Roter Hartriegel
Wächst das bei mir?
Roter Hartriegel ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
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Steckbrief
- Familie
- Cornaceae
- Wuchsform
- Strauch
- Wuchshöhe
- 3 m
- Kronenbreite
- 3,5 m
- Wachstum
- mittel
- Lebensdauer
- 50 Jahre
- Erster Ertrag
- nach 4 Jahren
- Winterhärte
- Zone 5–7
- Schattentoleranz
- Halbschatten
- Boden
- Sand, Schluff, Lehm, Ton
- Bodenfeuchte
- halbfeucht – sehr nass
- pH-Wert
- 5,6 – 7,6
- Synonyme
- Swida sanguinea. Thelycrania sanguinea.
Nutzung
Essbar: Die Früchte des Roten Hartriegels sind für den Menschen keine Nahrung. Die etwa acht Millimeter großen schwarzen Steinfrüchte schmecken ausgeprägt bitter, und größere Mengen lösen Übelkeit und Erbrechen aus — anders als bei der verwandten Kornelkirsche lohnt hier kein Küchenversuch. Von Bedeutung ist stattdessen das Öl: Die Samen enthalten vierzig bis fünfundvierzig Prozent fettes Öl, das früher gepresst und vor allem als Lampenöl und zur Seifenherstellung verwendet wurde; nach entsprechender Raffination ist es auch genießbar, spielt aber in der heutigen Küche keine Rolle mehr. Für den Garten heißt das: Der Hartriegel steht hier nicht als Obstgehölz, sondern als Vogelnährgehölz — die Ernte überlässt man den Drosseln.
Heilkunde: Die Frucht wird in der Medizin ähnlich wie Cornus officinalis (Echter Hartriegel) verwendet. Dazu gehören: Shan Zhu Yu wird in der chinesischen Kräutermedizin seit mindestens 2000 Jahren eingesetzt. Es handelt sich um ein Kraut mit stabilisierender und bindender Wirkung, das hauptsächlich zur Linderung starker Menstruationsblutungen und ungewöhnlich aktiver Körperflüssigkeiten wie starkem Schwitzen, vermehrtem Urinieren, Spermatorrhoe und vorzeitigem Samenerguss verwendet wird. Wie alle Kräuter, die den Ausfluss von Körperflüssigkeiten hemmen (auch übermäßigen), verlängert oder verschlimmert es die Symptome, wenn es ohne stärkende oder entgiftende Kräuter angewendet wird. Daher wird es üblicherweise in Kombination mit Kräutern wie Rehmannia glutinosa (Glutenkraut) verwendet und ist Bestandteil der „Acht-Zutaten-Pille“, die in China zur Stärkung des Yang der Lenden eingesetzt wird. Die Frucht wirkt antibakteriell, antimykotisch, blutdrucksenkend, tumorhemmend, adstringierend, harntreibend, leberstärkend und tonisierend. Die Frucht wird ohne Kern als Absud zur Behandlung von Arthritis, Fieber und einer Vielzahl anderer Beschwerden verwendet. Sie findet Anwendung bei Alters-Himmelschnupfen, Diabetes, Blasenentzündung, Tinnitus usw. Die Frucht wirkt antibakteriell und hemmt das Wachstum von Bacillus dysenteriae und Staphylokokken. Sie wird vollreif geerntet und für die spätere Verwendung getrocknet. Die Stammrinde wirkt adstringierend, antimalariawirksam und stärkend. Die Pflanze wirkt antibakteriell, harntreibend, blutdrucksenkend und harnwegsdesinfektionsmittel.
Sonstige Nutzung: Der Samen enthält 45 % eines nicht trocknenden Öls und wird zur Seifenherstellung und für Beleuchtungszwecke verwendet. Auch aus der Fruchtschale (Perikarp) wird ein nicht trocknendes Öl gewonnen, das ebenfalls für Beleuchtungszwecke genutzt wird. Die Fruchtschale enthält 19–35 % Öl. Aus der Frucht wird ein grünlich-blauer Farbstoff gewonnen. Die jungen Stängel sind sehr biegsam und werden zum Korbflechten verwendet. Das Holz ist zäh und hart. Es wird für kleine Gegenstände wie Werkzeuggriffe, Drechselarbeiten usw. verwendet. Aus dem Holz lässt sich hochwertige Holzkohle gewinnen; es eignet sich außerdem hervorragend als Brennstoff.
Anbau
Diese pflegeleichte Pflanze gedeiht auf allen gut bis mäßig fruchtbaren Böden, von sauer bis flachgründig kalkhaltig. Auch in schweren Lehmböden wächst sie gut. Die Pflanzen sind relativ schattentolerant, bevorzugen aber dichten Schatten. Starke, kalte Winde schaden ihnen. Die Pflanzen sind bis etwa -25 °C winterhart. Die Blüten riechen für die meisten Menschen eher unangenehm, sind aber für Insekten attraktiv. Die Pflanzen bilden Ausläufer und können schnell dichte Dickichte bilden. Regelmäßiges Zurückschneiden ist möglich, und die Pflanzen treiben danach lange, gerade Triebe aus. Pflanzen dieser Gattung sind besonders resistent gegen Hallimasch.
