Rizinus
Wächst das bei mir?
Rizinus ist in Mitteleuropa nicht winterhart (Zone 9). Im Freien nur von Frühjahr bis Herbst, sonst als Kübelpflanze mit frostfreier Überwinterung.
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Steckbrief
- Familie
- Euphorbiaceae
- Wuchsform
- einjährig
- Wuchshöhe
- 3 m
- Kronenbreite
- 1,5 m
- Wachstum
- sehr schnell
- Lebensdauer
- 10 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 1 Jahr
- Winterhärte
- Zone 9–12
- Schattentoleranz
- volle Sonne
- Boden
- Sand, Schluff, Lehm
- Bodenfeuchte
- trocken – sehr feucht
- pH-Wert
- 5 – 8
- Synonyme
- Wunderbaum; Christuspalme; Castor bean
Blüte & Ernte
| J | F | M | A | M | J | J | A | S | O | N | D | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Blüte |
Nutzung
Sonstige Nutzung: Rizinusöl ist das einzige großtechnisch verfügbare Pflanzenöl, das zu rund 90 Prozent aus einer einzigen Hydroxyfettsäure besteht — Ricinolsäure. Diese OH-Gruppe macht das Öl chemisch außergewöhnlich: Es bleibt über einen sehr weiten Temperaturbereich viskos, weshalb es klassisch als Schmieröl für Flug- und Rennmotoren diente, und es ist der Ausgangsstoff für Nylon-11, Polyurethane, Lacke, Druckfarben, Seifen und Kosmetik. Kaltgepresst und ricinfrei ist es das bekannteste pflanzliche Abführmittel. Das Ricin bleibt beim Pressen vollständig im Presskuchen zurück; dieser wird in Indien als stickstoffreicher Dünger (Castor cake, etwa 4 Prozent N) auf die Felder gebracht, ist als Futtermittel aber unbrauchbar. Im Garten liefert die Pflanze in einer einzigen Saison mehrere Kubikmeter Blattmasse, die als Mulch oder Kompostbeschleuniger dienen kann.
Anbau
Volle Sonne, Wärme und Windschutz — die großen Blätter zerschlissen sonst, und hohe Exemplare kippen bei Sturm um. Der Boden soll tiefgründig, durchlässig und nährstoffreich sein, pH 5 bis 8; Kalk stört nicht. Rizinus ist ein Starkzehrer und dankt Kompost mit doppelter Wuchsleistung. Gegossen wird in der Anwachsphase regelmäßig, später ist die Pflanze über die Pfahlwurzel erstaunlich trockenheitsverträglich. Kein Frost: Schon leichter Bodenfrost beendet die Kultur, nördlich der Alpen ist sie deshalb einjährig. In Portugal, Südspanien und anderen frostfreien Lagen bleibt sie mehrjährig, verholzt und wird zum Kleinbaum — dort im Spätwinter kräftig zurückschneiden, sonst wird sie kahlbeinig. Standraum großzügig kalkulieren, 1 bis 1,5 m je Pflanze. Wer die Selbstaussaat nicht will, schneidet die Fruchtstände ab, bevor die Kapseln aufspringen — das erledigt gleichzeitig das Risiko herumliegender Samen.
Vermehrung
Ausschließlich über Samen, und das gelingt problemlos. Die harten, marmorierten Samen 24 Stunden in lauwarmem Wasser vorquellen, dann ab Mitte April in Töpfen bei 20 bis 25 °C vorziehen — Keimung in 10 bis 20 Tagen. Ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen, auspflanzen; Direktsaat ins Freiland funktioniert in warmen Lagen ab Mai ebenfalls. Der Sämling treibt sofort eine Pfahlwurzel und verträgt Verpflanzen schlecht, deshalb von Anfang an tiefe Töpfe verwenden und zügig auspflanzen. Im frostfreien Klima erübrigt sich alles: Die Pflanze versamt sich reichlich von selbst. Saatgut nach der Ernte sicher und außer Reichweite von Kindern aufbewahren und deutlich beschriften.
Wert für Tiere
Die einhäusigen Blütenstände tragen unten männliche, oben weibliche Blüten und werden vom Wind bestäubt. Nektar gibt es keinen, dafür reichlich Pollen, den Honigbienen bei Pollenmangel durchaus eintragen. Zusätzlich sitzen extraflorale Nektarien an Blattstielen und Blattgrund, die Ameisen und räuberische Wespen anziehen. Für die heimische Fauna in Mitteleuropa hat die Art ansonsten kaum Bedeutung; die Samen werden von Vögeln nicht angenommen.
