1 Jahr
Winterhärte
Zone 8–10
Schattentoleranz
volle Sonne
Boden
Sand, Schluff, Lehm, Ton
Bodenfeuchte
sehr trocken – sehr feucht
pH-Wert
6 – 8,5
Synonyme
Inula viscosa; Cupularia viscosa; Olivarda
duftendNektarquellePollenquelle

Blüte & Ernte

J F M A M J J A S O N D
Blüte

Zeiten gelten für die Nordhalbkugel in gemäßigtem Klima und verschieben sich mit Höhenlage und Sorte.

Nutzung

Heilkunde5 von 10
Sonstige Nutzung8 von 10

Heilkunde: Der Klebrige Alant ist eine der wichtigsten Volksheilpflanzen des Mittelmeerraums. Die drüsigen Blätter enthalten Sesquiterpenlactone (Inuloxine, Tomentosin), Flavonoide und ätherische Öle mit nachgewiesen antibakterieller, entzündungshemmender und wundheilungsfördernder Wirkung. Traditionell werden frische Blätter zerquetscht direkt auf Wunden, Schürfstellen und Insektenstiche gelegt; ein Ölauszug dient als Einreibung bei Muskel- und Gelenkschmerzen, ein Aufguss innerlich bei Magenbeschwerden. Neuere Arbeiten untersuchen die Inhaltsstoffe auf antidiabetische und zytotoxische Effekte. Wegen der Sesquiterpenlactone kann wiederholter Hautkontakt allergische Kontaktdermatitis auslösen — vor der ersten größeren Anwendung an einer kleinen Stelle testen.

Sonstige Nutzung: Der bekannteste praktische Nutzen ist eine indirekte Schädlingsbekämpfung im Olivenhain. Die Blütenköpfe des Klebrigen Alants werden von der Gallfliege Myopites stylata befallen; deren Larven wiederum werden von parasitischen Wespen wie Eupelmus urozonus und Eurytoma-Arten parasitiert — und genau diese Wespen befallen im Sommer auch die Olivenfliege Bactrocera oleae, den mit Abstand wichtigsten Olivenschädling. Ein Bestand Dittrichia am Rand oder in Streifen zwischen den Olivenreihen hält diese Parasitoiden also ganzjährig vor Ort, statt sie jedes Jahr neu einwandern zu lassen. Dazu kommt die Blütezeit: September bis November, also genau dann, wenn im Mittelmeerraum sonst nichts mehr blüht und Nützlinge wie Bienen nichts zu fressen finden. Untersuchungen in Olivenhainen weisen den Klebrigen Alant deshalb als eines der artenreichsten Arthropoden-Reservoire des Systems aus. Traditionell wurden die klebrigen Triebe außerdem als Fliegenfänger im Haus aufgehängt — daher der spanische Name Mosquera.

Anbau

Volle Sonne und Wärme, sonst praktisch anspruchslos. Er wächst auf sandigen, steinigen, tonigen, kalkhaltigen, salzigen und selbst belasteten Böden bei pH 6 bis 8,5 und ist nach dem Anwachsen extrem trockenheitsverträglich. Was er nicht verträgt: Schatten, Staunässe und strengen Frost — winterhart bis etwa -8 bis -10 °C (USDA 8-10), in Mitteleuropa also nur in Weinbaulagen und dort mit Winterschutz. Gedüngt wird nicht, auf fetten Böden wird er weich und kippt. Der wichtigste Pflegepunkt ist die Eindämmung: Er versamt sich massiv und wirkt allelopathisch auf Nachbarpflanzen. Deshalb gezielt platzieren — als Streifen am Rand eines Olivenhains, entlang einer Böschung, als Terrassenbefestigung — und die Fruchtstände abschneiden, wo die Ausbreitung nicht gewünscht ist. Im Spätwinter bodennah zurückschneiden. Idee für den Olivenhain: Ein durchgehender Dittrichia-Streifen je 5 bis 10 Olivenreihen, im Spätwinter abschnittsweise geschnitten, sodass immer ein Teil des Bestands ungeschnitten bleibt und die Parasitoiden überwintern können.

Vermehrung

Aussaat ist der einfachste Weg, denn Samen gibt es im Überfluss: Die federleichten Achänen werden im Spätherbst geerntet und im Herbst oder zeitigen Frühjahr flach ausgesät — Lichtkeimer, nur andrücken, nicht abdecken. Keimung bei 15 bis 20 °C innerhalb von zwei bis drei Wochen, Keimrate hoch. Direktsaat an Ort und Stelle funktioniert gut, weil sich die Pfahlwurzel sofort bildet und Verpflanzen ab dem zweiten Jahr schlecht gelingt. Halbverholzte Stecklinge im Spätsommer bewurzeln ebenfalls zuverlässig. Wer Wildbestände nutzt: Im Herbst einen blühenden Trieb schneiden, kopfüber über einer Papiertüte trocknen lassen, im Frühjahr ausstreuen. Der Rückschnitt bodennah im Spätwinter verjüngt den Halbstrauch und verhindert, dass er von unten verkahlt.