Vermehrung
Der Rote Hartriegel lässt sich auf fast jedem Weg vermehren und tut das auch von selbst. Am schnellsten geht es über Stecklinge: halbverholzte Triebe im Juni und Juli oder Steckhölzer aus ausgereiftem Holz im Spätherbst, etwa zwanzig Zentimeter lang, direkt ins Freiland gesteckt — die Bewurzelungsrate ist hoch, Bewurzelungshilfen sind unnötig. Bogentriebe legen sich von allein nieder und wurzeln an der Auflagestelle an; solche Absenker lassen sich im folgenden Jahr abstechen. Ebenso liefern die reichlich gebildeten Wurzelausläufer fertige Jungpflanzen, die man im Winter mit einem Spatenstich abtrennt. Die Aussaat ist der langsamste Weg: Die Steinkerne sind Kaltkeimer und keimen nach dem Entfernen des Fruchtfleisches oft erst im zweiten Frühjahr, also nach zwei Wintern im Freiland.
Wert für Tiere
Der Rote Hartriegel ist eine der tragenden Arten der heimischen Hecke. An seinen offen liegenden Scheibenblüten im Mai und Juni bedienen sich rund sieben Wildbienenarten, dazu zwölf Schwebfliegenarten sowie zahlreiche Fliegen und Käfer — die flache Blütenform macht den Nektar auch kurzrüsseligen Insekten zugänglich, obwohl das Nektarangebot nur mittelmäßig und das Pollenangebot gering ist. Siebzehn Schmetterlingsarten nutzen ihn als Raupenfutter, eine davon ausschließlich. Den größten Ausschlag gibt aber das Fruchtangebot: Vierundzwanzig Vogelarten fressen die schwarzen Steinfrüchte, darunter Singdrossel, Amsel, Wacholderdrossel, Rotkehlchen und Star, die zugleich die Samen verbreiten. Das dichte, vielstämmige Gerüst wird gern als Nistplatz und Ansitz angenommen, und die Wurzelausläufer schließen den Heckenfuß so weit, dass Kleinsäuger dauerhaft Deckung finden.
Besonderheiten
Besonderheiten: Triebe im Winter blutrot (Anthocyan) Winteraspekt, Färbung nur in voller Sonne kräftig Rückschnitt fördert junges Farbholz; Wurzelausläufer+wurzelnde Bogentriebe bildet Dickichte, nicht an Beetkanten setzen; Herbstfärbung leuchtend rot; Samen 40-45% Öl früher Lampenöl+Seife; Holz sehr hart (Drechseln, Flechtwerk, Werkzeugstiele); Früchte für Menschen bitter+ungenießbar;
Herkunft & Lebensraum
Europa bis Mittelasien. Der Rote Hartriegel besiedelt fast ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens und reicht über den asiatischen Teil der Türkei und den Kaukasusraum bis nach Mittelasien. In Mitteleuropa gehört er zu den häufigsten Straucharten überhaupt: Er wächst in Feldhecken, an Waldrändern, in Gebüschsäumen und auf verbuschenden Wiesen, mit deutlichem Schwerpunkt auf kalkhaltigen Böden. Vom Flachland steigt er in den Bayerischen Alpen bis etwa 900 Meter, im Wallis bis rund 1.550 Meter auf. Er ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz heimisch und einer der Grundbausteine der mitteleuropäischen Heckenlandschaft.
Der Rote Hartriegel ist die Kennart der mitteleuropäischen Gebüschsäume: Er wächst in Feldhecken, an Waldmänteln und Waldrändern, in verbuschenden Magerrasen, auf Böschungen und in lichten Au- und Hangwäldern. Sein Schwerpunkt liegt auf kalkhaltigen, basenreichen Lehm- und Tonböden in wärmeren Lagen, doch er verträgt auch mäßig saure und periodisch feuchte Standorte und wächst in Auwäldern mit Überschwemmung ebenso wie auf trockenen Kalkhängen. Er erträgt Halbschatten, blüht und fruchtet aber nur in der Sonne reichlich. Über Wurzelausläufer bildet er breite, dichte Säume, die den Übergang zwischen Wald und Offenland ausfüllen — genau die Struktur, die in der Kulturlandschaft am häufigsten fehlt.
⚠️ Gefahren
Die Blätter können bei empfindlichen Menschen Hautreizungen auslösen.
Häufige Fragen
Roter Hartriegel: Wie groß wird die Pflanze?
Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) wächst als Strauch und erreicht ausgewachsen etwa 3 m Höhe bei rund 3,5 m Breite. Das Wachstum ist mittel.
Roter Hartriegel: Welchen Standort braucht die Pflanze?
Roter Hartriegel verträgt Halbschatten. Als Boden eignet sich Sand, Schluff, Lehm, Ton. Die Bodenfeuchte sollte im Bereich halbfeucht – sehr nass liegen. Der pH-Wert darf zwischen 5,6 und 7,6 liegen.
Roter Hartriegel: Ist die Pflanze winterhart?
Roter Hartriegel ist für die Winterhärte Zone 5–7 angegeben und übersteht dort normale Winter im Freien.
Roter Hartriegel: Wächst die Pflanze in Deutschland?
Roter Hartriegel ist bis Zone 5 winterhart und übersteht damit in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz normale Winter im Freien.
Roter Hartriegel: Ist die Pflanze giftig?
Für Roter Hartriegel sind einzelne Pflanzenteile als leicht bedenklich vermerkt — die Pflanze gilt nicht als giftig. Verlass dich bei Wildpflanzen nie allein auf eine Datenbank, sondern nur auf eine sichere Bestimmung.
Roter Hartriegel: Wozu lässt sich die Pflanze nutzen?
Bewertet auf einer Skala bis 10: Essbar 3/10, Heilkunde 1/10, Sonstige Nutzung 1/10.
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