Besonderheiten
Kaum eine Pflanze vereint so viel Nutzen und so viel Gefahr. Rizinus wächst schneller als fast alles andere: aus dem Samen in einer Saison drei Meter hoch, im frostfreien Klima in wenigen Jahren zu einem verholzten, bis zu zehn Meter hohen Kleinbaum. Als Pionier deckt er offene Flächen in Rekordzeit, beschattet und liefert Biomasse. Gleichzeitig enthalten seine Samen Ricin, eines der stärksten bekannten Pflanzengifte — zwei bis acht gekaute Samen können einen Erwachsenen töten, bei Kindern genügen ein bis drei. Das Gift steckt im Samen, nicht im Öl; gepresstes Rizinusöl ist harmlos. Für die Gartenplanung heißt das: prächtige, schnelle Struktur- und Zierpflanze für Flächen ohne Kinder und ohne freilaufendes Geflügel, und eine ernstzunehmende Industriepflanze. In Familien- und Schulgärten hat sie nichts verloren. Der verbreitete Rat, Rizinus vertreibe Wühlmäuse und Maulwürfe, ist nicht belegt.
Herkunft & Lebensraum
Ursprünglich Ostafrika, vermutlich Äthiopien und Nordostafrika. Heute weltweit in Tropen, Subtropen und warmen gemäßigten Zonen verwildert und angebaut. Indien liefert rund 85 Prozent der Weltproduktion an Rizinusöl, gefolgt von Mosambik und Brasilien. Im Mittelmeerraum und in Portugal an Straßenrändern, Brachen und Bachläufen verwildert; in Mitteleuropa nur als einjährige Kulturpflanze.
Pionier auf offenen, gestörten Standorten: Schuttplätze, Flussschotter, Wegränder, aufgelassene Äcker, oft auf nährstoffreichem, warmem Boden. Braucht volle Sonne und Sommerwärme, verträgt Trockenheit nach dem Anwachsen, aber keinen Frost.
⚠️ Gefahren
Giftigkeit: stark giftig
Sehr stark giftig, wenige Samen tödlich Die Samen enthalten Ricin, ein Lektin, das die Proteinsynthese der Zelle blockiert — eines der giftigsten bekannten Pflanzengifte. Zwei bis acht gründlich gekaute Samen können einen Erwachsenen töten, bei Kindern reichen ein bis drei; unzerkaut geschluckte Samen passieren die harte Schale wegen oft folgenlos, worauf man sich aber keinesfalls verlassen darf. Vergiftungssymptome treten mit Stunden Verzögerung auf: brennen im Mund, blutiges Erbrechen, Durchfall, Kreislaufkollaps, Nieren- und Leberversagen. Ein Gegenmittel gibt es nicht, nur symptomatische Behandlung — bei Verdacht sofort Giftnotruf und Klinik. Auch für Pferde, Rinder, Schafe, Hunde und Geflügel sind die Samen tödlich. Der Pflanzensaft kann Hautreizungen und Allergien auslösen, der Blütenstaub Asthma. Das kaltgepresste Rizinusöl selbst ist ricinfrei und ungefährlich, wirkt aber stark abführend und ist in der Schwangerschaft tabu. Fazit: nicht in Gärten mit Kindern, Weidetieren oder freilaufendem Geflügel.
Häufige Fragen
Rizinus: Wie groß wird die Pflanze?
Rizinus (Ricinus communis) wächst als einjährig und erreicht ausgewachsen etwa 3 m Höhe bei rund 1,5 m Breite. Das Wachstum ist sehr schnell.
Rizinus: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Rizinus verträgt volle Sonne. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich trocken – sehr feucht liegen. Der pH-Wert darf zwischen 5 und 8 liegen.
Rizinus: Ist die Pflanze winterhart?
Rizinus ist für die Winterhärte Zone 9–12 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Rizinus: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Rizinus ist in Mitteleuropa nicht winterhart (Zone 9). Im Freien nur von Frühjahr bis Herbst, sonst als Kübelpflanze mit frostfreier Überwinterung.
Rizinus: Wann ist die Blütezeit?
Die Blüte liegt in gemäßigtem Klima auf der Nordhalbkugel von Juli bis September.
Rizinus: Ist die Pflanze giftig?
Rizinus ist als stark giftig eingestuft. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Rizinus: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Heilkunde 4/10, Sonstige Nutzung 8/10.
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