Wert für Tiere

Der Klebrige Alant gehört zu den wertvollsten Nützlingspflanzen des Mittelmeerraums. Seine Blütezeit von September bis November füllt die Lücke, in der im Süden sonst keine Tracht mehr vorhanden ist — Honigbienen, Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge nutzen sie intensiv. Gleichzeitig dient er als ganzjähriges Reservoir für Parasitoide und Räuber: Gallfliegen, Schlupf- und Erzwespen, Marienkäfer, Florfliegen und Raubwanzen überwintern in und an den Beständen. Über die Gallen von Myopites stylata hält er Parasitoide vor, die im Sommer die Olivenfliege befallen. Die klebrigen Drüsenhaare fangen kleine Insekten passiv ab. Distelfinken und andere Finken fressen die Samen im Winter.

Besonderheiten

Ein Halbstrauch, der genau da wächst, wo sonst nichts mehr geht: auf Rohböden, Straßenböschungen, Bauschutt, salzigem und sogar schwermetallbelastetem Grund. Die tiefe Pfahlwurzel holt Wasser, wenn alles andere längst vertrocknet ist, hält Böschungen fest und macht ihn zur Standardart für die Rekultivierung von Deponien und Bergbauflächen. Zwei Eigenschaften machen ihn für die Permakultur im Süden interessant. Erstens die Blütezeit von September bis November — die letzte große Nektar- und Pollenquelle des Jahres, wenn Bienenvölker und Nützlinge sonst hungern. Zweitens seine Rolle als Nützlingsreservoir im Olivenhain, das die Olivenfliege in Schach hält. Der Preis: Er versamt sich stark, ist allelopathisch und kann Brachen im Alleingang übernehmen — also gezielt in Streifen und Randbereichen einsetzen, nicht ins Beet.

Herkunft & Lebensraum

Gesamter Mittelmeerraum von Portugal bis in die Levante, Nordafrika, Makaronesien; dringt seit Jahrzehnten nordwärts und in höhere Lagen vor und gilt als Klimawandel-Gewinner. Eingeschleppt und lokal invasiv in Australien und Teilen Nordamerikas. In Mitteleuropa bislang nur unbeständig.

Pionier auf offenen, gestörten und trockenen Standorten: Böschungen, Straßen- und Feldränder, Brachen, aufgelassene Olivenhaine, Bachschotter, Deponien und Bergbauflächen. Von Meereshöhe bis etwa 1.000 m, auf fast jedem Boden — sandig, steinig, tonig, kalkhaltig, salzhaltig oder schwermetallbelastet.

⚠️ Gefahren

Allergische Hautreizung bei Berührung, starker Geruch Die klebrigen Drüsenhaare enthalten Sesquiterpenlactone, die bei empfindlichen Menschen allergische Kontaktdermatitis auslösen können — bei längerer Arbeit im Bestand Handschuhe und lange Ärmel. Der Geruch ist stark harzig und wird von manchen als unangenehm empfunden. Für Weidetiere ist die Pflanze wegen Bitterstoffen und Klebrigkeit ungenießbar, bleibt deshalb auf Weiden stehen und kann sich dort durchsetzen. Größere Mengen innerlich reizen den Magen. Ökologisch ist die kräftige Selbstaussaat das eigentliche Risiko: Auf Brachen und gestörten Flächen bildet er allelopathisch wirkende Reinbestände; in Australien gilt er als invasives Unkraut.

Diese Angabe ersetzt keine fachkundige Bestimmung. Im Zweifel nichts essen.

Häufige Fragen

Klebriger Alant: Wie groß wird die Pflanze?

Klebriger Alant (Dittrichia viscosa) wächst als Strauch und erreicht ausgewachsen etwa 1,1 m Höhe bei rund 1 m Breite. Das Wachstum ist sehr schnell.

Klebriger Alant: Welchen Standort braucht die Pflanze?

Klebriger Alant verträgt volle Sonne. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm, Ton. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich sehr trocken – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 6 und 8,5 liegen.

Klebriger Alant: Ist die Pflanze winterhart?

Klebriger Alant ist für die Winterhärte Zone 8–10 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.

Klebriger Alant: Wächst die Pflanze in Deutschland?

Klebriger Alant ist nur bis Zone 8 winterhart und gedeiht dauerhaft im Freien nur in den mildesten Lagen – Weinbauklima, Ober- und Niederrhein, Küsten, Bodensee, Tessin. Sonst als Kübelpflanze mit geschützter Überwinterung.

Klebriger Alant: Wann ist die Blütezeit?

Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel von September bis November.

Klebriger Alant: Ist die Pflanze giftig?

Für Klebriger Alant sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.

Klebriger Alant: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?

Bewertet auf einer Skala bis 10: Heilkunde 5/10, Sonstige Nutzung 8/10.

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